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Der 19-Jährigen gefällt die Mischung aus handwerklicher Arbeit und Umgang mit Menschen. (Foto: t&w)
Der 19-Jährigen gefällt die Mischung aus handwerklicher Arbeit und Umgang mit Menschen. (Foto: t&w)

Start in die Lehre – Teil 5: Auf die Idee hat sie ihr Großvater gebracht

Lüneburg. Als Isabel Tätzner auf der Suche nach einem Platz für ein zweiwöchiges Schülerpraktikum war, hatte sie kaum Ideen. In ihr machte sich eher die Überforderung breit, die viele junge Menschen in dem Alter verspüren. „Mein Opa hatte dann die Idee, eine Ausbildung als Orthopädiemechanikerin und -technikerin zu absolvieren.“ Ein Vorschlag, der die Schülerin damals sofort aufhorchen ließ. Berührungspunkte mit dem Thema hatte sie bis dato nur über ihren Großvater, der eine Beinprothese hat. „In dem Betrieb, in dem er Patient ist, habe ich dann mein Praktikum absolviert“, erzählt Tätzner. „In den Sommerferien habe ich da weiter gejobbt.“ Die Lust auf den Beruf hielt auch bis nach dem Abitur an, Bewerbungen verschickte sie deutschlandweit. Bei der Firma Reha-OT in Lüneburg klappte es, heute steht der erste offizielle Arbeitstag an.

Bundesfreiwilligendienst in einem Naturparkzentrum

Einen kleinen Zwischenstopp hat die 19-Jährige nach ihrem Abschluss dennoch eingelegt, so verließ sie ihre Heimat Leipzig in Richtung Mölln. Dort absolvierte sie einen Bundesfreiwilligendienst in einem Naturparkzentrum. Mittlerweile ist Tätzner in Ratzeburg zu Hause, weil sie dort mit ihrem Freund zusammenwohnt, steht ein Umzug an die Ilmenau nicht an. „Ich pendle mit der Bahn.“ 45 Minuten sei sie unterwegs und damit deutlich schneller als mit dem Auto. „Das passt von den Verbindungen her auch gut mit den Arbeitszeiten.“
Die Vorfreude auf die Ausbildung ist groß, überzeugt hat Isabel Tätzner die Konstellation aus Handwerk, Arbeit mit den Menschen und die Tatsache, dass für jeden Kunden individuell eine Prothese angefertigt wird. „Ich bin jemand, der gern bastelt, Dinge baut. Zuhause habe ich mit meiner Familie zum Beispiel eine Schrankwand angefertigt“, nennt sie ein Beispiel. „Das macht mir einfach Spaß.“

Ausbildung mit großer Bandbreite

An Herausforderungen wird es ihr bei ihrem neuen Arbeitgeber nicht mangeln, so reicht die Bandbreite von orthopädischen Maßschuhen und Einlagen über Orthesen und Prothesen bis hin zur Rehatechnik. „Die Richtung Kinderorthopädie finde ich ganz interessant, aber auch das Thema Arme und Hände, das gerade im Kommen ist.“ Im Gegensatz zu einer Beinprothese sei ein Ersatz, der etwa die Finger miteinschließt, eine sehr spezielle und filigrane Herausforderung. Denn: „Hier wird alles individuell angefertigt.“
Den Weg bis zu fertigen Prothese kann Tätzner noch nicht genau beschreiben, aber sie weiß, dass der nötige Abdruck etwa mit Gips angefertigt und ausgegossen wird. „Da gibt es verschiedene Materialien, Karbon oder Harze“, erklärt sie. Auch die Bedeutung des Schafts sei ihr bekannt, so bildet dieser etwa die Verbindung zwischen Stumpf und Prothese. „Das System muss schließlich funktionieren, ist das nicht der Fall, wird der Schaft angepasst.“ ap

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