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Es gibt zwei Seiten des Stints: In und vor den Restaurants fühlen sich tagsüber und am Abend Einheimische und Gäste wohl. Doch tief in der Nacht lässt sich das Bild, Betrunkene liefern sich immer wieder Schlägereien. Foto: t&w

Keine Sperrzeiten für den Stint

Lüneburg. Die Zahl der Körperverletzungen steige, sagt die Polizei. Anwohner reagieren genervt auf Dreck und Krach – das ist die unangenehme nächtliche Seite des Stintmarkts. Denn tagsüber sitzen Einheimische und Touristen gern vor den Lokalen und genießen Lüneburgs schönste Aussicht. Doch was tun gegen die Auswüchse? Die AfD griff das Thema gestern Abend im Rat auf und erneuerte damit eine lange geführte Diskussion: Zwischen 4 und 6 Uhr morgens möge samstags und sonntags im Bereich zwischen Bei der Abtspferdetränke, Im Wendischen Dorfe und Stintmarkt eine Sperrstunde eingerichtet werden, forderte Dirk Neumann für seine Fraktion. In dieser Zeit sollten alle Zapfhähne nach oben gedreht werden. Der Antrag scheiterte an den Gegenstimmen der anderen Parteien.

Schwerpunkt der Kriminalität

Neumann sieht die „wunderbare deutsche Altstadtkulisse“ in Gefahr, der Bereich sei ein Schwerpunkt der Kriminalität. Eine Sperrzeit sei kein Allheilmittel, könne die Lage aber beruhigen.

Die LZ hatte mehrfach über das Thema berichtet. Ordnungsdezernent Markus Moßmann erläuterte daher bekannte Positionen der Stadt: Noch wolle man keine Sperrstunde einführen, setze auf andere Möglichkeiten. Der Kernpunkt: Gegenüber Gaststätten könne man zwar Schließungszeiten verhängen, die griffen aber nicht für Kioske und Imbisse, für die gelten die Vorgaben des Ladenöffnungszeitengesetzes – unbegrenzte Öffnung von Montag bis Sonnabend, Bier und Schnaps kann verkauft werden.

Unbegrenzte Öffnung für Kioske und Imbisse

Daher wolle man dort beispielsweise kontrollieren, ob kein Alkohol an Jugendliche abgegeben werde, sagte Moßmann. Überdies sei man im Gespräch mit Wirten und Polizei. Die wolle mit mehr Personal Präsenz zeigen. Videoüberwachungen schätzte Moßmann nicht nur aus rechtlichen Gründen als problematisch ein: Eine Kamera reiche nicht, die Auswertung müsse die Polizei übernehmen. Man wolle die nächste Freiluftsaison abwarten, um dann zu sehen, ob und wenn ja, wie man handeln könne.

Jens Peter Schultz wies für die SPD darauf hin, dass Betrunkene sich auffällig verhielten, die würden sich eben auch an Kiosken mit Alkohol eindecken. Zudem komme es in der Regel vor den Lokalen zu Auseinandersetzungen. Schultz, selber Polizist, plädierte dafür, dass die Polizei stärker vertreten sein solle. Platzverweise seien für die Kollegen ein erfolgreiches Mittel der Wahl, das habe sich in der Vergangenheit an anderen Stellen gezeigt: „Wir müssen denen auf die Füße treten, die bekannt sind.“

Sperrzeiten verlagern das Problem

Der Christdemokrat Thomas Buller riet zur Gelassenheit, denn: „Lärm ist da immer ein Thema gewesen. Sperrzeiten verlagern das Problem in Nebenstraßen.“ Der Arzt riet zu mehr Prävention gegen Alkoholmissbrauch.

Frank Soldan sagte für die FDP, das schwierige Klientel werde sich nicht von einer Sperrzeit beeindrucken lassen. Es dürfte eine alte englische Lebensart greifen: „Last orders!“ Übersetzt: Gäste nähmen einen Schwung Getränke mit aus den Kneipen vor die Tür und becherten draußen weiter.

Am Ende stimmten nur drei AfD-Politiker für ihren Antrag, der Rest des Rates lehnte ihn ab.

von Carlo Eggeling