Donnerstag , 20. September 2018
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Die Aufträge für Bauschilder und Bauzaun sind erteilt, das Gerüst für die Arenatafeln an der Lüner Rennbahn steht bereits. Foto: be

Arena-Zug rollt wieder an

Lüneburg. Nach hitzigen Diskussionen zu Beginn des Frühjahrs war es ruhig in den vergangenen Wochen um die Arena Lüneburger Land. Doch hat die Kreisverwaltung hinter verschlossenen Türen die Hausaufgaben erledigt, die der Kreistag dem Landrat Ende April mit auf den Weg gegeben hatte. Und so werden in den kommenden 10 Tagen wichtige Weichen für das Millionenprojekt gestellt.

Zum Auftakt haben Landrat Manfred Nahrstedt und Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer gestern im neu eingerichteten Begleitgremium zum Hallenbau den Entwurf für einen Betreibervertrag sowie ein Arbeitspapier zur Gründung einer kommunalen Betriebsgesellschaft vorgelegt – wie vom Kreistag gefordert. Die Mitglieder des Gremiums werden diese Informationen nun zur Beratung in die Fraktionen tragen. Vorgesehen ist, dass der Kreisausschuss am Montag, 11. Juni, den neuen Betreibervertrag beschließt. Im August stünde dann die Entscheidung über einen Betreiber oder eine Betriebsgesellschaft an.

Arena-Geschäftsführer stellen Konzepte vor

Bereits in der kommenden Woche wird sich der Hochbauausschuss des Kreistags mit dem Bodenkonzept für die Arena befassen. Bei der Sitzung am Mittwoch, 6. Juni, werden die Geschäftsführer der Hamburger Barclaycard Arena und der Trier Arena die jeweiligen Bodenkonzepte ihrer Hallen vorstellen. Vorbereitet werden soll in dem Ausschuss die zweite wesentliche Entscheidung, die der Kreisausschuss fünf Tage später zu treffen hat: Wird als Basis der Arena Lüneburger Land ein Sport- oder ein Betonboden verbaut? Zuletzt war ein Betonboden favorisiert worden, da sich der Schwerpunkt seit dem vergangenen Sommer weg von einer Sport- hin zu einer Veranstaltungshalle verschoben hatte. Diese Entwicklung hat der Kreistag Ende April wieder zurückgedreht, unter anderem die Verhandlungen mit dem Hamburger Konzertveranstalter FKP Scorpio als potenziellem Betreiber für beendet erklärt.

Die Kreisverwaltung hat sich bisher klar für einen Betonboden ausgesprochen. Günstiger in der Anschaffung kann dieser im Zuge des Aufbaus für kommerzielle Veranstaltungen auch mit Lkw befahren werden. Ein Sportboden hingegen würde die Nutzung für bestimmte Veranstaltungen wegen der geringeren Traglast von vornherein ausschließen, so die Argumentation. Die Frage ist nun, ob die Politik dies ebenso sieht oder zu einer anderen Bewertung kommt.

Aufträge für Bauschilder und Bauzaun sind bereits erteilt

Während die Aufträge für Bauschilder und Bauzaun bereits erteilt sind, das Gerüst für die Tafeln an der Lüner Rennbahn schon steht, soll die Ausschreibung für die einzelnen Gewerke in den kommenden Wochen folgen. Dazu sagt Kreissprecherin Katrin Holzmann: „Ende Juni werden die Erdarbeiten ausgeschrieben, die Rohbauarbeiten werden Ende Juli folgen.“ Zusammen seien dies 70 Prozent des Auftragsvolumens.

Nach Schätzungen der Kreisverwaltung werden die Angebote Anfang September vorliegen und drei Wochen später ausgewertet sein. „Wegen des großen Auftragsvolumens wird die Politik dann mit Blick auf die Kosten eine sehr belastbare Entscheidungsgrundlage haben“, sagt Holzmann. Konkrete und neue Erkenntnisse über die Kostenentwicklung lägen derzeit nicht vor. „Allerdings werden wir bis Anfang Juli bepreiste Ausschreibungsunterlagen von unseren Partnern erhalten“, kündigt die Kreissprecherin an.

Verwaltung hofft auf Baubeginn Anfang November

Sollte es keine erhebliche Kostensteigerung geben, gehen die Verantwortlichen im Kreishaus davon aus, dass die Aufträge Ende September erteilt werden, Anfang November mit dem Bau der Arena Lüneburger Land begonnen werden kann.

Auf die Agenda für die kommenden Wochen heben werden die politischen Vertreter im Begleitgremium sicherlich auch das Thema Verkehr. Bis zuletzt war immer wieder ein Verkehrskonzept für Parkraum und Verkehrsströme im Zuge von Veranstaltungen gefordert, von der Verwaltung bislang aber abgelehnt worden.

Die Sitzungen der kommenden Tage: Ausschuss für Hochbau am Mittwoch, 6. Juni, ab 15 Uhr im Neubau des Gymnasiums Oedeme. Sitzung des Kreisausschusses (nicht öffentlich) am Montag, 11. Juni, ab 10 Uhr im Kreishaus.

Von Malte Lühr

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8 Kommentare

  1. wie war das noch mal mit der schuldenbremse? wer bremst da eigentlich?

  2. Das nennt dann wohl Politik mit der Brechstange oder vielleicht sogar alternativlos?!?

    • Ludger Fischer

      Exakt. Das ist „Politik“ für Politiker und ihre Geschäftsfreunde und Werbekollegen. Wenn ein europaweit äußerst erfolgreich agierendes, hochprofessionelles und eiskalt die Wirtschaftlichkeit kalkulierendes Veranstaltungsunternehmen wie die FKP Scorpio von dem Arena-Murks am ungeeigneten Standort nicht zu überzeugen ist, dann kann jeder in Lüneburg davon ausgehen, dass in der Vrestorfer Heide zwanzig Millionen Euro und mehr (Verkehrskonzept (!)) ohne Sinn und Verstand versenkt werden. Es gibt in der ganzen Bundesrepublik NICHT EINE kommunale Betreibergesellschaft, die schwarze Zahlen schreibt.

  3. Bernhard Wittvogel

    Nach knapp drei Jahren des irrwitzigen Herumstümperns von Oberbürgermeister und Landrat inklusive deren Fachleuten ist „das Projekt“ wieder am Nullpunkt angelangt. Und rund drei Millionen Euro stecken inzwischen in karger Schlachthoferde. Soll jetzt tatsächlich erneut ohne BEDARFSANALYSE geplant und einfach gebaut werden? Ohne ein Gutachten, das von einem professionellen, neutralen Sachverständigen erstellt wurde und Antwort auf die Frage gibt, welchem Verlangen die „Arena“ eigentlich genügen, welchem Zweck sie tatsächlich entsprechen könnte? Kurz: Wozu sie überhaupt entsteht? Oder geht es wie bisher im Blindflug weiter, der vollmundig mit Privatmeinungen über Bauchgefühle in leeren Klanghülsen von einschlägig interessierten Grüppchen „begleitet“ wird? Zwanzig Millionen Euro werden im Vertrauen auf das zuversichtliche Grinsen von Andreas Bahlburg und Klaus Hoppe in den Vrestorfer Heidesand gebaggert? – WARUM?

    Wer weiß darauf eine Antwort?

  4. Zum Arena-Thema läuft gerade eine sehr lebhafte Debatte mit mehreren Kreistagsabgeordneten.

    Ab hier:

    https://www.landeszeitung.de/sport/fusball/regionalliga-fusball/229821-lsk-verabschiedet-sich-mit-30#comment-62112

  5. »Dass die Arena NUR mit dem Konzertveranstalter FKP Scorpio als Betreiber gebaut werden sollte, daran lässt Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer KEINEN ZWEIFEL. Doch wie sieht es anders herum aus? Die LZ wollte vom Landkreis wissen: Inwiefern würde das Arena-Projekt gefährdet, wenn die Volleyball-Erstligisten SVG Lüneburg aus dem Vorhaben aussteigen sollten? Dazu sagt Lüneburgs Kreissprecherin Katrin Holzmann: ›Es besteht der große Wunsch und es würde uns sehr freuen, wenn die SVG hier bei uns in Lüneburg ihre Spielstätte finden würde. Betriebswirtschaftlich aber entsteht aus den SVG-Heimspielen kein positiver Deckungsbeitrag.‹ Kurzgefasst: Das Arena-Projekt wäre ohne die SVG sogar wirtschaftlicher.
    (…)
    Darüber hinaus darf der Kreis aus Gründen des Beihilferechts den Volleyballern finanziell nicht unter die Arme greifen. Zumal nicht der Verein, sondern deren angegliederte Sportbetriebsgesellschaft offiziell als Hallennutzer auftreten würde. Dazu heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme des Kreises: ›Würde eine kostenlose Nutzungsüberlassung geregelt, wäre dies erst einmal rechtswidrig. Denn der Landkreis würde aus Steuermitteln für einen Zweck, der nicht zu seinem Aufgabenkreis zählt, einem Privatunternehmen eine Zuwendung gewähren.‹ Aus der Traum.«

    Landeszeitung vom 17. Februar 2018