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Elbmarsch-Stern
Die Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann (Bardowick, l.) und Laars Gerstenkorn (Scharnebeck) glauben, dass der Bedarf für den ogenannten Elbmarsch-Stern als zusätzliches Angebot im Nahverkehr vorhanden ist. (Foto: t&w)

Den Blick nach Norden schärfen

Lüneburg. Die Begeisterung der Lüneburger Kreisverwaltung für das Buslinienkonzept Elbmarsch-Stern hält sich weiterhin in Grenzen. Das wurde bei der jüngsten Sitzung des Wirtschaftsausschusses des Lüneburger Kreistages deutlich. Wie berichtet, war der Landkreis aus den Planungen für das ÖPNV-Konzept, das Lüneburg, Winsen/Luhe, Lauenburg, Geesthacht und Hamburg-Bergedorf über Buslinien besser miteinander verbinden soll, ausgestiegen. Beteiligt waren bislang neben dem Hamburger Verkehrsverbund (HVV) die Kreise Lüneburg, Harburg und Herzogtum Lauenburg. Die Gesamtkosten pro Jahr beziffert der Kreis Lüneburg mit 550 000 Euro, getragen von allen vier Partnern.

Die Verwaltung betrachtet das Kosten-Nutzen-Verhältnis für den Landkreis Lüneburg jedoch als kritisch. „Mit 200 000 Euro Finanzierungskosten tragen wir im Vergleich zu den Nachbarn einen sehr hohen Anteil“, so Merle Rahmann vom zuständigen Fachdienst Schule und Kultur während der Sitzung des Wirtschaftsausschusses. „Wir erwarten aber keine hohe Nachfrage – damit geht das Konzept an unseren Interessen vorbei.“ Außerdem würde der Elbmarsch-Stern Strecken bedienen, die schon jetzt gut über den Schienenverkehr funktionieren.

Verbindungen wichtig für einen attraktiven Nahverkehr

Diese Sichtweise auf das Projekt fällt in den Samtgemeinden Bardowick und Scharnebeck allerdings entschieden anders aus. In den beiden einwohnerstarken Kommunen mit zusammen 33 000 Bürgern befinden sich die meisten Orte, die von den angedachten Busanbindungen profitiert hätten. Heiner Luhmann, Verwaltungschef der Samtgemeinde Bardowick, sagt, dass mit Sicherheit Interesse an dem Angebot vorhanden wäre. „Für unsere Orte ist der Elbmarsch-Stern wichtig“, sagt er. Darum plädiert er dafür, das Projekt nicht fallen zu lassen. „Bei uns ist es nun einmal so, dass sich viele Leute in den Mitgliedsgemeinden nach Hamburg orientieren, weil sie in dort ihren Arbeitsplatz haben.“ Daher wären bessere ÖPNV-Anbindungen nach Norden für sie zweifelsohne ein Gewinn, so Luhmann.

Zurzeit sei es jedoch so, dass aufgrund fehlender Bus- und Bahnanbindungen in den nördlichen Gemeinden wie etwa Barum und Handorf die Hamburg-Pendler nur auf das Auto zurückgreifen könnten, sagt er. „Wenn wir sie für den ÖPNV begeistern wollen, müssen wir ihnen auch etwas anbieten. Machen wir das nicht, wecken wir kein Interesse“, lautet seine Devise. Der Elbmarsch-Stern ist für ihn ein solches Angebot. „Allerdings müssen wir es den Menschen dann auch als Lust am ÖPNV verkaufen, und nicht als Last.“

„Für unsere Orte ist der Elbmarsch-Stern wichtig.“
Heiner Luhman n Bürgermeister der Samtgemeinde Bardowick

Dass der Elbmarsch-Stern an den Interessen des Landkreises Lüneburg vorbeigehe, das findet Laars Gerstenkorn nicht. Jedenfalls gilt das seinen Worten zufolge nicht für den nördlichen Teil des Kreises im Bereich der Samtgemeinde Scharnebeck. „In Artlenburg und Hohnstorf gibt es schon länger den Wunsch nach besseren Busanbindungen nach Geesthacht, Bergedorf und an den Bahnhof in Lauenburg“, erklärt der Samtgemeindebürgermeister. Für ihn ist diese Forderung keine Überraschung. „Aufgrund der Lage ist die Samtgemeinde ja nicht nur ausschließlich nach Lüneburg ausgerichtet, sondern ebenfalls in die andere Richtung, nach Norden. Und die Verknüpfungen im ÖPNV nach dort werden in den Gemeinden vermisst“, erläutert Gerstenkorn. Infolgedessen hält er den Elbmarsch-Stern für eine sinnvolle Ergänzung im Nahverkehr, die auch ihren Zuspruch erhalten könnte. „Wenn die Verbindungen attraktiv sind.“

Die Zweifel der Kreisverwaltung am Elbmarsch-Stern erläutert Sprecherin Urte Modlich: „Um die Pendlerbewegungen einschätzen zu können, betrachten wir die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Danach ist ein gewisser Bedarf gegeben, der jedoch nicht durch einen großen Linienbus im sogenannten Elbmarsch-Stern abgedeckt werden soll.“

Landkreis setzt auch in der Elbmarsch auf Rufbusse

Zur Abdeckung dieser Bedarfe verfolgt der Landkreis nach ihren Worten zwei Ziele. „Zum Einen ist geplant im Rahmen des ab 2019 gültigen Nahverkehrsplanes alle ländlichen Gebiete, darunter auch die Samtgemeinde Bardowick und Scharnebeck, über einen Rufbus abzudecken. Dieser soll dann zum Beispiel auch die Verbindung nach Marschacht und Lauenburg bedienen.“

Das System Rufbus könne flexibel auf Nachfragen reagieren und je nach Bedarf den Fahrzeugeinsatz steuern. Zudem sei geplant, diesen auf die vorhandenen Verkehre mit Linienbussen und Schienenverkehr abzustimmen. „Zusätzlich hat der Landkreis Lüneburg Kontakt zur Landesnahverkehrsgesellschaft aufgenommen, um eine Landesbuslinie zwischen Bardowick, Handorf und Geesthacht zu realisieren.“

Ob der Elbmarsch-Stern letztlich in den neuen Nahverkehrsplan einbezogen werden soll, darüber beraten noch die Fraktionen des Lüneburger Kreistages.

Von Stefan Bohlmann