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Neue Pläne und Konzepte sollen im Landkreis Alternativen zum Autoverkehr befördern. Foto: t&w

Mehr Bus, mehr Rad, mehr Bahn

Lüneburg. Was seit einigen Monaten so sperrig als Integriertes Mobilitätskonzept (IMK) vorliegt, soll schnell konkrete Gestalt annehmen. Die Fraktionen von CDU, SPD, Linke und Grüne verständigten sich am Montag im Kreistag mit Unterstützung von FDP/Unabhängige, dass nunmehr die wesentlichen Grundlagen und damit die Prioritäten für die weiteren Planungen vorliegen: Stärkung des Öffentlichen Personennahverkehrs und Radverkehrs sowie die Reaktivierung von Bahnstrecken.

Als erster Baustein sieht der gemeinsame Antrag der vier Fraktionen vor, dass bei der Erarbeitung des aktuellen Nahverkehrsplans neue Rufbus-Routen installiert werden, die auch einen Anschluss an die Bahnstrecke nach Dannenberg und an den Bahnhof Brahlstorf (für Amt Neuhaus) vorsehen.

Auf Konzepte müssen Taten folgen

Der Nahverkehrsplan soll zudem „umgehend ergänzt“ werden von einem Radwegekonzept. Dies soll etwa eine „günstige und gut ausgeschilderte Streckenführung im Stadt-Umland-Bereich“ und sichere Unterstellmöglichkeiten mit E-Bike-Ladefunktion „an den Verknüpfungspunkten in der Fläche“ beinhalten.

Zudem soll die Bahnstreckenreaktivierung nach Bleckede und nach Amelinghausen überprüft werden. Außerdem heißt es in dem gemeinsamen Papier: „Bezüglich der Antriebstechnologien werden klimaschonende Entwicklungen bevorzugt und bei Neuanschaffungen, Austausch oder Nachrüstung realisiert.“

Jetzt müssen nach den Konzepten auch Taten folgen, lautet der Tenor des Antrages. „Der Landkreis sollte sich verbindlich diesem Prozess verpflichten“, heißt es weiter. Dies betreffe auch eine neue Elbfähre, die Entlastung des „Sande“, Park & ride-Parkplätze oder alternative Antriebe bei der Neuanschaffung von Rufbussen.

Drei Millionen Euro aus Haushaltsüberschuss

Grünen-Fraktionsvorsitzende Petra Kruse-Runge freute sich über den breiten Konsens für die Initiative, die sie angestoßen hatte. Der breite Rückhalt sei angesichts der Aufgabenfülle wichtig. Es gelte, den Öffentlichen Personennahverkehr ab 2019 „deutlich, deutlich besser zu machen“, assistierte SPD-Fraktionschef Franz-Josef Kamp. Lediglich die fünf AfD-Mitglieder stimmten nicht zu. Ihr Sprecher Harald Subke sprach von einem „ideologischen Konzept der Immobilität“, da es den Autoverkehr ausblende.

Subke kritisierte, dass es keine Bürgerbefragung gegeben habe und polemisierte gegen einzelne Verbandsvertreter – „es haben nur noch Greenpeace und Amnesty International gefehlt“. Damit erntete er Kopfschütteln und offenen Widerspruch, da es beim Mobilitätskonzept mehrere Beteiligungsrunden gab. Kamp: „Herr Subke, ich schätze Ihre Beiträge ansonsten sehr, aber hier liegen Sie völlig daneben.“ Kruse-Runge empörte sich: „So viel ausgemachten Blödsinn haben wir hier lange nicht mehr gehört.“

„So viel ausgemachten Blödsinn haben wir hier lange nicht mehr gehört.“ – Petra Kruse-Runge , Grünen-Fraktionschefin

In jedem Fall steht dem Landkreis mehr Geld für den Öffentlichen Personennahverkehr zur Verfügung. Aus dem zu erwartenden Überschuss von fast zehn Millionen Euro in diesem Jahr reservierten der Kreistag am Montag hier einstimmig drei Millionen Euro.

von Marc Rath