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Die beiden Gewässerkoordinatoren Sabrina Brandenburg und Christoph Scharf sowie Ulrich Ostermann vom Kreisverband der Wasser- und Bodenverbände Uelzen (v.l.) wollen den Barnstedt-Melbecker Bach wieder naturnah machen, indem sie neuen Kies einfüllen. Foto: plu

Renaturierung: Alles im Fluss für die Natur

Melbeck. Er entspringt südöstlich von Betzendorf, fließt durch die Gemeinde Barnstedt und mündet nordöstlich von Melbeck als linker Nebenfluss in die Ilmenau: der Barnstedt-Melbecker Bach. An diesem plant der Gewässer- und Landschaftspflegeverband Mittlere und Obere Ilmenau für den Spätsommer dieses Jahres Renaturierungsmaßnahmen. Zum Weltwassertag am Mittwoch stellte der Verband sein neues Projekt vor.

Viele Gewässer wurden vor Jahrzehnten tiefergelegt, entkiest und begradigt, um die Entwässerung zu erhöhen und Platz zu schaffen für Landwirtschaft und Gewerbe. Heute möchte man die Gewässer wieder zurück in einen naturnahen Zustand versetzen. Erreicht werden kann das zum Beispiel durch das Bauen von Fischtreppen oder das Pflanzen von Erlen am Ufer, um die Gewässer zu beschatten. Auch das Einfüllen von Kies in die Gewässer ist eine wichtige Renaturierungsmaßnahme – und diese möchten die beiden Gewässerkoordinatoren Sabrina Brandenburg und Christoph Scharf vom Gewässer- und Landschaftspflegeverband Mittlere und Obere Ilmenau nun am Barn­stedt-Melbecker Bach umsetzen.

Kies im Flussbett wichtig für Fische

Da der natürliche Kies vor Jahrzehnten zum Zwecke der Entwässerung aus den Flüssen entfernt wurde, findet man wie in den meisten Flüssen auch im Barnstedt-Melbecker Bach heute überwiegend Sand. „Das ist aber nicht natürlich“, sagt Scharf. Für Forellen oder andere Fische wie Mühlkoppe oder Bachneunauge ist der Kies im Fluss sehr wichtig: „Ohne ihn können sich die Forellen nicht vermehren, denn sie legen darin ihre Eier ab“, erklärt der Gewässerkoordinator.

Der Barnstedt-Melbecker Bach ist nur einer von vielen Flüssen in Niedersachsen, die bearbeitet werden müssen. Insgesamt 5000 Kilometer Gewässer sind das, darunter 160 Kilometer unter anderem im Verbandsgebiet Uelzen sowie in einem Teil von Lüneburg. In dieses Gebiet gehören auch die Ilmenau, der Hasenburger Bach, der Osterbach oder der Südergellerser Bach.

Als Gewässerkoordinatoren müssen Sabrina Brandenburg und Christoph Scharf die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie (siehe Infokasten) umsetzen, und zwar am besten bis zum Jahr 2021. Doch das ist nicht zu schaffen, sagen die beiden, denn der Weg zum Ziel „Naturnahe Gewässer“ ist kein leichter.

Renaturierung ist teuer

Für die Laufverlängerung zum Beispiel, also das wieder „schlängelig“ machen der Gewässer, braucht es viel Platz. Platz, der von den Landeigentümern abgekauft werden müsste – und das ist teuer. „Der hohe finanzielle Aufwand für die notwendigen Flächen und Maßnahmen macht es eigentlich unmöglich, das zu schaffen“, sagen Brandenburg und Scharf.

Ein weiteres Problem: Das Land Niedersachsen setzt bei der Umsetzung auf Freiwilligkeit. Doch nicht viele erklären sich bereit, freiwillig Zeit und Geld in die Umgestaltung von Flüssen zu investieren. Aber der Gewässer- und Landschaftspflegeverband Mittlere und Obere Ilmenau will etwas bewegen – und durch die Maßnahmen am Barnstedt-Melbecker Bach dem Ziel ein kleines Stück näher kommen.

Von Patricia Luft

Die Wasserrahmenrichtlinie

Einen umfassenden Schutz des Grundwassers, sowie der Flüsse, Bäche und Seen verlangt seit dem Jahr 2000 die EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Ziel der Richtlinie sind möglichst naturnahe Strukturen, wenig Schadstoffe und das Vorkommen von typischen Tieren und Pflanzen.

Zur Umsetzung der Richtlinie hat das Niedersächsische Umweltministerium Kooperationspartner in verschiedenen Landesteilen für ein Projekt zur naturnahen Entwicklung von Fließgewässern gewonnen: Die sogenannte „Gewässerallianz Niedersachsen“. Insgesamt neun Partner gehören ihr an. Die Gewässerallianzprojekte werden zu 80 Prozent vom Land finanziert.

Eine Auswahl von Gewässern, die intensiver untersucht und entwickelt werden sollen, hat der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) getroffen. Insgesamt handelt es sich hierbei um rund 5000 Kilometer Gewässer in Niedersachsen. Die aktuelle ökologische Zustandsbewertung zeigt, dass davon zum jetzigen Zeitpunkt leider nur sehr wenige Gewässer die Bewirtschaftungsziele erreicht haben: In Niedersachsen sind das zwei Prozent. plu