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Philip Richert steigt wieder als Lulu Mimeuse auf die Bühne des T.NT. Foto: Theater/Tamme

Weihnachten in der Oben-Ohne-Bar

Lüneburg. Die Diseuse ist ein sonderbares Wesen. Sie lässt ein bisschen die Chansonnette spüren, ein bisschen die Kabaretteuse, und sie spielt nur zu gern mit d em Zwei- bzw. Eindeutigen. Zu den prominenten Vertreterinnen des Fachs zählten Evelyn Künneke (1921-2001), Zarah Leander (1907-1981) und Marlene Dietrich (1901-1992), die gerade im Jahrmarkttheater Bostelwiebeck gefeiert wird. Lüneburg wurde von einer Diseuse namens Lulu Mimeuse erobert, wobei das letzte „e“ tunlichst nicht mitgesprochen wird. Lulu heißt im wahren Leben Philip Richert und feiert ab Sonnabend, 8. Dezember, im Theater „40 Jahre im Showbusiness“.

Das Jubiläum passt, denn Philip Richert ist in diesem Jahr 40 geworden und hat wahrscheinlich schon im Gitterbettchen gekräht, charmiert und provoziert. Richert, seit 2010 am Theater Lüneburg, hat wiederholt die etwas schrägeren und dennoch erfolgreichen Produktionen mit auf den Weg gebracht, allen voran „Struwwelpeter“ und „The Black Rider“ sowie das Spätformat „SomnamBar“. Er ist in dieser Spielzeit aber auch in den „Nibelungen“ zu sehen und im „Pippi Langstrumpf“-Weihnachtsmärchen sowie ab 8. Februar in der „Opferung von Gorge Mastromas“.

Interview

Jetzt aber tritt Lulu Mimeuse auf. Begleitet wird die alternde Diva am Klavier wie in den Vorjahren von Mira Teofilova, der „Katze aus Bulgarien“, Henning Thomsen (Schlagzeug) und Sebastian Brand (Bass). Die Premiere am Sonnabend im T.NT ist ausverkauft. Aber Platz gibt es bei den weiteren, bis zum 23. Februar angesetzten Vorstellungen.

Die LZ hat Lulu Mimeuse zur neuen Show befragt, was natürlich nur sehr bedingt ernst zu nehmen ist.

Was treibt Sie nach 40 Jahren noch auf die Bühne?
Lulu Mimeuse: Vor allem treibt mich natürlich die Kohle. Ich brauche das Geld zur Absicherung meines Lebensabends, um mir weiterhin meinen exklusiven Lebensstandard zu erhalten. Aber ich gehe auch wieder auf die Bühne, weil ich das Feld nicht so ohne Weiteres den ganzen neuen Möchtegern-Lulus überlassen möchte, die immer dann aus dem Boden sprießen, wenn ich gerade auf Kur bin. Und: Noch kann ich das alles ja machen. Ich BIN das Original und ich HABE noch alles original: Zähne, Brüste, Hüfte, alles noch mein eigenes.

"Alles sieht fantastisch aus"

Passt Ihnen denn der Fummel vom letzten Jahr noch?
Nein. Es musste alles komplett neu genäht werden: Ich bin seit letztem Jahr aufgegangen wie ein Hefekloß. Dafür und auch für die neue Bühne habe ich meinen langjährigen Perücken- und Maskenbildner Marco Wenzig engagieren können. Alles sieht fantastisch aus.

Bieten Sie Ihren Freunden neue Anekdötchen und Lieder?
Selbstverständlich gibt es viele neue Geschichten aus meinem Leben und auch neue Songs zu hören. Meine Live-Band ist in Hochform. Natürlich dürfen auch meine großen Hits aus den vergangenen Jahren nicht fehlen.

Gibt es ein Lied, das sie seit 40 Jahren jeden Abend singen müssen?
Das ist die „Rinnsteinprinzessin“. Das ist mein erster Nummer-Eins Hit gewesen, weltweit, und ich singe das Lied immer noch gern.

Ach ja, und wie feiern Sie eigentlich Weihnachten?
Ich feiere Weihnachten traditionell immer mit viel Wein, fetter Gans und Schnaps bei der Mira zu Hause. Dann singen wir uns auf Bulgarisch ein und treten immer gegen 2 Uhr früh auf der Reeperbahn in einer Oben-Ohne-Bar auf.

Von Hans-Martin Koch

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