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Wolf Waltje, Klaus-Otto Dierßen und Dr. Olaf Andersson (v.l.) suchen den Bardowicker Sommerkönig. Bislang fehlt jede Spur von der verschollenen alten Apfelsorte, die im 19. Jahrhundert in einem Bardowicker Pfarrgarten entdeckt wurde. Foto: stb

Vom Sommerkönig fehlt jede Spur

Bardowick. Eine heiße Spur fehlt Dr. Olaf Andersson, Wolf Waltje und Klaus-Otto Dierßen bei ihrer pomologischen Detektivarbeit. Die Vorstandsmitglieder des Lüneburger Streuobstwiesenvereins suchen den verschollenen Bardowicker Sommerkönig. Bislang jedoch erfolglos. „Das ist eine alte Apfelsorte, die Mitte des 19. Jahrhunderts an einem Spalierbaum an einem Bardowicker Pfarrhaus in die Höhe geschossen war“, berichtet der Vereinsvorsitzende Olaf Andersson.

Verlorener Schatz aus Bardowicker Pfarrgarten

Durch Zufall entdeckt hatte das Spalierobst seinerzeit der damalige Pastor des Domfleckens, Johann Georg Conrad Oberdieck (1794-1880). Der Geistliche hatte eine Vorliebe für Äpfel und andere Früchte. Er beschäftigte sich mit der Obstkunde und wurde einer der bedeutendsten deutschen Pomologen des 19. Jahrhunderts, der über eine stattliche Sammlung von 4000 verschiedenen Sorten verfügte. Seine Veredelungen vertrieb er in ganz Europa.

Zwischen 1819 und 1831 war er Prediger in Bardowick und im Nikolaihof. Zu dieser Zeit begann er, sich intensiv der Obstkunde zu widmen. Weil der traditionelle Gemüseanbau in jenen Tagen schwächelte, wollte er den verarmten Bardowicker Bauern helfen. Der Absatz nach Hamburg war praktisch zum Erliegen gekommen als Folge der Befreiungskriege und der französischen Besatzung der Hansestadt Anfang des 19. Jahrhunderts. „Oberdieck wollte durch den Obstanbau neue Absatzmärkte für sie in Hamburg entwickeln“, erzählt Dr. Olaf Andersson. Der Pfarrgarten diente dem Pastor als Testgelände bei der Suche nach den besten Sorten für den Standort Bardowick.

Apfel könnte seine Herkunft in Holland haben

„Wo sich das Pfarrhaus im Ort befand, an dem der Sommerkönig wuchs, ist uns nicht bekannt“, berichtet das Trio vom Streuobstwiesenverein. Dafür wissen sie aber, dass der Apfel seine Herkunft in Holland haben könnte, wie es Pastor Oberdieck 1852 in einem Aufsatz erwähnte. Zum Geschmack des Bardowicker Sommerkönigs schrieb er damals: „Läßt man aber die Frucht am Baume ganz zeitigen, wo sie dann gewöhnlich etwas cicadirt, so ist sie äußerst saftreich, zartfleischig, von erquickendem, etwas gezuckertem Weingeschmacke, daß Personen, die sie bei mir aßen, öfter meinten, sie sei so angenehm zu essen, wie Pfirschen (Pflaumen).“

„Die Sorte müsste ein hochstämmiger Sommer- bis Frühherbst-Apfel sein. Der Baum kann recht alt werden, 80 bis 100 Jahre“, so Andersson. Er bedauert, dass das Aussehen von Baum und Frucht unbekannt ist. „Das macht die Suche so schwer und es wäre ein echter Sensationsfund, sollte jemand diese alte Apfelsorte trotzdem noch irgendwo entdecken.“

Letzte Spur in Echem

Die bislang letzte Spur führte nach Echem. „Dort fand unser Vereinsmitglied Hendrik Harms einen Apfelbaum auf dem elterlichen Hof, der dem Bardowicker Sommerkönig ähnelte“, berichtet Andersson. Allerdings sind sich die Experten, die ihn untersuchten, nicht sicher, ob es sich tatsächlich um den gesuchten Baum handelt. „Er passt nämlich nicht ganz zur historischen Beschreibung.“

Und so suchen Dr. Olaf Andersson, Wolf Waltje und Klaus-Otto Dierßen voller Tatendrang weiter. Sie hoffen, Hinweise beim diesjährigen Apfelfest an der Bardowicker Windmühle zu erhalten. Um dann endlich dem verschollenen Sommerkönig auf die Spur zu kommen.

Von Stefan Bohlmann

Apfelfest

Saftpressen und mehr

Beim Apfelfest an der Mühle am Mittwoch, 3. Oktober, von 11 bis 17 Uhr, können sich Besucher durch den Pomologen Jan Bade Apfel- und Birnensorten bestimmen lassen. Dafür sind mindestens fünf Früchte pro Sorte erforderlich. Die Kosten betragen 2,50 Euro je erfolgreich bestimmter Sorte.

Zudem gibt es eine Apfel- und Birnenausstellung sowie zahlreiche Marktstände. Zudem können sich Besucher Obstbäume bestellen und über Streuobstwiesen informieren. Kinder können sich ihren eigenen Apfelsaft pressen. Während des Apfelfestes hat das Mühlencafé geöffnet.