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Jeannette Asmus ist stolz auf ihr Werk. (Foto: be)

Der gedruckte Traum

Lüneburg. Das große Abenteuer liegt schon etwas zurück. Im Sommer 2014 war es, als Jeannette Asmus für knapp ein Jahr in die Ferne auf brach. Ganz ohne Eltern, ohne Freunde. Sie war gerade 17 geworden und hatte ihren Realschulabschluss in der Tasche. „Ich wollte etwas von der Welt sehen“, erzählt sie. Die Welt, das war das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Statt in Embsen, wo sie bis dahin lebte und zur Schule ging, hieß ihr neues Zuhause Michigan. Im Nordosten der USA lebte sie bei einem Ehepaar und dessen kleinem Zoo mit zwei Eseln, einer Menge Hühnern, Hasen, Truthähnen und Hunden, ging dort auch zur Schule. Über ihre Zeit in den USA hat sie ein Buch geschrieben. „USAbenteuer – Ein Austauschjahr in den USA“ heißt das Werk. Es ist auch ein Ratgeber für all jene, die ein ähnliches Abenteuer planen.

Es war ein Mitschüler an der Realschule, der sie damals erst auf die Idee gebracht hatte, aufzubrechen zu neuen Ufern. Er plante ein Austauschjahr und steckte sie an mit seiner Begeisterung. „Ich wusste damals eigentlich nur, dass ich auf jeden Fall Grundschullehrerin werden möchte“, erinnert sich Jeannette Asmus. Doch das hatte schließlich noch Zeit, warum also nicht erst ein Jahr mal raus und was ganz anderes sehen?

„Republikaner waren mir suspekt“

Also ging es über den großen Teich zu den großen Seen. „Mit meiner Gastfamilie war ich sofort total auf einer Wellenlänge, obwohl die Verständigung anfangs schon schwierig war“, blickt sie zurück. Sie habe durchaus Vorbehalte gehabt, „Repu­blikaner waren mir suspekt“. Doch das sollte sich legen. „Ich habe gemerkt, dass auch Menschen, die eine ganz andere politische Auffassung vertreten, herzensgute Menschen sein können.“

Überhaupt hatte sie großes Glück, auch in der Schule sei sie von Anfang an ein fester Bestandteil der Gemeinschaft gewesen und nie als „die Austauschschülerin“ betrachtet worden. „Dieser Spirit hat mich beeindruckt. Bei Festen und anderen Aktivitäten wurde ich gleich voll mit integriert.“ Und doch sei gerade der erste Schultag schwer gewesen. „Als ich nach dem Unterricht nach Hause kam, habe ich nur geheult, weil ich da erst richtig realisiert habe, dass ich meine Familie und meine Freunde nun ein Jahr nicht sehen würde“, gibt sie zu.

Es sollte die Ausnahme bleiben. Bis kurz vor ihrer Rückkehr, denn dann war plötzlich unklar, ob sie ihre Gastfamilie, die wie zweite Eltern für sie gewesen waren und die ihr ans Herz gewachsen sind, je wiedersehen würde. Inzwischen hat sich gezeigt: Trotz großer Entfernung riss der Kontakt nicht ab. Ihre Gastgeber aus den USA waren schon zu Besuch in Deutschland und wollen demnächst erneut kommen, auch Jeannette Asmuss war bereits wieder in den Staaten.

„Kann Austauschjahr weiterempfehlen“

Von ihrer Zeit in Michigan hat sie nach ihrer Rückkehr lange gezehrt und reichlich erzählt. So reichlich, dass sie in ihrem Freundeskreis ein ums andere Mal zu hören bekam, dass sie so viel erlebt habe, dass sie darüber ein ganzes Buch schreiben könne. Sie hat es dann auch irgendwann getan – und schließlich einen Verlag gefunden, der es auch veröffentlichen wollte. „Die Zusage kam relativ schnell“, erzählt Jeannette Asmus, die im August 21 wird, mittlerweile in Lüneburg wohnt, ihr Abi an der BBS III gemacht hat und nun an der Leuphana studieren möchte, um sich nach ihrem Traum von den Staaten auch den Traum vom Lehrer-Beruf zu erfüllen.

Als sie das Buch, ihr Buch, erstmals in Händen hielt, das sei schon ein ganz besonderes Gefühl gewesen. „Ich konnte gar nicht glauben, dass ich das geschrieben habe.“ Auf rund 180 Seiten ist nun nachzulesen, was sie in den USA erlebt hat, welche Erwartungen sich erfüllt haben und welche nicht. In einem kleinen Anhang gibt es auch Informationen zum Bewerbungsverfahren, zu den Kosten und ein paar Tipps, falls es mit der Gastfamilie nicht so gut klappt wie in ihrem Fall. Es ist also auch ein Leitfaden für Schüler, die mit ähnlichen Gedanken spielen wie sie damals. Jeannette Asmus sagt: „Ich kann ein Austauschjahr auf jeden Fall weiterempfehlen.“

Das Buch „USAbenteuer – Ein Austauschjahr in den USA“ ist erschienen im Reisebuch Verlag und ist als Taschenbuch für 9,99 Euro unter anderem bei Amazon sowie für 4,99 Euro als ebook erhältlich.

Von Alexander Hempelmann