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So könnte die neue Krippe in Kirchgellersen nach den Vorstellungen des Architekten aussehen. Grafik: henning reinhard

Kirchgellersen: Krippenpläne fallen größer aus als gedacht

Kirchgellersen. Alles neu macht der Mai, das gilt auch für die Krippenpläne in Kirchgellersen. Zunächst hatten die Kommunalpolitiker der Samtg emeinde Gellersen das Ziel verfolgt, ein Gebäude in Modulbauweise zu errichten, um die Einrichtung später nach dem Baukastenprinzip leichter erweitern zu können. Dem standen zwei Erkenntnisse entgegen: Die Modulbauweise ist laut Verwaltung teurer als gedacht und der Bedarf an Krippenplätzen so hoch, dass nun nicht erst einer, sondern gleich zwei Gruppenräume mit 30 Plätzen gebaut werden sollen.

Einigkeit bei der neuen Lösung 

Mit einstimmigen Beschlüssen sprachen sich jüngst in gemeinsamer Sitzung der Kindertagesstätten- und der Bauausschuss der Samtgemeinde für die neue Lösung aus, die von Architekt Henning Reinhard vorgestellt worden war: Demnach soll auf dem freien Areal östlich des gemeindlichen Kindergartens das neue Krippengebäude errichtet werden mit einer Grundfläche von mehr als 390 Quadratmetern. Das T-förmige, eingeschossige Gebäude ähnelt dem Krippenbau in Reppenstedt.

Eingangs der Sitzung hatte Gellersens Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers noch berichtet, dass die Vergabe der Kindergarten- und Krippenplätze zum neuen Kindergartenjahr abgeschlossen und „fast alle Wünsche erfüllt“ worden seien. „Allerdings liegen uns schon Krippenanmeldungen, vor allem aus Kirchgellersen, für das Jahr 2018 vor.“

Der Bedarf sei somit perspektivisch derart groß, dass der geplante Krippenneubau mit nur einer Gruppe nicht ausreiche und gleich mit einem zweiten Gruppenraum geplant werden müsse. Nach der Kostenberechnung des Architekten Reinhard schlage eine eingruppige Kinderkrippe mit Baukosten von rund 675 000 Euro zu Buche. Eine Erweiterung um einen Gruppenraum bedeute, zusätzliche 186 000 Euro in die Hand nehmen zu müssen.

„Gellersen deckt einen Verlust von fast zwei Millionen Euro pro Jahr bei Kindergärten und Krippen ab.“
Josef Röttgers, Bürgermeister

Samtgemeinde muss Geld aufbringen

Aus Sicht des Samtgemeindebürgermeisters Röttgers sei eine größer angelegte Planung auch mit Blick auf die Fördermittel „sinnvoll und konsequent“. Denn nach der Richtlinie zur Förderung des Ausbaus der Tagesbetreuung von Kindern unter drei Jahren würden bei zwei Gruppenräumen statt der bisherigen 180 000 Euro insgesamt 360 000 Euro Unterstützung vom Land winken. Röttgers gegenüber der LZ: „Damit hätten wir die Mehrkosten für die zweite Krippengruppe rechnerisch zu rund 90 Prozent wieder raus.“

Nichtsdestotrotz muss auch die Samtgemeinde als Trägerin der Kinderbetreuungseinrichtungen in Gellersen das Geld erst einmal aufbringen. Dafür wird demnächst ein Nachtragshaushalt notwendig sein. Nach Angaben der Verwaltung geht es neben den Baukosten von rund 861 000 Euro auch um eine Einbruchmeldeanlage für rund 15 000 Euro und die Ausstattung für die Krippe in Höhe von rund 40 000 Euro. Zudem müssen auch die Pläne für die Schul-Mensa in Kirchgellersen finanziell abgesichert werden.

Bleibt der Betrieb bezahlbar?

Baukosten sind das eine, Betriebskosten das andere. Aller Freude zum Trotz, dass künftig alle Gellerser Dörfer für die nächsten Jahren gut mit Krippenangeboten ausgestattet seien, so Röttgers, stellt sich die Frage nach der Bezahlbarkeit des Betriebs. Röttgers sagt: „Die Samtgemeinde Gellersen deckt bereits heute einen Verlust von fast zwei Millionen Euro pro Jahr bei Kindergärten und Krippen ab, da sind Elternbeiträge sowie Zuschüsse von Land und Landkreis schon abgezogen.“

Da weitere Gebührenerhöhungen für die Eltern schwer durchsetzbar seien, so Röttgers, sei abzuwarten, was die Verhandlungen der hauptamtlichen Bürgermeister mit dem Landkreis ergeben. Denn der ist eigentlicher Aufgabenträger der Kinderbetreuung, die Betriebskosten bleiben aber zu immer größer werdenden Teilen bei den Kommunen hängen.

Der Baubeginn der Krippe in Kirchgellersen hänge indes noch von der Änderung des Bebauungsplanes der Gemeinde Kirchgellersen ab sowie der späteren Bearbeitung des Bauantrags durch den Landkreis Lüneburg. Der Bauantrag könnte bereits Ende Juni erfolgen, heißt es. Optimistisch gerechnet, könnte der Betrieb im zweiten Quartal 2018 aufgenommen werden.

Von Dennis Thomas

Info-Abend in Grundschule

Die Gemeinde Kirchgellersen wird die Fläche für die neue Krippe zur Verfügung stellen und hat die Änderung des betreffenden Bebauungsplans Nr. 9 „Hornwiesen – Ost, 2. Planabschnitt“ bereits in die Wege geleitet. Dazu findet am Mittwoch, 17. Mai, um 19 Uhr ein Infoabend zur frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung statt. In der Aula der Grundschule Kirchgellersen (Einemhofer Weg 26) sollen die Ziele der Planung vorgestellt werden.

Derzeit verfügt die Samtgemeinde Gellersen über 60 Krippenplätze in Reppenstedt sowie 15 in Westergellersen, jeweils in kommunaler Trägerschaft, sowie 15 Plätze in Kirchgellersen in kirchlicher Trägerschaft. Mit dem neuen Krippenbau in Kirchgellersen würde die Gesamtzahl auf 120 Plätze steigen.