Aktuell
Home | Lokales | Bienenbüttel | Von Irritationen und Irrtümern
Hans-Wilhelm Giere (v. l.) mit seinen Mitarbeitern Robert Fürstenau und Frank Ratring. Der Geschäftsführer des geplanten Bürgerwindparks in Wulfstorf will den Vastorfern entgegenkommen. Foto: cm

Von Irritationen und Irrtümern

Vastorf/Bienenbüttel. Die harte Haltung der Gemeinde Vastorf zu den geplanten Windkraftanlagen im benachbarten Wulfstorf stößt bei den beiden Geschäftsführern des Bürgerwindparks Wulfstorf auf Irritationen. „Wir verstehen nicht, wo das Problem ist“, sagt Geschäftsführer Hans-Wilhelm Giere. „Vastorf kann uns klar sagen, was zu dieser Haltung führt – wir möchten darüber nur sachlich sprechen.“

Wie berichtet, hatte der Vastorfer Rat dem Ausbau eines Gemeindeweges als Zuwegung zu den geplanten vier Anlagen nicht zu gestimmt. Als Gründe hatte Bürgermeister Peter Lade (SPD) den Schutz von Flora und Fauna sowie die Problematik des Bahnüberganges angegeben, der möglicherweise geschlossen werden könnte, wenn der zweite Bahnübergang als Zuwegung für den Windpark aufgewertet werde. Lade hatte angemerkt, dass die Gemeinde Vastorf von den geplanten Anlagen nichts hätte, außer den Belastungen.

Sparbriefe mit garantierter Verzinsung

Das sieht Giere anders: „Auch darüber kann und sollte man sprechen, wenn es legale Möglichkeiten sind.“ Bereits bei der ersten Vorstellung im Vastorfer Gemeinderat im Februar 2016 wurde über eine geplante Bürgerbeteiligung für die betroffenen Ortschaften informiert. Angedacht sind sogenannte Bürgersparbriefe, also Anteile am Windpark, die eine garantierte Verzinsung beinhalten. „Davon können Gifkendorfer, Vastorfer und Volkstorfer Bürger profitieren“, sagt Giere.

Für die Problematik des Bahnüberganges sieht Giere ebenfalls Möglichkeiten, wenn man denn ins Gespräch komme: „Wir können nachvollziehen, dass das ein Problem für die Gemeinde sein kann.“ Man müsse die Situation natürlich analysieren. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir den Übergang zunächst in der Bauphase nutzen.“ Wenn es dazu komme, dass Bahnübergänge geschlossen werden sollen, gebe es Regelungsbedarf. „Dabei geht es dann um großräumigere Lösungen, zumal der betroffene Bahnübergang nicht verkehrstechnisch aufgewertet würde und auch die Nutzung insgesamt nach der Bauphase bedeutungslos bleibt“, schätzt Giere die Situation ein.

Die Vorstellung, dass die Lkw sonst durch Gifkendorf fahren könnten, wie die Vastorfer befürchten, hält Giere für unrealistisch. „Das würde überhaupt keinen Sinn ergeben.“

Das Thema ist sehr emotional besetzt

Den anderen Kernpunkt der Vastorfer Kritik, den Umweltschutz und das Vorkommen der geschützten Vogelarten, nimmt Giere ebenfalls ernst. „Wenn wir einen Bauantrag einreichen, kommt das alles ohnehin auf den Tisch und wird intensiv geprüft“, erinnert er. Schon im Vorfeld der Planungen hätten er und sein Partner Gutachten erstellen lassen, darunter auch ein avifaunistisches Gutachten.

„Alle vorliegenden Erkenntnisse werden die zuständigen Behörden im Genehmigungsverfahren nach Recht und Gesetz bearbeiten und nachfordern, was fehlt“, sagt Giere. Im Moment scheine dieses Thema jedoch sehr emotional besetzt zu sein.

Ihm liege daran, Konfliktpunkte anzusprechen. „Wir haben viel Kapital in dieses Projekt gesteckt, und wir wissen noch nicht, ob wir bauen können.“ Darüber wollen die beiden Geschäftsführer sich nicht beklagen, aber sie würden gerne mit den Vastorfern noch einmal ins Gespräch kommen. „Das wäre unser Wunsch“, sagt er.

Von Claudia Misiek

Chronologie

Wie alles begann

Als der Kreis Uelzen 2015 anfing, sein Regionales Raumordnungsprogramm (RROP) zu überarbeiten, wurde die Fläche in Wulfstorf als ein potentielles Vorranggebiet für Windkraft mit aufgenommen. Um nicht ortsfremden Investoren und Projektierern das Feld zu überlassen, gründeten Hans-Wilhelm Giere und Harald Otter die Bürgerwindpark Wulfstorf Projektierungsgesellschaft und beauftragten den Bauernverband mit der professionellen Projektbegleitung. Im Februar 2016 wurde das Projekt im Vastorfer Rat erstmalig vorgestellt. Dabei legte Wolf Winkelmann vom Bauernverband umfassend dar, was geplant ist und welche Auswirkungen das haben kann. Ergebnisse aus umweltrelevanten Gutachten zum Schattenwurf und Schallberechnungen wurden erläutert.

Schon damals hatte Vastorf eher kritisch auf die Maßnahme reagiert. Später wurde bemängelt, dass die Gemeinde nicht offiziell durch den Kreis Uelzen am Verfahren beteiligt wurde. In einer Stellungnahme zum Raumordnungsprogramm vom 2. März 2018 schlägt die Gemeinde jedoch selbst die Zuwegung über den besagten Weg samt Bahnübergang 84 vor.

Mehr dazu:

https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/1956102-vastorfer-brechen-mit-bauernverband