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Im Lufthebebohrverfahren wird erkundet, ob sich die Stelle für einen Förderbrunnen eignet. Das mit Luft und Wasser zutage geförderte Bohrgut wird in die Spülgrube gepumpt. Mit einer Lore fängt ein Mitarbeiter der Bohrfirma Bodenproben auf. Foto: lz/dth

Coca-Cola in Vögelsen: Sprechstunde am Bohrloch

Vögelsen. Mit lautem Surren dringt das Gestänge des Tiefenbohrers immer weiter ins Erdreich vor. Das Bohrgut wird mit Luft und Wasser zutage g efördert und in die kleine umwallte Spülgrube gepumpt. Die Bohrung im Auftrag von Coca-Cola läuft seit Tagen zwischen Vögelsen und Mechtersen auf Hochtouren. Es soll ermittelt werden, ob sich die Stelle zur Wasserentnahme eignet.

Auf der Suche nach Wasser

Wenn ja, soll ein Brunnen gebaut und in einem Pumpversuch ermittelt werden, ob es schädliche Auswirkungen hätte, pro Jahr 350 000 Kubikmeter Wasser für die „Vio“-Abfüll­linie zu fördern. Ginge auch das gut aus, würde der Antrag für eine Fördererlaubnis beim Landkreis Lüneburg gestellt. Für Interessierte boten die Projektverantwortlichen an der Baustelle jetzt an zwei Tagen eine Bürgersprechstunde an. Die Resonanz war gering. Auch die LZ hatte Fragen, wurde aber vor Ort an die Pressestelle von Coca-Cola in Berlin verwiesen.

Der Regen der vergangenen Tage hatte den Weg aufgeweicht. Wer zur Bürgersprechstunde an der Baustelle am Waldrand wollte, war entweder gut beraten, mit einem geländegängigen Auto die gut 800 Meter querfeldein südlich der Kreisstraße zurückzulegen oder zumindest Gummistiefel mitzunehmen. Die ehemalige Mechterserin Cornelia Höllger hatte es am Mittwochabend mit dem Fahrrad versucht. Sie war gerade auf dem Rückweg. „Die Herren haben mir meine Fragen beantwortet.“

Bohrung zwischen Vögelsen und Mechtersen

Das Allgemeingut Grundwasser

Es sei um Druckverhältnisse im Erdreich gegangen, Wasser- und Fördermengen. „Ein besseres Gefühl habe ich nicht, dass ein privater Konzern das Allgemeingut Grundwasser für sich nutzen darf.“ Früher habe sie für zentrale Zukunftsthemen demonstriert, beispielsweise gegen ein Atommüllendlager in Gorleben, erzählt die Ruheständlerin. „Für unser Wasser würde ich heute wieder auf die Straße gehen. Aber wo bleibt der allgemeine Aufschrei?“

Zu den Zahlen: Nach Angaben des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) werden nur 13 Prozent des Wasserbedarfs in Niedersachsen mit Wasser aus Talsperren und Quellen gedeckt – etwa 87 Prozent stammen aus Grundwasserleitern, die sich im Untergrund bis etwa 200 Meter Tiefe befinden. Dort will auch Coca-Cola seine 350 000 Kubikmeter Wasser fördern, laut Konzernangaben nur „zwei Prozent der im betreffenden Grundwasserkörper genehmigten Entnahmen“.

Auf die Frage, in welchem Verhältnis der Grundwasserbedarf zur tatsächlichen Abfüllmenge in der Vio-Linie steht, schreibt Coca-Cola-Sprecherin Marlen Knapp: „Durchschnittlich rund 75 Prozent des geförderten Wassers wird für die Herstellung der Vio-Getränkefamilie verwendet. Rund 25 Prozent des Wassers wird für den Produktionsprozess benötigt – insbesondere für Rückspülprozesse (…)“, die nur mit „natürlichem Mineralwasser“ erfolgen dürften.

Wer haftet im Falle schädlicher Auswirkungen?

Sollte sich die Stelle bei Vögelsen für einen Brunnenbau eignen, solle ein Pumpversuch „die ideale Entnahmemenge für den Brunnen unter den lokalen hy­drogeologischen Bedingungen im Untergrund ermitteln“, schreibt die Sprecherin. Die Entnahme „werden wir … kontinuierlich überwachen und die Ergebnisse der Behörde zur Verfügung stellen“. Die Frage einer möglichen Haftung bei schädlichen Auswirkungen wurde nicht beantwortet.

Es werde an jener Stelle in dem Maß Wasser entnommen, „wie es natürlich nachfließt“. Auch das LBEG geht davon aus, dass die betroffenen „Grundwässer ein Alter von über 1000 Jahren besitzen können“. Auf die Frage, wie lange die Grundwasserregeneration speziell in dem Grundwasserstockwerk, der zur Entnahme vorgesehen ist, dauert, sagt die Coca-Cola-Sprecherin: „Es bedarf keiner Regeneration im eigentlichen Sinne, da Wasser in seinem natürlichen Kreislauf nicht verbraucht wird. Es fließt in einem steten Strom unter uns hindurch, tritt in Flüssen und Meeren wieder zutage, verdunstet und trifft als Niederschlag wieder auf die Erde (…).“

Von Dennis Thomas

Fragen und Antworten

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126 Liter Wasser pro Tag…

…braucht nach Angaben des Niedersächsischen Landesamtes für Statistik jeder Niedersachse im Durchschnitt für das tägliche Leben, beispielsweise fürs Trinken, Kochen, Waschen und Putzen.

Die von Coca-Cola angestrebte Fördermenge von 350 000 Kubikmeter würde rechnerisch dem durchschnittlichen jährlichen Wasserverbrauch von mehr als 7610 Personen entsprechen, das wäre mehr als das Dreifache der Einwohnerzahl von Vögelsen.

2 Kommentare

  1. Lüneburger Grundwasser wie es aus unseren Wasserhähnen in den Wohnungen kommt in Designerflaschen als besonderes Mineralwasser zu verkaufen ist Marketing par excellence. Aber das gilt natürlich auch für alle anderen Anbieter von Mineralwasser in Flaschen. Und man glaubt es kaum, aber das Wasser schmeckt tatsächlich unterschiedlich. Dann gibt es Wasser mit wenig mit normal und mit viel Kohlensäure – wenn man es so möchte. Und alle haben mehr oder weniger viiiiele Mineralstoffe. Es gibt sie auch Calciumarm und was weiß ich nicht noch. Ein wichtiger Unterschied… Es gibt sie in unterschiedlichen Flaschen. Manche sind direkt wieder verwertbar und andere werden geschreddert. Und… Es gibt sie in Glas- oder Kunststoffflaschen. Dabei ist natürliches, angeblich gesundes, Mineralwasser in Kunststoffflaschen ist für mich schon fast ein Widerspruch. Besonders denke ich da an die Pet-Flaschen.
    Doch eines haben alle gemeinsam: Sie kosten unterschiedlich viel Geld. Wie hoch der Preis sein darf hängt sicherlich auch von einem geschickten Marketing ab. Aber was und wie auch immer. Ich kann nicht verstehen warum Verbraucher für diese Wasser teils viel Geld bezahlen wenn sie es weitaus billiger zu Hause selbst in Flaschen füllen könnten. Sogar Kohlensäure (wenn gewünscht) könnte zu Hause selbst hinzu gefügt werden. Schwieriger wird es dann schon wenn man dem Wasser noch unnatürlichen Geschmack hinzu fügen will. Das kann dann doch eher Coca-Cola. Denn die schaffen es aus dem guten Wasser auch noch Wasser mit Apfelgeschmack und andere Sorten zu kreieren. Irre. Aber Marketing eben.
    Hier lebt eine ganze Branche von unserem Gemeingut Wasser. Ich finde das verrückt. Guten Durst!

  2. Coca-Cola wird für die Anwohner sicher viele schöne bunte Glasperlen vorrätig halten.