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Dr. Antje Reichelt wird neue Schulleiterin in Melbeck, die 51-Jährige löst Peter Kubasch ab, der nach Hamburg wechselt. (Foto: t&w)

Chemikerin ist die Lösung

Melbeck. Das Pendeln hat für Peter Kubasch ein Ende: Jahrelang ist er täglich von Hamburg nach Melbeck zur Arbeit gefahren, jetzt hat er einen neuen Job in Hamburg. Zum 1. August tritt der 62-Jährige, der seit Februar 2004 das Gymnasium Lüneburger Heide (GLH) in Melbeck leitet, die Stelle an. Seine Nachfolge am Privatgymnasium ist geregelt: Dr. Antje Reichelt, seit zehn Jahren an der Schule und seit sechs Jahren Stellvertreterin, übernimmt. „Ich habe sie selbst vorgeschlagen“, sagt Kubasch, der findet: „Wir haben exzellent zusammengearbeitet.“

Der scheidende Schulleiter hat nicht die klassische Direktorenlaufbahn gewählt. Nach seinem Lehramtsstudium, dem Referendariat und einem einjährigen Gastspiel als Lehrer in England war er 20 Jahre lang im Marketing tätig, ehe er vor 14 Jahren nach Melbeck wieder zurückkehrte in die Schule.

„Schön, wenn man mit 62 Jahren noch gebraucht wird“

Auch wenn das Ruhestandsalter bereits in Sichtweite ist, fühlt Kubasch sich noch jung genug, um noch einmal etwas Neues zu beginnen. Er übernimmt in der Elbmetropole die Gesamtleitung bei Phorms, unter dessen Dach neben einem Privatgymnasium und einer Grundschule auch eine Kita firmiert, alle Einrichtungen sind bilingual, schon in der Kita wird Englisch gesprochen. Für ihn war die neue Herausforderung „eine gute Gelegenheit. Und es ist schön, zu erleben, dass man mit 62 Jahren noch gebraucht wird“.

Er hinterlässt in Melbeck eine Schule, die vor allem mit ihrer Medienausstattung glänzen kann. Sie war eine der ersten Schulen, die elektronische Whiteboards im Unterricht einsetzte, Beamer und Internet in allen Klassenräumen sind in Melbeck längst selbstverständlich. Die Fünft- und Sechstklässler haben sogar ein eigenes Schulfach „New Media“, in dem sie zum Beispiel lernen, worauf sie achten sollten, wenn sie sich bei Instagram, Facebook oder Snapchat bewegen. Es gibt Bläserklassen, viel Projektarbeit, internationale Zusammenarbeiten und keinen Unterrichtsausfall, gerade erst ist das Gymnasium als MINT-freundliche Schule ausgezeichnet worden. „Und durch unsere überschaubare Größe sind wir auch eine sehr persönliche Schule, nicht so ­anonym“, sagt Kubasch, der in der Lehrerband Bass, Gitarre oder Posaune gespielt hat.

Auch Lehrer bekommen Zeugnisse

Eine weitere Besonderheit: Nicht nur die Schüler bekommen Zeugnisse, auch die Lehrer werden jedes Halbjahr bewertet – von ihren Schülern. Kubasch sagt: „Das kann einem dann schon mal die Augen öffnen und man hinterfragt sich und sein Verhalten im Unterricht.“

Seine Nachfolgerin in Melbeck ist Diplom-Chemikerin. Als Mutter dreier Kinder sei es schwierig gewesen, eine Anstellung als Chemikerin zu finden, die sich mit der Familie vereinbaren lasse. „Aber ich bin keineswegs aus der Not heraus Lehrerin geworden“, stellt sie klar. Die 51-Jährige hat vor ihrer Zeit am GLH in Hittfeld und Salzhausen unterrichtet. Sie ist fortan verantwortlich für knapp 300 Schüler, von denen einige sogar täglich aus Celle, Uelzen, Seevetal und Soltau kommen, und 31 Lehrer. Ihr Stellvertreter wird Dr. Timo Lüth.

Von Alexander Hempelmann