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Hanseviertel-Ost
Auch die alten Garagen auf dem Kasernengelände sollen für das künftige Hanseviertel-Ost weichen. (Foto: A/jj)

Entwurf wirft Fragen auf

Lüneburg. Fast hätte er die letzte Ratssitzung gesprengt, so viel Konfliktpotenzial steckt – zumindest aus Sicht der Grünen – in dem städtebaulichen Vertrag, der für das künftige Hanseviertel-Ost abgeschlossen werden soll. Deshalb hatten sie sich dafür stark gemacht, zuerst den Vertrag und danach die Bebauungspläne für dieses Areal zu beschließen. Wie berichtet, kam es anders, der Rat stimmte den Plänen vorab zu, doch Oberbürgermeister Ulrich Mädge musste zusichern, den Vertrag kurzfristig vorzulegen, nicht zuletzt, weil die Grünen mit einem Heranziehungsantrag gedroht hatten. Jetzt liegt der Entwurf vor – und findet nicht überall Zustimmung.

„Es bestand die Hoffnung, dass die in den Bebauungsplänen fehlenden Regelungen sich nun im städtebaulichen Vertrag finden würden – leider vergeblich“, kommentiert Ulrich Blanck den Entwurf. Der Fraktionschef der Grünen kritisiert unter anderem, dass sich in dem Entwurf „keine Maßnahme gegen die gesundheitsgefährdende Überhitzung von etwa 50 Prozent des reinen Wohngebiets“ im Hanseviertel finde, wie durch das kürzlich vorgestellte Gesamtklimagutachten deutlich geworden sei. Unverständlich sei für ihn auch, dass dem Bau von Wohnungen für 1-Personen- und über 3-Personen-Haushalte kein Vorrang eingeräumt werde, „das wird nicht einmal erwähnt“. Auch die mehrfach geforderte Installation eines Verteilnetzes für klimaschonenden Solarstrom fehle. „Ich werde meiner Fraktion empfehlen, dem Entwurf nicht zuzustimmen“, sagt Blanck.

Frühere Fehler vermeiden

30 Seiten umfasst der Entwurf zwischen der Stadt und der Sparkassen Hanse Immobilien GmbH (SHI), die den städtebaulichen Vertrag umsetzen soll. Dieser regelt neben Fragen des Grunderwerbs und Dienstbarkeiten auch die Schaffung von Grünanlagen und Kinderspielplätzen, ebenso die Berücksichtigung besonderer Wohnbedürfnisse, den Lärm- und Artenschutz, Stellplätze und sogar die Kinderbetreuung.

Wie im Vertrag die Erhitzung der Flächen im Hanseviertel vermieden werden kann, möchte Birte Schellmann (FDP) geklärt wissen. Unklar sei für sie auch die zeitliche Befristung von Baugruppen-Projekten. Zwar sei ein zügiger Baubeginn wichtig, „aber wir sollten Fehler, die wir bei früheren Projekten gemacht haben, dieses Mal vermeiden“. Ob sie dem Entwurf zustimmen werde, will sie von der Beratung des Vertrags im Bauausschuss abhängig machen, der am kommenden Montag, 10. September, tagt.

Klimagutachten berücksichtigen

„Ich persönlich werde wohl zustimmen“, sagt Christel John (CDU), regt aber ebenfalls an, die Hinweise aus dem Klimagutachten zu berücksichtigen. Auch zu den Baugruppen habe sie noch Fragen.

Noch nicht abgeschlossen ist die Meinungsbildung bei den Linken. „Für uns hat der soziale Wohnunsgbau oberste Priorität“, sagt Lisa Apking. „Das scheint aber entsprechend berücksichtigt zu sein.“

Volle Zustimmung signalisierte bereits die SPD. „Wir haben das in der Fraktion besprochen und sind einverstanden“, sagt Klaus-Dieter Salewski. Auch die AfD hat gegen den Vertrag keine Einwände, wie Gunter Runkel erklärte.

Auf Nachfrage bestätigte die Stadt, dass nun auch dem Erwerb der Flächen für das Hanseviertel-Ost nichts mehr im Wege stehe. „Der Kaufvertrag zwischen der BIMA und der SHI wurde gerade unterschrieben“, sagt Pressesprecherin Suzanne Moenck. Zu den Konditionen wollte sie sich nicht äußern.

Von Ulf Stüwe