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Dieser Patient weist eindeutige Anzeichen von Krätze auf. Die Krankheit ist wieder auf dem Vormarsch, auch in Lüneburg gibt es aktuell mehrere Fälle. Foto: dpa/RND

Die Krätze erreicht Lüneburg

Lüneburg. Sie juckt und brennt, zeigt sich mit rötlichen Hautstellen – die Krätze. Die in Deutschland fast schon vergessene Hautkrankheit hat Lüneburg erreicht. Dem Gesundheitsamt sind mehrere aktuelle Fälle bekannt. So gab es in dieser Woche in der katholischen Kita St. Marien an der Johannisstraße zwei bestätigte Fälle, gestern Morgen wurde ein drittes Kind mit Verdacht auf Krätze zum Arzt geschickt. „Einen Grund zur Schließung der Kita sehen wir aber nicht“, sagt Dechant Carsten Menges. Denn die Infektion passiert meist nur durch einen sehr engen Hautkontakt mit Erkrankten über einen Zeitraum von etwa fünf bis zehn Minuten und lässt sich sehr wirksam behandeln. Vorsorgemaßnahmen seien getroffen worden, Kita-Leiterin Christine Hiller: „Wir haben alle Sofas abgezogen und alles, was waschbar ist, heiß gewaschen. Alles andere wurde luftdicht verpackt.“

Keine exakten Zahlen für Lüneburg, aber klarer Trend

Aktuell gibt‘s keine exakten Zahlen, Katrin Holzmann sagt als Landkreis-Sprecherin: „Es gibt keine allgemeine Meldepflicht. Eine Meldepflicht aber besteht für Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Heime oder Unterkünfte für Asylbewerber.“ Und da sei ein klar steigender Trend zu verzeichnen: „2016 wurden uns 33 Fälle gemeldet, 2017 waren es bereits 65.“ Das Gesundheitsamt hatte jetzt niedergelassene Ärzte zu einer Fortbildung eingeladen, ihnen vermittelt, wie die Krankheit besser erkannt werden kann.

Die Krätze ist bundesweit auf dem Vormarsch. Das legt eine Analyse der Barmer nahe: So ist die Verordnungszahl wichtiger Krätze-Medikamente von 2016 auf 2017 bundesweit um 60 Prozent gestiegen, von 38 127 auf 61 255 Verordnungen bei den Barmer-Versicherten. „Die Ärzte verschreiben wieder deutlich mehr Krätze-Medikamente, ähnlich stark dürfte auch die Zahl der Erkrankten gestiegen sein“, sagt Dr. Utta Petzold, Dermatologin bei der Barmer. Bereits bei den ersten Krätze-Anzeichen wie gerötete Papeln im Intimbereich, zwischen den Fingern oder in den Achseln und vor allem nächtlichem Juckreiz solle man zügig zum Arzt. Die meisten Verordnungen seien im Jahr 2017 in Nordrhein-Westfalen mit 26 758 verschrieben worden, gefolgt von 5011 in Niedersachsen, was hier eine Steigerung von 60 Prozent gegenüber 2016 bedeutet.

Die Krätze, fachsprachlich auch Scabies genannt, ist eine durch die zu den Spinnentiere zählende 0,2 bis 0,25 Millimeter große Krätzmilbe verursachte parasitäre Hautkrankheit. Diese winzigen Tierchen bohren sich in die Oberhaut und legen dort ihre Kotbällchen und Eier ab. Das verursacht unter anderem den Juckreiz innerhalb einer Inkubationszeit von 35 Tagen.

Im Verdachtsfall sofort zum Arzt

Eine Ansteckungsgefahr besteht unter anderem beim Kuscheln und Spielen, Schlafen in einem Bett und Geschlechtsverkehr. Besonders gefährdet sind Mitglieder einer Familie oder Wohngemeinschaft, Schulen, Kindergärten und Pflegebedürftige samt deren Pfleger. Durch kurze Berührungen wie Händeschütteln, Umarmungen oder sogar Küssen besteht laut Experten keine Gefahr. Katrin Holzmann: „Von grundsätzlicher Bedeutung ist die Einhaltung der Standardhygiene.“

Wer den Verdacht hat, angesteckt worden zu sein, sollte sofort zum Arzt gehen. Die Erkrankung lässt sich recht gut durch Anti-Milben-Mittel zum Auftragen oder Einnehmen behandeln. Ziel ist es, alle vorhandenen Krätzmilben in und auf der Haut auszumerzen. Patienten sollten sich genau an die Anweisungen des Arztes halten, da manche Mittel starke Nebenwirkungen aufweisen können. Patienten müssen noch vier Wochen nach Therapiebeginn beim Hautarzt erscheinen, um einen erneuten Ausbruch auszuschließen.

Hintergrund: Symptome und Vorsorge

Anzeichen für Krätze sind:

▶ Nächtlicher Juckreiz
▶ Gerötete Knötchen im Intimbereich, zwischen den Fingern oder in den Achseln
▶ Stecknadelgroße Bläschen
▶ Brennen der Haut

Einige Tipps zur Vorsorge:

▶ Kleidung und Bettwäsche soll man täglich wechseln
▶ Handtücher soll man direkt nach Gebrauch erneuern
▶ Nicht waschbare Dinge sollten sieben bis 14 Tage lang luftdicht verpackt werden
▶ Vorsicht bei riskanteren Übertragungsorten wie Gemeinschaftseinrichtungen

von Rainer Schubert