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In diesem Bachbett sollen sich Fische und Kleinstlebewesen wohlfühlen. Um neue Laichplätze und Verstecke zu schaffen, wurden 100 Tonnen Kies im Bachbett und an den Uferböschungen eingearbeitet. (Foto: kre)

Kies für die Kinderstube

Melbeck. 100 Tonnen Kies wurden jetzt in den Barnstedt-Melbecker Bach gefahren – zum Wohle junger Bach- und Meerforellen, Lachse, aber auch etlicher Kleinstlebewesen. Initiiert und koordiniert wurde die Aktion vom Gewässer- und Landschaftspflegeverband Mittlere und Untere Ilmenau mit Sitz in Uelzen. „Seit dem Jahr 2000 gibt es eine Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union, die die Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, die Gewässergüte und das ökologische Potential der Fließgewässer zu verbessern“, erklärt Koordinatorin und Verbands-Ingenieurin Sarina Brandenburg während eines Ortstermins.

Mit dabei ist auch Gerhard Krug, Vorsitzender des Lüneburger Angelsportvereins (LAV). Für die Petri-Jünger ist der Barnstedt-Melbecker Bach im wahrsten Sinne des Wortes die Kinderstube: „Hier setzen wir Jungfische aus, das Angeln an diesem Gewässer aber ist tabu“, betont Krug. Der Lüneburger Angelsportverein gehört mit zur „Gewässer-Allianz“, deren Ziel es ist, weitere gewässerverbessernde Maßnahmen umzusetzen.

Noch weit weg vom Ziel

„Das tut auch dringend not“, sagt Ingmar Sennes vom Gewässer- und Landschaftsverband, denn eigentlich sollte die EU-Wasserrahmenrichtlinie bis 2015 umgesetzt sein. Doch dieses Ziel ist nicht im Ansatz erreicht worden: „In Niedersachsen wurden gerade mal zwei Prozent erreicht.“ Viel besser sehe es wohl auch in vielen anderen Bundesländern nicht aus.

Gemeinden, Verbände und Vereine können sich mit ihren Maßnahmen bewerben, sofern deren Realisierung nicht teurer wird als 15 000 Euro. Die Kies-Aktion am Barnstedt-Melbecker Bach habe 9000 Euro gekostet. 90 Prozent habe das Land übernommen, den Rest müssen die Angler tragen.

Mit dem Ergebnis der Arbeit im Flussbett des Barnstedt-Melbecker Baches sind die Experten aus Uelzen und LAV-Vorsitzender Gerhard Krug zufrieden: Im Bachbett und an den Ufer-Böschungen wurden neben dem Kies auch kindskopfgroße Wackersteine eingebaut. Die tragen mit dazu bei, das Ufer zu befestigen. Das Material wurde so eingebaut, dass ein Teil davon vom Wasser mitgenommen und anderer Stelle abgelegt wird. So entstehen neue Lebensräume und Kinderstuben auch für Kleinstlebewesen wie Bachflohkrebse, Larven der Eintagsfliege, der Köderfliege und der Steinfliege. Sie sind Indikatoren für ein gesundes Ökosystem.

Von Klaus Reschke

One comment

  1. Endlich werden EU Gelder mal sinnvoll ausgegeben!
    Traurig nur das gerade mal 2% davon umgesetzt worden sind.