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Theo (v.l.), Piet, Paula, Mia, Niclas und Josefine hören zu, wie Steffen Happel auf der Posaune verschiedene Töne erzeugt. (Foto: t&w)
Theo (v.l.), Piet, Paula, Mia, Niclas und Josefine hören zu, wie Steffen Happel auf der Posaune verschiedene Töne erzeugt. (Foto: t&w)

Musik zum Anfassen

Lüneburg. Fünf kleine Füße haben sich auf dem Schuh von Alexander Eissele getürmt, auch die Klarinette des Musikers wird belagert. Taylor, Jakob, Emmi, Ella und Johanne haben jeweils einen Finger auf eines der Löcher des Instruments gelegt, auf Signal müssen sie den Griff lösen. Schnell wird klar, welches Lied die fünf Nachwuchsmusiker gemeinsam mit dem Mitglied der Lüneburger Symphoniker spielen. „Alle meine Entchen“, ruft die siebenjährige Emmi eifrig. Sie ist eine von insgesamt 96 Zweitklässlern, die jetzt an der Grundschule Lüne die verschiedenen Instrumente kennenlernen und ausprobieren durften. Dahinter verbirgt sich ein Projekt, das Profi-Violinist Ivan Neykov jetzt erstmals mit Lüneburger Schulanfängern durchgeführt hat.

„Ich hatte noch nie die einzelnen Teile einer Klarinette in der Hand“, sagt Emmi, die mit ihren Klassenkameraden im Werkraum im obersten Stockwerk der Schule sitzt. Die anderen Kinder, aufgeteilt in insgesamt acht Gruppen, beschäftigen sich gerade mit einem Cello, einer Trompete, Streichern und vielen weiteren Instrumenten. „Das ist viel cooler als normaler Musikunterricht“, sagt Ella (7), die nicht wusste, dass eine Klarinette 39 verschiedene Töne spielen kann. „Bei 21 habe ich aufgehört zu zählen.“

Die Lippen müssen vibrieren

Ein Raum weiter ist der markante Klang eines Blechblasinstruments zu hören. „Wisst ihr, was das hier ist?“, fragt Steffen Happel in die Runde. Ein Schüler stürmt zum großen Schaubild, das im Musikraum an der Wand hängt. Er zeigt auf eine Trompete. „Dieses Instrument hat keine Ventile, sondern einen Zug“, klärt der Musikschullehrer auf und hebt das Instrument in seinen Händen in die Luft. „Das ist eine Posaune.“ Mit einem kleinen silbernen Ring zeigt er den Schülern, wie die Lippen vibrieren müssen, damit sie auch einen Ton erzeugen. Einige Mädchen kichern.

Das Instrumentenkarussell ist nur ein Teil des Projekts mit dem Namen „Musik und ihre Instrumente zum Lernen, Anfassen und Begeistern“. In den vergangenen Wochen haben die Musiklehrer mit den Schülern bereits Material durchgearbeitet und alle Orchesterinstrumente kennengelernt. Für Christiane von Saldern ist der Besuch der acht Mitglieder der Lüneburger Symphoniker etwas ganz Besonderes. „Ich kann den Schülern die Instrumente sonst nur auf CD vorspielen“, sagt die Musikfachleiterin der Grundschule Lüne, die mit den Kindern auch die Europahymne einstudiert hat.

„Musik ist eine Möglichkeit, sich auszudrücken, ähnlich wie eine Fremdsprache.“ Ivan Neykov, Profi-Violinist

Mit „Ode an die Freunde“ findet das Projekt am 8. Mai seinen Abschluss, dann stehen in der Sporthalle der St. Ursula-Schule zwei Konzerte an. Gespielt wird die „9. Sinfonie der Tiere“, das Stück hat Thomas Dorsch, Musikdirektor am Lüneburger Theater, geschrieben. 400 Zweitklässler werden anwesend sein. Für das Orchester war die Grundschule Lüne die letzte Etappe, zuvor wurde das Projekt bereits in Häcklingen, im Roten Feld, in der St. Ursula-Schule, in Vögelsen und Häcklingen durchgeführt. Der Plan fürs nächste Jahr steht schon: Da möchte Ivan Neykov mit seinen Kollegen elf Grundschulen in Stadt und Kreis besuchen, vier Konzerttermine hat er bereits angesetzt.

Zu erklären, warum die Instrumentenkunde in jungen Jahren so wichtig ist, fällt dem Musiker leicht. „Es geht darum, dass den Kindern ein anderes Fenster geöffnet wird.“ Auch seien Zweitklässler in einem Alter, in dem sich häufig entscheidet, ob sie ein Instrument erlernen möchten oder nicht. „Musik ist eine Möglichkeit, sich auszudrücken, ähnlich wie eine Fremdsprache.“

Von Anna Paarmann

One comment

  1. Werner Schneyder

    Dies war ein kulturelles Highlight in Lüneburg: Begeisterte Kinder, geduldige Musiker, engagierte Lehrkräfte.