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Seit gut einem Jahr leitet Susanne Eich den noch jungen „NaturCampus Bockum“. Die Einrichtung in Trägerschaft der Lüneburger Hebrok Stiftung hat sich erfolgreich um Fördermittel aus dem Leader-Programm beworben. Foto: dth

So kommt man an Fördergeld

Westergellersen. Rund 320.000 Euro Fördermittel will die Leader-Region Naturpark Lüneburger Heide aus ihrem Budget auf insgesamt zehn neue Projekte in der Regio n verteilen. Die Beschlüsse fasste die Lokale Aktionsgruppe (LAG) bei ihrem jüngsten Treffen in der Lehmschün in Westergellersen, deren Sanierung selbst als Leader-Projekt gefördert worden war. Jetzt muss noch das Amt für regionale Landesentwicklung zustimmen. Einziger neuer Profiteur aus dem Landkreis Lüneburg wäre der Naturcampus Bockum der Lüneburger Hebrok-Stiftung. Abgeräumt haben mit ihren Projektideen vor allem Akteure aus dem Landkreis Harburg, insbesondere aus der Samtgemeinde Tostedt. Naturpark-Vorsitzender Olaf Muus betonte allerdings, dass all jene Ideen, die nun eine Förderung erhalten sollen, auch „als Blaupause für andere dienen“ können. Vielleicht nehmen sich fürs nächste Mal mehr Akteure aus dem Lüneburger Westkreis ein Vorbild daran.

Beobachtungsplattform für den Naturcampus Bockum

Die Amelinghausener Umweltbildungseinrichtung NaturCampus Bockum der Lüneburger Hebrok-Stiftung soll 60.000 Euro aus der Leader-Förderung erhalten. Der NaturCampus unter Leitung von Susanne Eich bietet unter anderem mehrtägige Klassenaufenthalte an. Das Geld soll eingesetzt werden, um einen Holzsteg und eine Beobachtungsplattform an der Lopau zu bauen, um das naturnahe Angebot zur Umweltbildung zu erweitern. Kurz davor hatte der NaturCampus in Nachbarschaft zum SOS-Hof Bockum für das gleiche Projekt bereits eine Förderzusage des Landkreises Lüneburg erhalten in Höhe von 15.000 Euro aus dem investiven Strukturentwicklungsfonds, um die Flächen „ökologisch aufzuwerten und erlebbar zu machen“. Die Gesamtkosten für das Projekt liegen bei mehr als 115.000 Euro.

Ein gemeinsames Haus für die Lüneburger Heide

Der Verein Naturparkregion Lüneburger Heide, der die Leader-Region überhaupt erst möglich macht, hat von der LAG-Versammlung aus Gemeindevertretern und Sozialpartnern einen Zuschuss in Höhe von 30.000 Euro zugesprochen bekommen. Es ist ein 50-Prozent-Zuschuss für eine Machbarkeitsstudie zur Erstellung eines „Naturpark-Hauses“. Dabei steht noch nicht fest, ob es sich um ein reales Haus handeln wird, das beispielsweise Ausstellungen zur Heide beheimaten wird, oder ob das Naturpark-Haus eher ein virtuelles Konstrukt sein soll, das ausschließlich online stattfindet.

Weitere 24.000 Euro erhält der Verein, um den „DialogKutsche“ in ein Folgeprojekt zu überführen. Bei dem Dialogprozess haben sich in den vergangenen zwei Jahren Heidekutscher, Kommunen, Flächeneigentümer und Untere Naturschutzbehörde über die Verbesserung des Kutschwegenetzes und der Serviceangebote ausgetauscht. Die Ideen sollen nun in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden. Der Eigenanteil des Vereins liegt bei 16.000 Euro.

Ein neuer Erlebnisgarten für das Heidedorf Wilsede

Für insgesamt 25.000 Euro plant der Verein Naturschutzpark (VNP) rund um das Heidemuseum „Dat ole Huus“ einen Erlebnisgarten nach altem Vorbild der Heidebauern um 1850 einzurichten. Die Hälfte soll aus Leader-Mitteln bezahlt werden. Vorgesehen sind die Aufarbeitung der Hofanlage, der Anbau alter Nutzpflanzensorten sowie die Einrichtung eines Ziehbrunnens.

Zuschuss für Harburgs „Bügel your Bike“

70.000 Euro sollen an den Kreis Harburg ausgezahlt werden, um die Aufstellung von neuen Fahrradabstellanlagen an drei weiterführenden Schulen in Salzhausen und Tostedt zu unterstützen. Beim Projekt „Bügel your Bike“ werden insgesamt 792 der Reihenabstellanlagen von Hanstedt bis Bardowick installiert, die 20 Prozent mehr Fahrräder bei gleichem Platz aufnehmen können. Parallel zur Lüneburger Heide beteiligt sich die Leader-Region „Achtern-Elbe-Diek“ in der Elbmarsch finanziell an dem Vorhaben. Insgesamt werden die Projektkosten auf mehr als 333.000 Euro beziffert.

Wegeausbau zu den „Naturblicken“ bei Egestorf

Dass man nicht das große Rad drehen muss, um Fördergelder für sinnvolle Maßnahmen einzuwerben, stellte die Gemeinde Egestorf unter Beweis. Sie will für mehr als 9400 Euro bestimmte Wanderwege ausbauen und soll dafür einen Zuschuss von rund 5000 Euro erhalten. Es geht um die Wanderwege zu den „Naturblicken“ beziehungsweise besonderen Landmarken „Zur Birkenbank“ und „Auf dem Auberg“ am Rande Egestorfs. Sie sind gleichzeitig Bestandteil der ausgewiesenen Naturpark-Wanderwege „Kulturfindlinge“, „Heide-Puzzel“ und „Pastor-Bode-Weg“.

Sportverein Todglüsingen räumt Fördermittel ab

Die höchste zugesagte Einzelfördersumme geht in dieser Runde mit 100.000 Euro an den Sportverein Todtglüsingen in der Samtgemeinde Tostedt: Der Verein mit rund 8000 Mitgliedern plant am Baggersee in Todtglüsingen den Bau eines Sportzentrums für rund zwei Millionen Euro. Die Räumlichkeiten sollen vor allem für naturnahen Reha- und Lungensport genutzt werden. Wegen der besonderen Verbindung von Sport und Natur hob die Lokale Aktionsgruppe das Projekt „als modellhaft für andere Sportvereine“ hervor. Konkret wird mit dem Zuschuss ein bestimmter Kursraum mitfinanziert.

Um Bewegung ging es auch beim Antrag der Gemeinde Tostedt: Die will am Rand des Ortsteils Todglüsingen einen zwölf Hektar großen „Bewegungspark Heidloh“ schaffen. Die Machbarkeitsstudie dafür wird mit einem Anteil von 40 Prozent in Höhe von 7200 Euro bezuschusst. Weitere 5600 Euro als 50-prozentigen Anteil soll die Kommune aus Leader-Mitteln erhalten, um drei neue touristische Infotafeln aufzustellen, die auf vorhandene Radwege und das örtliche Angebot des ADFC hinweisen sollen.

Landfrauen wollen 70 Obstbäume verschenken

Kopfzerbrechen bereitete den Vertretern der Förderbehörde ein ungewöhnlicher Vorschlag der Landfrauen Tostedt im Sinne der Bienenfreundlichkeit: Anstatt auf öffentlichem Grund eine Streuobstwiese anzulegen, wollen sie 70 Obstbäume an Privatpersonen in ihrer Gemeinde vermitteln – also verstreut in 70 privaten Gärten. Die Obstbaumpaten sollen zudem eine kostenfreie Qualifizierung durch einen Schnittkursus erhalten und sich im Gegenzug dazu verpflichten, den gestifteten Obstbaum zu hegen und zu pflegen.

Bedenken hatten die Behördenvertreter wegen der späteren Überprüfbarkeit des Förderprojekts bei einer Kontrolle durch die EU. Zumal die Fördermittelbindung für die 70 Bäume mindestens fünf Jahre betrage, solange müsse jeder geförderte Baum auffindbar sein. Jesteburgs Samtgemeindebürgermeister Hans-Heinrich Höper warnte davor, wegen bürokratischer Bedenken die Landfrauen zu verprellen. „Wir kriegen sonst richtig Ärger in der Region … die Landfrauen sind gut vernetzt.“

Von Dennis Thomas

Frist bis 3. September

Beratung für Antragsteller

Trotz der aktuellen Projekte fließen derzeit die EU-Fördermittel nur langsam ab, sagt Regionalmanagerin Hanna Fenske von der Naturparkgeschäftsstelle in Winsen. Sie hofft auf weitere Impulse in der Naturparkregion Lüneburger Heide. Aus dem Kreis Lüneburg sind die Samtgemeinden Amelinghausen, Gellersen und Ilmenau Teil der Leader-Region, die im Westen bis Tostedt und Neuenkirchen reicht. Anträge für Förderprojekte, die zum Regionalen Entwicklungskonzept passen müssen, können neben Kommunen, auch Vereine, Verbände und Privatpersonen stellen. Neue Anträge können bis zum 3. September eingereicht werden. Weitere Infos unter (04171) 69 31 45 und hanna.fenske@naturpark-lueneburger-heide.de.