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Bunte Steine
Von manchen Steinen kann Angela Solinski sich kaum trennen – so wie von diesem Pfau, den sie gestern ausgesetzt hat. (Foto: t&w)

Die Welt bunter machen

Bienenbüttel. Ein Eisbär liegt in der Morgensonne auf einem Baumstumpf an der Steddorfer Straße – gerade ausgewildert von Angela Solinski, um „vereiste“ Herzen zu erwärmen, wie sie sagt. Fast täglich zieht die 56-Jährige mit dieser Mission, einem Beutel und Hund Nino durch die Gemeinde Bienenbüttel und verteilt bemalte Steine an Wegesrändern, auf öffentlichen Plätzen, auf Bänken oder in der Feldmark. Mal kommen sie in der Gestalt eines Tieres daher, etwa als Eisbär, mal dienen sie als Fläche für aufmunternde Worte oder andere künstlerische Experimente mit bunter Farbe. Und wenn es besonders gut läuft, landen sie früher oder später in fremden Händen und mit Foto im Internet – in der neu gegründeten Facebook-Gruppe „Ilmenaustones“ um Angela Solinski.

Vorbild „ElbStones“

Ganz neu ist die Idee nicht. Der Trend stammt vermutlich aus Amerika, hat aber auch hierzulande inzwischen viele Fans gefunden. So stieß Angela Solinski im Frühjahr durch den Tipp einer Freundin auf die Gruppe „ElbStones“ aus Lauenburg. „Ich fand die Idee sofort toll. Auf diesem Weg sind schon bunte Steine in Afrika und Russland gelandet“, schwärmt die Neu Steddorferin.

Das Ganze funktioniert folgendermaßen: Einfache Steine werden bemalt, draußen ausgelegt, von Passanten gefunden und von ihnen wieder an anderer Stelle versteckt. Im Idealfall folgen die Finder auch noch dem kleinen Hinweis „Ilmenaustones“ auf der Rückseite der Steine und posten ihren Fund in der gleichnamigen Gruppe bei Facebook. „So freut sich nicht nur der, der den Stein gefunden hat, sondern auch der, der ihn bemalt hat“, erklärt Angela Solinski. Die eigene Gruppe gründete sie nach dem Vorbild der „ElbStones“ vor rund drei Wochen, 170 Mitglieder zählt sie inzwischen.

Lüneburgs schönste Straßenzüge auf Stein

Fragt man die Initiatorin, könnten es aber gern noch deutlich mehr sein – vor allem aktive Mitstreiter, die auch selbst Steine bemalen. Was man dafür braucht? Acrylfarbe, Klarlack aus dem Baumarkt oder dem Bastelgeschäft – definitiv aber kein großes künstlerisches Talent, sagt Angela Solinski, schließlich könnte schon ein netter Spruch anderen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. So wie neulich, als eine Frau ihren gefundenen Stein – beschriftet mit den Worten „Glaub an Dich!“ – mit Foto ins Netz stellte. „Sie wollte gerade einen neuen Job anfangen und fühlte sich durch den Stein in ihrer Entscheidung bestärkt.“ Zufall? Angela Solinski zuckt mit den Schultern. „Vielleicht sollte der Stein sie ja finden.“

Für solche Glücksmomente sitzt sie Abend für Abend auf ihrer Couch und malt: Tiere, Kopien bekannter Kunstwerke oder das, was die Form des Steins hergibt. So sind zum Beispiel schon Rinderhufe und Xbox-Controller entstanden und jüngst das Edendorfer Feuerwehrhaus. Allein drei Stunden hat Angela Solinski in Lüneburgs schönste Straßenzüge investiert. „Die Steine sollen die Welt bunter machen“, sagt sie. „Die Menschen laufen viel häufiger mit hängenden Mundwinkeln durch die Welt – traurig oder in sich gekehrt. Das will ich ändern.“

Von Anna Petersen