Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | Wie viel Bürger steckt im Windpark?
Allein für den Windpark Bardowick wurden Bürgersparbriefe in Höhe von 2,5 Millionen Euro gezeichnet. (Foto: Hajo Boldt)

Wie viel Bürger steckt im Windpark?

Lüneburg. Mehr als 40 rund 200 Meter hohe Windkraftanlagen sind in den vergangenen zwölf Monaten im Kreis Lüneburg entstanden. Viele Projekte laufen unter dem Titel „Bürgerwindpark“. Die Idee dahinter: „Diejenigen, die auf die Windräder gucken, sollen auch etwas davon haben“, sagt Wolf Winkelmann vom Bauernverband Nordostniedersachsen (BVNON). Er ist Geschäftsführer zweier BVNON-Tochtergesellschaften, die mehrere Bürgerwindparks von Bardowick bis Wendhausen mit aus der Taufe gehoben haben. Dort hat sich als indirektes Beteiligungsmodell der sogenannte „Bürgersparbrief“ durchgesetzt. Einen eigenen Weg, inklusive Risikobeteiligung, ist die Genossenschaft „Bürger-Windpark Amelinghausen“ im Südwesten des Landkreises gegangen.

„Diejenigen, die auf die Windräder gucken, sollen auch etwas davon haben.“
Wolf Winkelmann, Bauernverband

Wolf Winkelmann sagt: „Grundsätzlich wollten wir als Bauernverband dafür Sorge tragen, dass die Flächeneigentümer der Windparks nicht alle ihre Nutzungsrechte an einen externen Investor abtreten und am Ende nur die Pacht übrig bleibt.“ Stattdessen sollte die Wertschöpfung des Windkraftbetriebs in der Region gehalten werden. Doch nicht alle Flächen­eigentümer waren bereit oder in der Lage, auch das notwendige Risikokapital zur Verfügung zu stellen, beispielsweise in Wendhausen. Es ging immerhin um rund 125 000 Euro alleine für die Projektierung pro Windrad bis zur Baugenehmigung. Hilfestellung leistete grundsätzlich die „BVNON Dienstleistungs- und Projektentwicklungsgesellschaft mbH“ bei den Windparks Bardowick, Wendhausen, Häcklingen/Melbeck und Ehlbeck. Und aus den lokalen Projektentwicklern sind Betreibergesellschaften geworden, mit unterschiedlichen Gesellschafterstrukturen, aber einem eigenen Bürgerbeteiligungsmodell.

Sonderfall Windpark Bardowick

Wolf Winkelmann sagt: „Grundsätzlich soll das Geld aus dem Betrieb denen gehören, die am Anfang auch das Risiko übernommen haben. Aber wir haben in der ganz frühen Phase auch darüber diskutiert, wie man weitere Bürger beteiligen kann.“ Herausgekommen ist in Kooperation mit der Sparkasse Lüneburg der Bürgersparbrief: ab 500 Euro, maximal 10 000 Euro pro Haushalt, Laufzeit fünf Jahre, drei Prozent Zinsen – unabhängig von Rendite-Schwankungen. Die Anlage war nur für die jeweiligen Einwohner der Samtgemeinden vorgesehen und war beispielsweise in Bardowick größtenteils schon innerhalb weniger Tage gezeichnet, bestätigt Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann. Der Bürgersparbrief ist als Einlage bei der Sparkasse nur eine indirekte Beteiligung an den Bürgerwindparks. Die Sparkasse Lüneburg ist Konsortialpartner bei der Finanzierung der Anlagen. Hauptkapitalgeber bei der Fremdfinanzierung war die Bremer Landesbank, heute Nord LB, mit der Auflage, die Sparkasse Lüneburg als regionalen Partner an dem Finanzierungsmodell zu beteiligen.

Einen Sonderfall stellt der Windpark in Bardowick dar, bei dem die Samtgemeinde als Kommune einen Gesellschaftsanteil von 25,1 Prozent hält und auch so indirekt alle Steuerbürger daran beteiligt sind. Ansonsten sind laut Winkelmann rund 2,5 Millionen Euro Bürgersparbriefe für den Bardowicker Windpark gezeichnet worden. Die Gesamtinvestition liegt bei zirka 35 Millionen Euro für acht 2,75-Megawatt-Anlagen. Für Wendhausen wurden zirka zwei Millionen in Sparbriefen gezeichnet (Gesamtinvest zirka 28 Millionen Euro) und für Häcklingen/Melbeck legten Bürger zirka 1,5 Millionen Euro an (Gesamtinvest 23 Millionen).

Aufnahmestopp bei Genossenschaft 

Rund 31 Millionen Euro wurden im Windpark Ehlbeck mit sieben 2,75-Megawatt-Anlagen investiert. Dort hat sich die rund 140 Mitglieder zählende Genossenschaft „Bürger-Windpark Amelinghausen“ direkt an der Bürgerwindpark Ehlbeck GmbH & Co. KG beteiligt mit 16,32 Prozent für rund 770 000 Euro, bestätigt Genossenschaftsvorstand Eckhard Winkelmann. Dort gibt es keine feste Rendite.

Den Windpark Tellmer, begleitet von der Landberatung Lüneburg, hat die Genossenschaft mit einem Darlehen unterstützt. Eckhard Winkelmann sagt: „Nur in Wetzen haben wir eine der sieben Anlagen regulär gekauft.“ Mit 850 000 Euro Eigenkapital, den Rest über günstige Kredite. Da derzeit keine weiteren Investitionen anstehen, nimmt die Genossenschaft derzeit keine neuen Mitglieder auf.

Von Dennis Thomas