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Viel kann Thomas Garske nicht sehen, wenn er mit dem Auto auf die Soltauer Straße fahren will. (Foto: us)

Im Kriechgang vorwärts

Lüneburg. So richtig als Straße ist der Weg zu den Häusern Soltauer Allee 5 bis 11 nicht auszumachen, doch das ist nicht das einzige Problem, das Thomas Garske beschäftigt. Da die Allee an dieser Stelle recht abschüssig ist, rauschen die Radfahrer oft mit hohem Tempo an der Zufahrt vorbei. Ein Zustand, der Garske und den anderen Anwohnern Kopfzerbrechen bereitet: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis hier was passiert.“

Grund ihrer Befürchtungen ist ein neu errichteter Holzzaun auf dem Nachbargrundstück, der die Sicht auf den Fahrradweg einschränkt. Lösungsvorschläge des Nachbarn, von dem sie sich über den Tisch gezogen fühlen, lehnen sie ab. Aus Sicht der Stadt ist der Zaun korrekt, über die Situation sei sie dennoch nicht glücklich.

Versetzung des Zauns führt zum nächsten Problem

„Als Stadt ist uns daran gelegen, alle Interessen miteinander abzuwägen und eine gütliche Einigung herbeizuführen. Die Sicherheit der Radfahrer steht dabei an oberster Stelle“, sagt Ann-Cathrin Behnck von der Pressestelle der Stadt. Einfach dürfte es mit einer Einigung nicht werden. Denn laut Stadt erfüllt das durch den Zaun eingeschränkte Sichtfeld nicht nur den genehmigten Lageplan, mit einem Abstand von 50 Zentimetern zur Grundstücksgrenze habe der Bauherr sogar 30 Zentimeter mehr Abstand gelassen als vorgeschrieben. Außerdem beruft sich die Stadt darauf, dass die Anwohner dem Zaun selbst zugestimmt hätten.

„Das stimmt, es gab eine Abnahme des Zauns, an der wir beteiligt waren und der wir zugestimmt haben“, sagt Garske. Nur: Kurz darauf sei der Zaun um einen guten Meter auf seine jetzige Breite verlängert worden, „mit dem Ergebnis, dass wir bei der Ausfahrt auf die Soltauer Allee jetzt kaum noch erkennen können, ob Radfahrer kommen. Das war nicht fair“.

Otto Kröger, der auf dem 4000 Quadratmeter großen Nachbargrundstück bis zu 15 Wohnungen errichten will, bestreitet die nachträgliche Verlängerung des Zauns nicht. Die Kritik der Anwohner akzeptiert er dennoch nicht, „schließlich ist der Endzustand in den Bauplänen ja eingezeichnet, außerdem kennt Herr Garske die Grenzpunkte doch“. Weil aber auch ihm die Sicherheit der Radfahrer am Herzen liege, habe er angeboten, den Zaun um anderthalb Meter zurückzuversetzen, „so weit, dass der Radweg wieder einsehbar ist“. Allerdings müssten sich die Anwohner dann um die freie Fläche kümmern.

Das lehnt Garske auch im Namen der übrigen Anwohner ab. Otto Kröger fragt: „Warum sollte ich die Verkehrssicherungspflicht für die Zufahrt der Anwohner übernehmen? Sie profitieren doch davon, also sollten sie sich auch darum kümmern.“

Nun ist auch noch der Spiegel verschwunden

Thomas Garske setzt nun auf ein Eingreifen der Stadt, „die muss doch ein Interesse daran haben, dass hier nichts passiert“. Doch der sind offenbar die Hände gebunden, man habe keine rechtliche Handhabe, ein breiteres Sichtfeld durchzusetzen, sagt Ann-Cathrin Behnck. „Wir stehen aber in Kontakt mit den Anwohnern und dem Bauherrn, um zu vermitteln.“

Einen ersten Eindruck davon hat Garske, der gegen die Baugenehmigung Widerspruch eingelegt hat, vor zwei Tagen bekommen. „Da haben Mitarbeiter der Stadt den Verkehrsspiegel abgebaut, den wir Anwohner auf der gegenüberliegenden Straßenseite aufgestellt haben, um bessere Sicht auf den Radweg und die Soltauer Allee zu bekommen.“

„Ein unglücklicher zeitlicher Zufall“, sagt Behnck, „die Mitarbeiter haben sich dazu entschieden, da der Spiegel verwittert war und die Sicht auf die Straße noch verschlechtert.“ Solche Spiegel seien gemäß Straßenverkehrsordnung nicht mehr zugelassen, nicht mehr intakte Spiegel wie dieser würden wegen erhöhter Unfallgefahr abgebaut. An schlecht einsehbare Stellen wie diese an der Soltauer Allee müssten Autofahrer sich nun „vorsichtig herantasten“.

Thomas Garske überzeugt dies nicht, er befürchtet, dass schon bald etwas passieren könnte, „so wie ein paar Meter weiter bei der Einmündung der Straße In der Süßen Heide. Dort gab es schon mehrfach Unfälle mit Radfahrern, obwohl die Sicht dort deutlich besser ist“.

Von Ulf Stüwe

One comment

  1. Hermann Brakelmann

    Wetten, daß bald „aus Gründen der Verkehrssicherheit“ links und rechts neben der Ausfahrt die bewährten Lüneburger Drängelgitter auf den benutzungspflichtigen Radweg gestellt werden, die die Radfahrer*innen zum Absteigen und Drumherumschieben zwingen? Nutzer*innen von Lastenrädern, Tandems und Anhängern dürfen dann probieren, wie sie ihre Fahrzeuge über die Hindernisse tragen, weil der Durchlaß eh zu eng ist.

    Spätestens seit der denkwürdigen leuphana-Studie aus 2015 (https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/224840-wo-es-fuer-radler-gefaehrlich-wird-studenten-nehmen-unfallschwerpunkte-im-lueneburger-stadtgebiet-ins-visier) wissen wir, daß Lüneburgs Radfahrer*innen sich nicht an die innerörtliche Höchstgeschwindigkeit von 50km/h halten und deswegen sowieso selbst schuld sind, wenn sie auf dem Radweg plattgefahren werden.

    Radwege sind sicher, Lüneburg ist fahrradfreundlich und die Erde ist eine Scheibe.

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