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Täglich legen Tausende Menschen auch aus Stadt und Landkreis Lüneburg weite Wege zu ihrem Arbeitsplatz und wieder nach Hause zurück. Wie genau deren Wege sind, verrät eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Archivfoto: t&w

Auf der Spur der Pendler

Lüneburg. Dichtes Gedränge auf den Bahnsteigen, Kolonnenfahren und Staus auf Autobahnen und Bundesstraßen – zu erleben an jedem Werktag in der Woche in und um Lüneburg. Wohl dem Arbeitnehmer, der nur wenige Minuten bis zu seinem Arbeitsplatz fahren muss, ihn direkt vor Ort hat. Die Realität für die meisten der 32 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland sieht aber anders aus – sie gehören zu den vielen Millionen Pendlern im Land.

Wie viele Menschen verlassen jeden Tag ihren Wohnort?

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ wollte es genau wissen: Wieviele Menschen verlassen Tag für Tag ihren Wohnort und fahren wohin, um ihre Brötchen im Büro, in der Fabrik oder im Kaufhaus zu verdienen? Ausgewertet wurden Zahlen der Bundesagentur für Arbeit – für jeden Ort in Deutschland. Für Berlin, wo von 1,3 Millionen Beschäftigten 180 000 auspendeln, ebenso wie, nur ein Beispiel, für Barnstedt im Landkreis Lüneburg, wo 257 der 275 Beschäftigten außerhalb arbeiten.

Von den 32 Millionen Arbeitnehmern in Deutschland müssen 60 Prozent täglich pendeln, um zum Arbeitsplatz zu kommen. In großen Städten mit vielen Arbeitsplätzen sind es viel weniger: 14 Prozent in Berlin, 17 Prozent in Hamburg. Unter den Lüneburgern sind es 45 Prozent, die nach außerhalb pendeln, „vergleichsweise wenig“, wie der „Spiegel“ urteilt. Ganz anders sieht es auf dem Dorf aus – einer der „Spitzenreiter“: Hohnstorf mit 96 Prozent Auspendlern.

11.991 Lüneburger pendeln täglich

Konkrete Zahlen für die Stadt Lüneburg: Von den 26 641 Beschäftigten mit Wohnsitz in der Stadt arbeiten 14 640 am Ort, 11 991 pendeln täglich. Dabei ist Hamburg mit weitem Abstand die Stadt, in die die meisten fahren: 4627 Menschen mit Wohnsitz in Lüneburg sind es täglich, die sich, nach Angaben des „Spiegel“, dorthin auf den Weg zum Job machen. Auf den nächsten Plätzen: Winsen (746), Adendorf (488) und Uelzen (347).

Aber viele Lüneburger sind auch noch viel länger unterwegs, haben richtig weite Wege zu ihrem Arbeitsplatz: So fahren 210 Beschäftigte täglich nach Hannover, 134 machen sich auf die Reise nach Berlin, 87 nach Celle und 81 nach Bremen.

Der Blick in die Gegenrichtung: 25 390 Menschen, die ihren Wohnsitz außerhalb von Lüneburg haben, arbeiten jeden Tag in der Hansestadt – die meisten von ihnen kommen aus Adendorf (1862). Auf den Plätzen: Hamburg (1336), Reppenstedt (1298) und Bardowick (1044).

Blick ins Amt Neuhaus

Interessant ist auch ein Blick über die Elbe, in die Gemeinde Amt Neuhaus: 74 Prozent der 1831 Beschäftigen dort, das sind 1354, arbeiten außerhalb der Gemeinde. Davon in Lüneburg 142, in Boizenburg 137, in Hagenow 86, in Lübtheen 84, in Bleckede und Schwerin jeweils 62. 128 Neuhauser machen sich Tag für Tag auf die weite Reise nach Hamburg, für 14 geht es sogar von Neuhaus nach Neumünster.

Insgesamt hat sich der Anteil der Pendler an der Gesamtzahl der Beschäftigten in Deutschland erhöht, hat das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung in Bonn ermittelt: von 53 Prozent im Jahr 2000 auf aktuell 60 Prozent. Länger geworden ist auch der durchschnittliche Weg zum Arbeitsplatz: von 14,6 auf 16,8 Kilometer.

Viele Pendler leiden unter Stress

Staus und Verspätungen

Eine Stunde Arbeitsweg, zwei oder auch drei Stunden am Tag – das ist oft Stress und nicht gesund, das belegen Untersuchungen. Eine neue Umfrage der AOK Baden-Württemberg ergab, dass 42 Prozent der Befragten, die täglich länger als 30 Minuten unterwegs sind, sich „sehr stark“ oder „ziemlich stark“ vom Arbeitsweg belastet fühlen. Verkehrsstaus sind für 63 Prozent derjenigen, die sich belastet fühlen, Hauptursache für Pendler-Stress – gefolgt vom Zeitaufwand (29 Prozent), Verspätung, Ausfall und Überfüllung öffentlicher Verkehrsmittel (je 10 Prozent).

von Ingo Petersen