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Insektizide gegen die Raupen wurden per Hubschrauber versprüht. Foto: A/t&w

Lufteinsatz zeigt Wirkung

Lüneburg. Einer der gefährlichsten Schädlinge, der den Landkreis Lüneburg in den vergangenen Jahren heimgesucht hat, ist offenbar auf dem Rückzug: „Bislang ist nur einen einziger Baum gemeldet worden, der vom Eichenprozessionsspinner befallen wurde“, sagt Kreissprecherin Urte Modlich. Kein Vergleich zu den Vorjahren, als in vielen Teilen des Kreises geradezu eine Invasion des Eichenprozessionsspinners stattfand. Die mikroskopisch kleinen Brennhaare der Raupe sind für Menschen gesundheitsgefährdend. Deshalb ließ der Landkreis in den vergangenen Jahren die Larven vorbeugend bekämpfen, noch bevor diese ihre gefährlichen Brennhaare entwickeln. Bereits nach den Besprühungen 2013 bis 2015 sank die Zahl der Meldungen von Erkrankungen erheblich – „und in diesem Jahr haben wir überhaupt noch keine Krankheitsmeldung“, freut sich Kreissprecherin Urte Modlich und fügt hinzu: „Wir sehen in diesem Jahr deshalb auch keine Notwendigkeit, Bekämpfungsmaßnahmen gegen den Eichenprozessionsspinner durchzuführen.“

Die Raupen kommen bundesweit vor

Ganz anders die Situation in vielen anderen Landesteilen der Republik: „Eichenprozessionsspinner plagt Deutschland“, titelte Spiegel Online Anfang der Woche und warnte: „Am stärksten betroffen sind Gebiete entlang des Rheins, Deutschlands Süden und der Nordosten.“

Seit 2012 gehen Experten des Julius-Kühn-Instituts davon aus, dass die Raupen bundesweit vorkommen. Und die Raupen erobern sich dabei immer weiter neues Territorium, etwa Mecklenburg-Vorpommern. Hier wurde der Eichenprozessionsspinner im vergangenen Jahr erstmals bei Rostock und auf Usedom gesichtet.

Besondere Vorsicht ist in diesem Jahr offenbar in Nordrhein-Westfalen geboten: In Münster etwa durften Kinder einer Grundschule zwei Tage lang nicht den Schulhof betreten, weil eine dort stehende Eiche vom Eichenprozessionsspinner befallen war. Erst nach dem Besuch eines Kammerjägers wurde das Gelände freigegeben.

Seit den 1990er-Jahren sind die Raupen auf dem Vormarsch

Noch bis Ende der 1980er-Jahre war eine Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners nicht notwendig, denn das Vorkommen dieser Schmetterlingsraupe war damals noch eher selten. Erst seit den 1990er-Jahren sind die Raupen auf dem Vormarsch. „Bis vor wenigen Jahren beschränkte sich der Raupenfraß des Eichenprozessionsspinners auf einzeln stehende Eichen in Parkanlagen, Alleen, auf Parkplätzen oder entlang von Waldrändern. Der Schaden war gering, da die Eichen durch den Johannistrieb ein hohes Regenerationsvermögen besitzen. Seit den 1990er-Jahren tritt der Schädling jedoch flächig in Massenvermehrung auf“, erinnert die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Bei einmaligem Kahlfraß durch den Eichenprozessionsspinner verhindere die Regenerationskraft der Eichen Folgeschäden. Bei mehrjährig aufeinander folgendem starken Fraß aber werde die Vitalität der Bäume geschwächt, andere Schädlinge können den Bäumen leichter zusetzen.

Warnschilder an Straßen und Radwegen

Aber: Der Eichenprozessionsspinner hat auch Feinde – etwa den Kuckuck, bei dem die Raupen trotz ihrer Brennhaare auf dem Speisezettel stehen. Zudem zählt der Puppenräuber – ein Käfer – zu den Fressfeinden. Seine Larven suchen Beute im Raupengespinst, während der Käfer die freien Raupen attackiert.

Obwohl der Eichenprozessionsspinner im Landkreis Lüneburg aktuell keine Gefahr darstellt, bleiben an Straßen und Radwegen Warnschilder, die auf die Gefahren des Eichenprozessionsspinners hinweisen, stehen. Aus gutem Grund: Die Brennhaare der Raupen sind noch nach Jahren gefährlich. Ob der Landkreis 2019 die Raupen wieder bekämpfen muss, werde sich im Sommer zeigen, sagt Modlich.

Von Klaus Reschke

Hintergrund

Raupe mit Giftpfeilen

Seinen Namen verdankt der Eichenprozessionsspinner dem auffälligen Verhalten: Seine Raupen wandern abends zum Fressen in die Kronen der Eichen und morgens zurück. Nach 5 bis 6 Entwicklungsstadien verpuppen sich die Raupen, im Juli schlüpfen die Falter.

Eine Gefährdung der Menschen geht von den Haaren der älteren Raupen aus. Diese sind etwa zwei bis drei Millimeter lang, mit Widerhaken versehen und enthalten das Nesselgift Thaumetopoein. Die feinen Brennhaare können wie „Giftpfeile“ über weite Strecken getragen werden. Unmittelbar nach Hautkontakt entwickelt sich ein Juckreiz, Ausschlag, gegebenenfalls Hautentzündungen, Augenreizungen bis hin zu Atemnot oder einem allergischen Schock. Die Nesselhaare bleiben zudem über viele Jahre gefährlich.