Dienstag , 25. September 2018
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K.o.-Tropfen können in kleinen Flaschen oder Ampullen transportiert und unauffällig in Drinks geschüttet werden. Dadurch können die Betroffenen bewusstlos werden. (Foto: t&w)

Die Gefahr lauert im Glas

Lüneburg. Sie sind farb- und geruchlos, können schnell und unauffällig in einen Drink geschüttet werden, wirken innerhalb von 15 Minuten seh r schnell und machen Menschen willen- und hilflos: K.o.-Tropfen. Eingesetzt wurden sie auch schon in Lüneburg auf Partys, in Kneipen und Diskotheken von Tätern, die anschließend ihre Opfer sexuell missbrauchten oder ausraubten. 2016 startete die diakonische Einrichtung MaDonna das Projekt K.o.-Tropfen: Zwei Sozialpädagoginnen gehen in Klassen aller Schulformen (ab Klasse 9) in Stadt und Landkreis und klären die Jugendlichen auf. Das Projekt ist zunächst gesichert, denn die Stiftung „Diakonie – Ich mache mit“ unterstützt das Vorhaben nun mit 3000 Euro.

„Mit den 3000 Euro können wir  13 Klassen fortbilden.“
Uta Nörenberg, Sozialpädagogin

Für Schlagzeilen sorgte ein Vorfall Anfang des Jahres: Gäste einer Party an der Leuphana berichteten von jungen Frauen, die nicht mehr stehen konnten, im Sitzen einschliefen oder sich immer wieder übergeben mussten. Die ausrichtende Fachschaft sprach von „Vorfällen von gefährlicher Körperverletzung mit dem Einsatz von sogenannten K.o.-Tropfen“. Diese sollen sich sowohl im Rahmen der Party ereignet haben als auch im Umfeld privater Feiern.

Vorfälle bei Party an der Universität

Die Sozialpädagogin Uta Nörenberg, die das MaDonna-Projekt zusammen mit Diplom-Sozialpädagogin Jasmin Bostelmann koordiniert, erläutert: „Innerhalb eines Schulvormittages wird über die Wirkweisen und Folgen der Tropfen aufgeklärt. In vier Schulstunden werden theoretische Einheiten, Wahrnehmungsübungen, Rollenspiele, Achtsamkeitsübungen und Workshops miteinander kombiniert angeboten, um das Thema vielfältig zu erarbeiten und um die Schüler zu sensibilisieren.“

Es gibt unter anderem Tipps, wie man sich schützen kann, etwa indem man keine offenen Getränke von Menschen annimmt, die man nicht kennt, sein Getränk nicht unbeobachtet stehen lässt, Freunde und Personal anspricht, wenn man sich nicht wohlfühlt. Und Freundinnen und Freunde können wachsam sein, Nörenberg: „Wenn sie an ihren Begleitern feststellen, dass die sich eigenartig benehmen, obwohl sie nicht viel getrunken haben.“ Im Zweifel sollten Polizei und Rettungswagen gerufen werden. Auch wird geraten, sofort Anzeige zu erstatten. Und es gibt Tipps zur Beweissicherung.

Das Projekt wurde über den Ladies Circle finanziert. Diese Anschubfinanzierung ist nun aufgebraucht, jetzt steigt die Stiftung ein, die seit 15 Jahren existiert. Deren Vorsitzender Hans-Hermann Jantzen, der gerade zum zweiten Mal für sechs Jahre Amtszeit gewählt wurde, sagt: „Wir springen bei den diakonischen Einrichtungen da ein, wo eine normale Finanzierung nicht mehr funktioniert.“ Jährlich würden zwischen 12 000 und 15 000 Euro fließen, das Stiftungskapital konnte von 50 000 auf 800 000 Euro aufgestockt werden: „So können wir in diesem Jahr 30 000 Euro ausschütten.“ Nörenberg: „Mit den 3000 Euro können wir 13 Klassen fortbilden. Insgesamt würden sich die Kosten des Projektes auf 3640 Euro belaufen. Die jeweiligen Schulen haben dann einen Eigenanteil von 640 Euro zu tragen.“ Interessierte Schulen können sich bei MaDonna melden.

Von Rainer Schubert

One comment

  1. die gefahr durch ko tropfen betroffener zu werden soll sehr gering sein. der hauptgrund für missbrauch an frauen, ist der alkohol. Die meisten Sozialarbeiterinnen von Frauen-Notrufhotlines sagen dagegen, sexuelle Gewalt mit Hilfe von K.o.-Tropfen sei extrem verbreitet und werde allgemein unterschätzt. Fragt man dagegen Rechtsmediziner, sagen einige, die Gefahr, unter Einfluss von K.o.-Tropfen vergewaltigt zu werden, sei nicht viel mehr als eine moderne Großstadtlegende.
    was denn nun?