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Wenn sie an ihrem Hochbeet arbeiten können, sind Erika Kunz, Renate Verlei, Kornelia Salewski und Lionel (v.l.) glücklich. Foto: be

Die Stadt als Garten

Lüneburg. Lionel ist zwar erst zwei, aber vielleicht ist er deshalb von der großen Kiste in der Kleingartenkolonie so angetan. Fast täglich macht er sich mit se iner Oma auf den Weg dorthin, auch in diesen nasskalten Tagen verbringen sie ihre gemeinsame Zeit an dem Hochbeet, das sie im vergangenen Jahr gemeinsam angelegt haben. Es ist eines von insgesamt 24 Beeten, die in der Stadt verteilt sind und nach Herzenslust von Lüneburgern bepflanzt werden können. „Urban Gardening“ nennt sich das Projekt, das in Lüneburg jetzt sein Einjähriges begeht.

Hochbeete als Ergänzung für Zier- und Kräutergarten

Zünftig mit Gummistiefeln und Regenjacke ausgestattet, greift Lionel gleich zu Harke und Schaufel. Großmutter Kornelia Salewski hebt ihren Enkel hoch und setzt ihn auf die Holzkante des Hochbeets, dann wird gearbeitet. „Es ist eigentlich noch zu früh“, sagt die Lüneburgerin, während sie die Erde etwas auflockert und junge Narzissen ins Beet setzt. Über das Hochbeet ist sie ebenso glücklich wie ihr Enkel, schon früher ist sie gern in der Kleingartenkolonie Brauerteich am Ochtmisser Kirchsteig spazieren gegangen, „aber seit dort die beiden Hochbeete aufgestellt wurden, haben wir immer ein festes Ziel.“

Das freut auch Renate Verlei und Erika Kunz vom Kleingartenverein Brauerteich. „Die Hochbeete sind eine wunderbare Ergänzung für unseren Zier- und Kräutergarten“, sagt Kassenwartin Renate Verlei, „und jeder, der mag, darf sie nutzen.“ Was man dort pflanzen möchte, ist jedem selbst überlassen, „manch‘ einer mag gern Blumen oder Kräuter, andere ziehen dort Gemüse hoch“, sagt Erika Kunz, und sie weiß: „Die eigenen Gurken schmecken um ein Vielfaches besser.“

Viel Unterstützung aus der Stadt

An den Start ging die Aktion „Urban Gardening“, was frei übersetzt etwa „Gärtnern in der Stadt“ bedeutet, Anfang April vergangenen Jahres. Die Stadt, inspiriert vom Bürgerverein Lüneburg und ähnlichen Aktionen in anderen Städten, hatte für ihre Idee schnell Unterstützung bei Vereinen und Institutionen gefunden, die sich bereit erklärten, Patenschaften für je einen Pflanzkübel zu übernehmen. Weil die Sparkassenstiftung und auch der Bürgerverein Geld dazugaben und ein Gartenbaubetrieb und eine Imkerei das Projekt mit Sachleistungen sponserten, konnten schließlich 24 Hochbeete angeschafft werden. Einige davon hatte eigens die Jugendwerkstatt von job.sozial gezimmert. Neun Kübel wurden im Stadtgebiet verteilt, 15 in den Kleingartenvereinen. Der AWO-Kindergarten am Liebesgrund kümmerte sich fortan um zwei Hochbeete, der Stadtjugendring bepflanzte einen Kübel im Rathausgarten, vier Hochbeete fanden im Clamartpark ihren Platz, betreut unter anderem von der Kita „Strolche“ und dem Museum. Die Stadt selbst sorgte über die AGL für Befüllung mit Erde und ausreichend Wasser im Sommer.

Stadt will die Aktion fortsetzen

Bei den Kleingärtnern kam die Idee insgesamt gut an, wie Joachim Roemer, Vorsitzender des Kleingärtner-Bezirksverbands Lüneburg, weiß. Er schätzt vor allem, dass die „gärtnerische Idee dadurch wieder breiter gestreut wird“.

Auch in diesem Jahr will die Stadt die Aktion fortsetzen, sucht aber noch Paten für die Pflanzkübel im Clamartpark. „Sollten wir keine finden, werden sie von Mitarbeitern der Stadt mit bienenfreundlichen Blütenmischungen angesät, wie Ann-Cathrin Behnck von der Pressestelle der Stadt erklärt. Andeutungen von Uta Hesebeck, bei der Stadt auch für Grünplanung zuständig, das Projekt gegebenenfalls abzubrechen, sollten sich keine Paten finden, wie sie kürzlich im Umweltausschuss erklärte, sind damit offenbar vom Tisch.

Neue Paten für diese Saison gesucht

„Wenn man mal rumfragt, findet man sicher auch Paten“, ist Rudolf Schulz vom Bürgerverein überzeugt. Er fände es schade, wenn die gute Idee und die eingesetzten Mittel umsonst gewesen wären. Wer also Interesse an einem oder mehreren Pflanzkübeln hat, sollte sich bei der Stadt an Constanze Keuter, Telefon (04131) 3093944 oder E-Mail constanze.keuter@stadt.lueneburg.de, wenden.

Kornelia Salewski und ihr Enkel Lionel werden auf jeden Fall weitergärtnern, „hoffentlich wird nun aber auch das Wetter bald besser“. Lionel stört das nicht, er liebt es, selbst bei dieser Witterung mit der Gießkanne unterwegs zu sein.

Von Ulf Stüwe

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