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Alt Garge
„Ausländer raus“: Solche rechten Parolen will die Alt Garger Dorfgemeinschaft nicht akzeptieren. (Foto: t&w)

Ein Dorf wehrt sich gegen Rechts

Alt Garge. Ortsvorsteherin Kerstin Klann ist wütend. Als sie vor einigen Tagen mit dem Fahrrad durch ihren Heimatort radelte, entdeckte sie etliche Nazi-Schmierereien am Bushäuschen und auf der Straße. „Ausländer raus“ heißt es da zum Beispiel. „Ich bin auf direktem Wege ins Rathaus zum Bürgermeister gefahren, um mit ihm zu besprechen, was zu tun ist. Zeitgleich haben mich aber auch schon empörte Dorfbewohner angerufen.“ Die Stadt Bleckede hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Das sei wichtig als Statement, so Klann. Am Freitag hatte sie zu einem symbolischen Treffen aufgerufen, „als Zeichen, dass wir dagegen sind“, und ist sehr froh, dass ihrem Aufruf so viele Menschen gefolgt sind.

Was kann man gegen Rassismus tun?

Hier haben sie und zahlreiche Alt Garger deutlich gemacht, dass im Dorf alle Menschen willkommen seien, unabhängig von Nationalität, Religion oder Hautfarbe. Außerdem wurde offen die Frage gestellt, was man gegen Rassismus im Dorf tun könne. Wichtig sei es zum Beispiel, Möglichkeiten zu schaffen, Jugendliche mit mehr Freizeitangeboten von den Straßen zu holen, herrschte im Dorf Einigkeit. Momentan gebe es keine Möglichkeiten für sie, Fußball zu spielen, kritisierten einige Jugendliche.

„Alt Garge ist als Dorf ganz klar gegen Rassismus in jeder Form, das sollten wir langfristig deutlich machen, etwa mit Bannern und Plakaten“, schlug Jutta Ossenkopf, Gleichstellungsbeauftragte und Vorsitzende des Seniorenbeirates Bleckede, vor und erntet dafür viel Zustimmung.

Bushäuschen als Kunstprojekt?

Carsten Bause aus dem Kirchenvorstand Barskamp machte auf einen deutsch-iranischen Gottesdienst am 13. Oktober aufmerksam.

Zuspruch fand auch die Idee, das Bushäuschen in einer Gemeinschaftsaktion neu zu streichen, vielleicht auch bunt, als Kunstprojekt. „Die, die das gewesen sind, sollen unsere Aktion auch mitkriegen“, betont Ortsvorsteherin Klann. Die Dörfer der Stadt Bleckede müssten nun klar Stellung beziehen.

Wer genau hinter den Schmierereien stecke, wisse man nicht, aber natürlich gebe es einige Verdächtige, die schon öfter auffällig geworden seien, engstirnige Einzelpersonen. Sogenannte rechte Nester gebe es nicht, hieß es.

Von Lea Schulze