Mittwoch , 19. September 2018
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Blankoscheck für die Marketing-Macher

Die Stadt Lüneburg gibt pro Jahr 100 000 Euro zusätzlich. Die Gesellschaft muss noch zukunftsfähige Strategien liefern

Von Antje Schäfer

Lüneburg. Das ist ein Vertrauensvorschuss: Der Wirtschaftsausschuss hat der Lüneburg Marketing GmbH quasi einen Blankoscheck über 100 000 Euro ausgestellt. Auf diese zusätzliche Förderung kann die Gesellschaft setzen und die Ideen, die damit umgesetzt werden, nachliefern.

Die Gesellschaft soll sich weiter entwickeln und stabilisieren. Dazu bedarf es neuer Ideen, und es muss alles getan werden, um gutes Personal zu halten. Das machte Kämmerin Gabriele Lukoschek im Wirtschaftsausschuss deutlich. Um die Gesellschaft zukunftsfähig zu machen, benötige sie Planungssicherheit, dazu gehöre eine entsprechende finanzielle Ausstattung. Die Mehrheit im Ausschuss folgte dem Vorschlag der Verwaltung: Die Stadt gewährt zusätzlich zum jährlichen Betriebskostenzuschuss von 330 000 Euro einen weiteren Zuschuss in Höhe von 100 000 Euro für die Jahre 2018 bis 2022. Michèl Pauly (Linke) und Robin Gaberle (AfD) stimmten dagegen.

Es fehlte nicht an Kritik. Die Vorsitzende des Ausschusses, Dr. Monika von Haaren (Grüne), und andere Politiker monierten, dass man die Vorlage der Verwaltung sehr kurzfristig bekommen habe, die dazu noch dürftig sei. Darin heißt es lediglich, die Verwaltung empfehle eine Zuschusserhöhung, weil seit der jüngsten Anpassung des Betriebskostenzuschusses im Jahr 2010 die allgemeinen Betriebskosten stetig gestiegen seien. Zudem seien die Personalkosten aufgrund erfolgter Personalwechsel sowie moderater Anpassungen der Gehälter gestiegen. Lukoschek ließ den Vorwurf nicht auf der Verwaltung sitzen: „Der Vorschlag kann für Sie nicht überraschend sein“, eine Erhöhung sei schon länger im Gespräch gewesen.

Unklar ist noch, wofür genau das Geld verwendet wird

Monika von Haaren machte auch deutlich: „Wir sehen es als notwendig an, dass die Marketing GmbH gestärkt wird für Veranstaltungs- und Citymanagement sowie Tourismusförderung.“ Bereits im vergangenen Jahr habe man sich für eine Erhöhung ausgesprochen. Investitionen in Zukunftsprojekte seien wichtig. Dabei sei natürlich von Interesse, wofür das Geld eingesetzt werde. „Wir würden es begrüßen, wenn der Geschäftsführer im nächsten Jahr die Ideen vorstellt.“

Auch Andreas Neubert (SPD) hakte nach, um welche neuen Strategien und Ideen es sich handele. Die Kämmerin verwies darauf, dass die Entwicklung Aufgabe von Aufsichtsrat und Marketing sei und nicht der Verwaltung. Das sah auch Frank Soldan (FDP) so, seine Position: Die Mittel sollten zur Stärkung des Personals eingesetzt werden sowie für neue Herausforderungen, denen1 sich die Werber der Stadt stellen müssten. Mit Blick auf die Personalkosten und betrieblichen Ausgaben sei versäumt worden, die Mittel zu dynamisieren. Aufgrund der Vorlage habe man eigentlich mit Nein stimmen müssen, sagte Wolfgang Goralczyk (CDU). Doch nach intensiven Gesprächen in der Fraktion und in der Jamaika-Gruppe sei man zu dem Ergebnis gekommen: Ein gut betriebenes Marketing sei wünschenwert. Allerdings wünsche er sich, dass ein „vernünftiges Konzept“ vorgestellt werde.

Michèl Pauly (Linke) kritisierte, dass ein Gesamtmarketingkonzept fehle. „Wir können nicht parallel die Lüneburger Heide GmbH und das Lüneburg Marketing weiter bezuschussen und immer mehr unseres Haushalts dafür aufwenden.“ Es könne nicht sein, dass, wenn Steuereinnahmen und Erträge aus Avacon-Aktien sprudeln, diese ins Marketing flössen. Zumal es sich um freiwillige Leistungen handele, die im Etat gedeckelt seien. Bei anderen freiwilligen Zuschüssen zum Beispiel für den sozialen Bereich oder die Jugendförderung sei man erheblich zurückhaltender. Da noch erheblicher Informationsbedarf bestehe, schlug er vor, den Beschluss auf die nächste Sitzung zu verschieben. Sol-dan hielt dagegen, dass man jetzt die Empfehlung geben müsse, da die 100 000 Euro in den Etat 2018 eingebracht werden müssten.

Robin Gaberle (AfD) wollte wissen, ob die anderen acht Gesellschafter ebenfalls mehr zahlen. Die Kämmerin verneinte das, erklärte aber: Sie wollten ihren Beitrag leisten, indem sie zum Beispiel verstärkt Verträge mit der Marketing GmbH schließen werden. Aus Sicht von Gaberle keine befriedigende Antwort, deshalb stimmte er gegen die Zuschusserhöhung.

Ein Ja kam von Klaus-Dieter Salewski (SPD), aber mit dem Vorschlag von Zielvereinbarungen bezüglich Konzeption und Personalausstattung. Die solle der Aufsichtsrat liefern. Sein Fraktionskollege Heiko Meyer erinnerte daran, dass schon seit Jahren eine Zuschusserhöhung im Gespräch sei. Es sei notwendig, dass etwas passiert und man dem Marketing-Chef den Rücken stärke. „Wenn wir mehr Geld in die Hand nehmen, kommt vieles für die Wirtschaft zurück.“ Allerdings hänge alles von einem „innovativen Konzept“ ab.

2 Kommentare

  1. Schrockschwereopitz

    Zu diesem Zaster-Witz, mit dem die Gesellschaft zukunftsfähig gemacht und den Menschen in Lüneburg und Region ein gutes Leben ermöglicht werden soll, gibt es einen sehr lustigen Kommentar von Hans-Herbert Jenckel. Christlich frisch und vorweihnachtlich eingepackt:

    https://jj12.wordpress.com/2017/12/16/dicker-vorschuss-auf-gute-ideen-fuer-lueneburg/

    Liebe Grüße, Anne Heinen

  2. Was die Lüneburger Marketing GmbH am bestens vermarktet ist nach meinem Eindruck sie selbst. Etwas anderes habe ich noch nicht wahrnehmen können. Aber plietsch ist man scheinbar in dieser GmbH. Denn mal eben so an einen zusätzlichen Blankoscheck über 100.000 Euro zu kommen gelingt sonst kaum jemandem. Jedenfalls ist mir kein vergleichbarer Fall bekannt. Manchmal genügt es eben einfach nur gut reden zu können und (leere) Visionen auf zu bauen um an Geld zu kommen.