Dienstag , 18. September 2018
Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | Raus aus dem Matsch
Noch sind die Pfützen in den Kleingartenvereinen an der Ilmenau gefroren. "Sobald es taut, stehen wir hier wieder im Matsch" sagen Heinz-Jürgen Krech und Björn Tost vom Kleingartenverein Ilmenau, die bei der Stadt Lüneburg um Sanierung der Entwässerungskanäle gebeten haben. Foto: kg

Raus aus dem Matsch

Lüneburg. Als Heinz-Jürgen Krech vor sechs Jahren als erster Pächter der Kolonie ein Hochbeet in seiner Parzelle im Kleingartenverein Ilmenau errichtete, schmunzelten die Nachbarn noch über ihn. Inzwischen ist den Gärtnern am Ufer der Ilmenau das Lachen vergangen. Durch verstärkte Regenfälle im vergangenen Jahr stehen die Gärten immer wieder unter Wasser, das über die vorgesehenen Drainagen nicht ausreichend abfliest. Ohne Hochbeete ist an vielen Stellen gar kein Anbau mehr möglich. Die Stadt will jetzt aktiv werden und die Gräben zur Entwässerung in den Kolonien instand setzen.

Pflanzen gehen kaputt, die Ernte verfault

Krech pachtet seit 17 Jahren die Parzelle im Verein Ilmenau, doch solch eine Nässe wie in den vergangenen Monaten hat er noch nicht erlebt. „Wir stehen hier teilweise knöcheltief im Wasser. Die Feuchtigkeit greift die Bausubstanz der Lauben an, die Pflanzen gehen kaputt. Letzten Sommer ist ein Großteil der Ernte in den Böden einfach verfault“, berichtet der 64-Jährige.

Die Niederschlagsmessungen der Stadt Lüneburg geben ihm Recht: 937 Liter pro Quadratmeter wurden dort für das Jahr 2017 dokumentiert – der höchste Wert seit Beginn der täglichen Aufzeichnung der Niederschlagsmengen im Stadtgebiet im Jahr 1980. Nur 2007 kam die Hansestadt mit 880 Litern pro Quadratmeter auf einen annähernd hohen Wert.

Vier Kleingarten-Kolonien an der Ilmenau betroffen

Auch den Gärtnern in den anderen drei Lüneburger Kolonien direkt an der Ilmenau macht die Feuchtigkeit zu schaffen. Gabriele Rademacher vom Kleingartenverein Bockelsberg spricht von einer „krassen Situation“: „Die Gärtner haben inzwischen selbst zum Spaten gegriffen und begonnen, Gräben zu ziehen, anstatt lange auf die Behörden zu warten.“ Etwas entspannter ist die Lage nebenan in der Kolonie Düvelsbrook, doch auch Vorstandvorsitzender Peter Rosseburg merkt an: „Wenn das Wasser in den Gräben schneller ablaufen könnte, stünde es nicht so lange in den Gärten.“

Kleingärten-Eingänge am Ilmenau-Radweg im Verein In der Kiepe. Die Böden können kein Wasser mehr aufnehmen, jeder Regen führt zu neuen Überschwemmungen. Foto: kg

In der Kolonie In der Kiepe sind nicht nur die Gärten betroffen, auch der Ilmenau-Radweg verläuft durch das Vereinsgebiet und steht immer wieder tief im Matsch. „Wir hoffen, dass die Stadt in diesem Jahr den Weg samt Drainagen erneuert“, sagt Steven Mortiers vom Vereinsvorstand. Das würde auch die Böden in den Gärten entlasten.

Immer wieder haben sich Mitglieder der vier Vereine in den vergangenen Monaten mit Bitte um Unterstützung an die Stadt gewendet. Ihrer Meinung nach sind nicht nur die hohen Niederschläge, sondern auch verstopfte und zugewachsene Abwasserkanäle und Drainagen Grund für die ständigen Überschwemmungen in den Kleingärten.

Das Anliegen der Kleingärtner findet bei der Stadt Gehör

Dem will die Stadt jetzt nachkommen und in diesem Frühjahr für ein besseres Abfließen des Wassers sorgen, beispielsweise durch die Instandsetzung des Grabens am Düvelsbrooker Weg, der Regenwasser aus den beiden anliegenden Kleingartenvereinen ableitet, und die Erneuerung der Rohrleitung an der Zufahrt zum Verein Ilmenau An der Roten Bleiche.

Im Blick haben Krech und seine Mitstreiter außerdem die Streuobstwiese zwischen den Gärten ihres Vereins und der Friedrich-Ebert-Brücke. „Die Wiese vermoort langsam, und man kann sehen, dass die Bäume nicht mehr wachsen. Die gehen einfach kaputt, wenn sie wochenlang mit den Füßen im Wasser stehen“, sagt Krech. In diesem Fall will die Stadt jedoch nicht eingreifen. „Die Streuobstwiese ist 2015 von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Lüneburg als Flutrasen unter Naturschutz gestellt worden“, erklärt Pressesprecherin Suzanne Moenck. Damit dürfe das Gelände weder aufgefüllt noch mit Drainagen versehen werden. „Über die Jahre ist die Wiese einfach immer feuchter geworden.“ Hier lasse man der Natur ihren Lauf.

von Katja Grundmann

One comment

  1. Die Streuobstwiese ist 2015 von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Lüneburg als Flutrasen unter Naturschutz gestellt worden“, erklärt Pressesprecherin Suzanne Moenck. Damit dürfe das Gelände weder aufgefüllt noch mit Drainagen versehen werden.
    Schon klar, die Insekten werden es der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Lüneburg bestimmt danken und verschwinden. Der Honig kommt ja nur aus dem Glas. Den Vögeln geht es bei uns ja auch ohne Futter gut, oder? Und wenn alles abgesoffen ist, kommen die Frösche und irgend ,,Einer,, , wird sich bestimmt über deren Quaken aufregen.