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Gerade die Frischlinge und Überläufer sollen nach dem Willen des Kreisjägermeisters verstärkt geschossen werden. (Foto: nh)
Gerade die Frischlinge und Überläufer sollen nach dem Willen des Kreisjägermeisters verstärkt geschossen werden. (Foto: nh)

Frischlinge verstärkt im Visier

Lüneburg. Die Freie und Hansestadt Hamburg verschärft ihr Maßnahmepaket im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest: Die Schonzeit für die Borstentiere wurde per Anordnung aufgehoben, zudem dürfen Jäger jetzt bei der nächtlichen Jagd auch Taschenlampen oder Handscheinwerfer einsetzen, um die Wildschweine besser sehen zu können. Zu solchen Maßnahmen will man in Niedersachsen und im Landkreis Lüneburg noch nicht greifen.

„Aber auch wir müssen alles tun, um einen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern“, betonte jüngst Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU). Aus ihrem Ministerium hieß es am Donnerstag, dass man über eine Novellierung des Jagdgesetzes kurzfristig nachdenke, mit dem Ziel, revierübergreifende Jagden zu erleichtern. Außerdem werde der Einsatz von Saufängen, also Lebendfallen, geprüft.

Über den Einsatz von Zielscheinwerfern und Nachtsichtgeräten will man laut Ministerium auf der Sonder-Agrarministerkonferenz am 17./18. Januar in Berlin diskutieren. „Dort wird auch eine Positionierung des Bundes erwartet“, sagt Leonie Steger, stellvertretende Pressesprecherin im Landwirtschaftsministerium.

Konsequente Jagd auf die Wildschweine

Unterdessen warnt Lüneburgs Kreisjägermeister Hans-Christoph Cohrs davor, in Panik zu verfallen. „Wichtig ist die konsequente Bejagung der Wildsauen“, mahnt Lüneburgs oberster Jäger – und da seien die Jäger im Kreis schon gut dabei. Im September 2017 waren seinen Worten zufolge bereits 700 Sauen mehr geschossen worden als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Damit folgen die Lüneburger Grünröcke der Empfehlung des Friedrich-Loeffler-Institutes, das in seiner Bewertung zur Verringerung des Risikos der Afrikanischen Schweinepest ebenfalls dazu rät, die Wildschweinbestände drastisch zu reduzieren.

Eine Aufhebung der Schonzeit für Schwarzkittel bewertet Cohrs indes kritisch. Denn wenn vermehrt Bachen ins Visier genommen werden, habe das zur Folge, dass sich die Frischlinge unkontrolliert vermehren können, weil das Sozialgefüge in der Rotte nicht mehr funktioniere. „Dann hat man das genaue Gegenteil von dem, was man eigentlich erreichen möchte“, warnt der Kreisjägermeister. Er appelliert deshalb mit Nachdruck an die Jäger, verstärkt Frischlinge, Überläufer und Keiler zu schießen. Schließlich seien es gerade die Frischlinge, die zu 70 Prozent an der Reproduktion der Sauenbestände beteiligt seien.

Für den Menschen ist die Afrikanische Schweinepest ungefährlich. Bei Schweinen hingegen verläuft die Erkrankung fast immer tödlich. Neun von zehn infizierten Tieren verenden an der Virus-Infektion. Die betroffenen Tiere sterben meist binnen weniger Tage. Und einen Impfstoff gegen die Seuche gibt es – im Gegensatz zur Europäischen Schweinepest – nicht.

Virus-Übertragung durch Lebensmittel

Das Virus war über Georgien und Russland in die EU eingeschleppt worden. Mittlerweile sind sechs Mitgliedsstaaten betroffen. Für viele Experten lautet die Frage daher nicht mehr, ob die Seuche nach Deutschland kommt, sondern nur noch, wann.

Als größte Gefahr für die Einschleppung gilt der Mensch, der den Erreger über nicht durchgegarte, kontaminierte Schweineprodukte nach Westen tragen könnte. Cohrs mahnt, Lebensmittelreste aus baltischen oder osteuropäischen Ländern nicht in der Umwelt zu entsorgen: „Diesbezüglich sollten vor allem Lkw-Fahrer, aber auch Saisonarbeitskräfte, die zur Erntezeit auf den Feldern arbeiten, noch einmal sensibilisiert werden.“

Von Klaus Reschke