Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | Leuchtturm für ökologisches Bauen
Anke (l.) und Ulrich Adolphi sowie Ute Cassens gehören zu der Baugemeinschaft, die das innovative Bau- und Wohnprojekt Am Speicherbogen auf den Weg gebracht hat. Aktuell zählt die Gruppe rund 50 Personen, vom zweijährigen Kind bis zum 78 Jahre alten Senior. Foto: t&w

Leuchtturm für ökologisches Bauen

Lüneburg. Wer durch das Lüneburger Speicherquartier wandelt, dem sticht schon von weitem die Holzkonstruktion für ein elf Meter hohes Gebäude an der Elisabeth-M aske-Straße ins Auge. Hier entsteht die bundesweit größte Wohnanlage in strohgedämmter Holzbauweise, die ein gemeinschaftliches, generationsübergreifendes Wohnprojekt mit Leben erfüllen wird.

Gut zwei Jahre ist es her, dass sich eine Baugemeinschaft gründete, die im nördlichen Bereich des Speicherquartiers ein gemeinschaftliches Wohnprojekt realisieren wollte. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten unter anderem Anke und Ulrich Adolphi, die auf das erste Lüneburger Wohnprojekt dieser Art, das die Gruppe LeNa am Brockwinkler Weg initiiert hat, aufmerksam geworden waren. Als Projektentwickler konnte das Lübecker Büro „planW“ gewonnen werden, das auch schon LeNa begleitet hatte. Die Projektziele „umweltfreundlich, wohngesund, generationsübergreifend“ für das Gebäudekonzept wurden von den Lüneburger Architektenbüros „arch.tekton“ und „Deltagrün Architektur“ umgesetzt.

Mehrere Generationen unter einem Dach

Es entsteht ein zweigeschossiger Komplex mit Staffelgeschoss, der zur Straße hin zwei leicht gerundete Gebäudeteile hat, die sich um einen Innenhof gruppieren. An den vorderen Geschossbau schließt sich jeweils ein Reihenhaus-Komplex an. Die gesamte Nutzfläche beläuft sich auf rund 2200 Quadratmeter. Der zentrale Eingang zu allen 19 Wohneinheiten – die zwischen 70 bis 180 Quadratmeter groß sind – ist zwischen den beiden Gebäudekomplexen angesiedelt. Von dort aus gelangt man auch in den 70 Quadratmeter großen Gemeinschaftsraum. Die Konzeption des Gebäudekomplexes entspricht damit einem Wunsch der Baugemeinschaft, die derzeit aus 17 Parteien besteht: Unter dem Dach soll eine verbindliche Nachbarschaft im Rahmen des gemeinschaftlichen Wohnens umgesetzt werden, wie Ute Cassens erläutert. Auch der generationsübergreifende Aspekt wird realisiert. Familien, Paare und Singles gehören zur derzeit 50-köpfigen Gruppe, dessen jüngstes Mitglied gerade mal zwei Jahre alt ist, das älteste 78.

Besonders wichtig war der Baugemeinschaft aber auch eine hohe ökologische und nachhaltige Qualität des Wohnprojekts. Die Holzständerwände des Außen- und Innenbereichs werden mit Strohballen verbaut. Auf die Außenwände wird dann ein Kalkputz aufgebracht, die Innenwände erhalten Lehmputz. Damit setzt das Architekten-Team, zu dem Dirk Scharmer, Stephan Seeger und Maike Möhring gehören, auf Materialien, die vorwiegend aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden und die für ein wohngesundes Raumklima sorgen. Die verwendeten Materialien haben laut Seeger zudem eine sehr gute Dämmeigenschaft, sprich es muss wenig geheizt werden. Um die herausragende Ökobilanz eines solchen Gebäudes zu verdeutlichen, verweist Scharmer auf den Energieeinsatz. Bei einem Einfamilienhaus, das mit diesen nachwachsenden Rohstoffen erstellt wird, sei der im Vergleich zu einem Haus im Massivbau so erheblich geringer, dass man mit der eingesparten Energie praktisch 20 Mal die Erde umrunden könnte.

In den Austausch gehen mit der Nachbarschaft

Die Strohballen kommen im Übrigen von einem Landwirt aus Wrestedt, also aus der Region. Sie werden maschinell vorgepresst und dann in die Holzkonstruktion eingefügt. Laut Scharmer gibt es die Strohbauweise schon seit über 100 Jahren. „Heute kommt sie wieder in Mode, weil sie genial regionales, ressourcenschonendes Bauen mit den aktuellen Anforderungen an modernes, komfortables und wohngesundes Bauen verbindet.“

Bei allen Schritten der Gestaltung sind die Mitglieder der Baugemeinschaft mit den Architekten im ständigen Austausch. Die Gruppe trifft sich außerdem regelmäßig zum noch besseren Kennenlernen und um Fragen rund um das gemeinschaftliche Wohnen zu klären. Dabei geht es auch um Spielregeln im Umgang miteinander und welche Aktivitäten man künftig gemeinsam umsetzen könnte. Genau dieser Prozess, dass man seine Nachbarn bei diesem Projekt schrittweise immer besser kennenlernt, sieht Jürgen Enke als großen Vorteil an. Bevor er mit seiner Frau auf das gemeinschaftliche Wohnprojekt aufmerksam geworden war, hatten sie sich nach einer Eigentumswohnung umgeschaut. Doch da kenne man nicht die Nachbarschaft.

Im Frühjahr soll der Wohnkomplex bezugsfertig sein. Gleich um die Ecke am Meisterweg sollen zwei weitere Gemeinschaftswohnprojekte entstehen, mit denen man auch in den Austausch gehen möchte wie auch mit anderen Nachbarn im Umfeld, sagt Anke Adolphi. Der Gemeinschaftsraum biete da zum Beispiel für Gespräche beim Kaffee gute Möglichkeiten.

Weitere Informationen zu dem Projekt gibt es im Internet unter www.speicherbogen.de

von Antje Schäfer

One comment

  1. Sehr geehrte Redaktion der LZ! Ich möchte ei Lob loswerden, da Sie über Uelzen in der LZ umfangreiche he berichten, als die AZ! Kompliment! Die Online-Beiträge der AZ sind teils uralt und werde selten selten aktualisiert – Kompliment an Sie!!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.