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Helmut Lodwig möchte weiterhin Auto fahren. Doch es gibt Zweifel daran, ob er dazu auch in der Lage ist. Foto: us

Plötzlich ist der Führerschein weg

Lüneburg. Helmut Lodwig hat Mühe beim Sprechen. Auch das Gehen fällt ihm schwer, seit er vor anderthalb Jahren einen Schlaganfall hatte. Es war sein dritter. Weil die Polizei auf ihn aufmerksam wurde, droht ihm jetzt der Entzug des Führerscheins. Der 65-Jährige kann das nicht nachvollziehen und kämpft darum, die Fahrerlaubnis behalten zu können – auch aus Sorge um seine Zukunft.

„Ich bin nach dem Schlaganfall schon viele Tausend Kilometer gefahren – problemlos“, sagt Helmut Lodwig. Doch seit dem 12. Februar ist alles anders. An dem Tag musste der Häcklinger bei der Führerscheinstelle des Landkreises vorsprechen, die hatte Zweifel an seiner Fahrtauglichkeit geäußert und zog vorläufig den Führerschein ein. Grund war eine Meldung der Polizei, die ausgerechnet auf einen Hinweis von Helmut Lodwig selbst zu seinem Haus in Häcklingen gekommen war, weil Baufahrzeuge so unglücklich vor seiner Einfahrt parkten, dass er glaubte, nicht mehr mit Auto und Anhänger herausfahren zu können.

Auch Ärzte melden Fahruntüchtigkeit

Den beiden Polizistinnen kam das Verhalten von Helmut Lodwig so auffällig vor, dass sie die Führerscheinstelle benachrichtigten. Die trug ihm auf, ein verkehrsmedizinisches Gutachten über seine Tauglichkeit zum Fahren eines Pkw vorzulegen. Zwar konnte der Gutachter keine gesundheitlichen Einschränkungen erkennen, empfahl aber eine Fahrprüfung. Doch trotz einiger Fahrstunden fiel er bei der Prüfung durch, die TÜV-Prüfer hatten mehrere Fehler moniert.

Dass ihm „ohne Grund“ der Führerscheinentzug droht, ist für ihn unverständlich: „Dann müsste ihn ja jeder, der einen Schlaganfall hatte, abgeben.“ Die Empfehlung seines Arztes, nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zwei Monate aufs Autofahren zu verzichten, habe er berücksichtigt. Darüber würden auch Ärzte des Lüneburger Klinikums stets aufklären und es sich auch schriftlich bestätigen lassen, erklärt Klinikum-Sprecherin Angela Wilhelm. Gibt es zudem konkrete Hinweise, dass der Patient sich trotz drohender Eigen- oder Fremdgefährdung nicht daran hält, „wird die medizinische Einschätzung der Fahruntüchtigkeit der zuständigen Stelle des Landkreises gemeldet.“

Von Polizei und Landkreis fühlt sich Helmut Lodwig unfair behandelt: „Für meine Behinderung kann ich nichts. Ich bin noch nicht so alt, dass ich nichts mehr mitbekomme.“ Doch die sehen sich an Gesetze gebunden. So seien die Ordnungshüter gehalten, entsprechende Auffälligkeiten zu melden. „Was die Polizei uns meldet, nehmen wir als Grundlage für eine weitere Prüfung“, sagt Katrin Holzmann, Pressesprecherin beim Kreis. Wird erkennbar, dass der Fahrer nicht mehr zum Fahren eines Autos in der Lage ist, wird der Führerschein gleich einbehalten, ansonsten wird das Ergebnis eines Gutachtens abgewartet.

Verkehrswacht empfiehlt generellen Gesundheits-Check

Auch die Polizei selbst kann aktiv werden, die Autoschlüssel einziehen oder die Weiterfahrt untersagen, erläutert Kai Richter, Pressesprecher der Polizeiinspektion Lüneburg. Ob von Senioren grundsätzlich eine höhere Unfallgefahr ausgehe, könne er mangels entsprechender Zahlen nicht sagen, wohl aber, dass zuletzt mehr ältere Autofahrer in Unfälle involviert waren. So lag die Anzahl der über 65-Jährigen, die im Bereich der Inspektion an einem Unfall beteiligt waren, im Jahr 2017 bei 786 Personen, im Jahr davor bei 745. „Hier muss man aber auch den demographischen Wandel berücksichtigen“, sagt Richter, sprich: Weil es immer mehr Ältere gibt, steige auch deren Unfall-Beteiligung.

Dass Senioren sich grundsätzlich einer Überprüfung ihrer Fahrtauglichkeit unterziehen sollten, wie immer wieder diskutiert wird, dazu will sich Richter nicht äußern: „Das ist Aufgabe der Politik“. Auch der Kreis hält sich bedeckt, gleichwohl sagt Katrin Holzmann vielsagend: „Deutschland gehört zu den wenigen EU-Ländern, die keine Gesundheits-Prüfungen wie Sehtests verlangen.“ Gerhard Stiwich von der Verkehrswacht Lüneburg empfiehlt für Senioren ab 65 Jahren eine Praxis wie bei Lkw- oder Taxifahrern: „Die müssen alle fünf Jahre zum Gesundheits-Check.“ Zumindest aber sollte regelmäßig ein Sehtest gemacht werden.

Helmut Lodwig will nun einen zweiten Anlauf für die Fahrprüfung nehmen, er hofft, dass es dieses Mal klappt. „Ohne Auto bin ich aufgeschmissen. Dann müsste ich auch mein Haus verkaufen und in die Stadt ziehen. Aber wie soll ich von meiner kleinen Rente künftig die Miete bezahlen?“

Von Ulf Stüwe

Hintergrund

Im Alter auf dem Laufenden bleiben

Spezielle Kurse für Senioren bietet unter anderem die Verkehrswacht Lüneburg an. Dabei werden technische Zusammenhänge erläutert, es gibt eine verkehrstheoretische Unterweisung durch die Polizei und es werden praktische Übungen gemacht. Eine abschließende Prüfung findet nicht statt.

7 Kommentare

  1. „Ohne Auto bin ich aufgeschmissen. Dann müsste ich auch mein Haus verkaufen und in die Stadt ziehen. Aber wie soll ich von meiner kleinen Rente künftig die Miete bezahlen?“
    ich glaube nicht, dass herr lodwig erst einen toten auf dem gewissen haben möchte, um zu neuen erkenntnissen zu kommen. ein haus mussten schon ganz andere verkaufen, die nicht krank waren.

    • Sollte man bei diesem Thema den Bogen nicht weiter spannen und auch nachgewiesenen Alkoholkranken und Drogenabhängigen sowie Diabetikern oder Kurzsichtigen die Fahrerlaubnis entziehen? Alle Personen mit diesne Handicap könnten andere gefährden.

      Eine ganz besondere Spzies der Gefährder im Straßenverkehr sind aber die, die Handysüchtig sind und ihrem Wischtelefon mehr Beachtung schenken, als dem Straßenverkehr ringsherum. Diese besondere Spezies Verkehrsteilnehmer verursachen die meisten Unfälle. Also um hier die Unfallzahlen zu senken, Fahrverbot für Handynutzer, oder?

      Wo will man hier anfangen und wo soll es enden?

  2. Tja.

    Da ist der ÖPNV offensichtlich nicht gut genug ausgebaut.

  3. …. als 79 jähriger ehemaliger Fahrlehrer kann ich die Entscheidungen der
    Behörden nur begrüßen. nach einem Schlaganfall hat man erst mal einen
    körperlichen Mangel u. wenn dieser dann auch noch optisch auffällig ist, bedarf es
    schon einer Fahrtauglichkeitsüberprüfung.Vorher hätte man aber wohl besser in
    einige Fahrstunden investieren sollen. Aus meiner langjährigen Erfahrung nach
    solchen negativen ausgefallenen Fahrprüfungen wird es immer zu einer lebensläng-
    lichen Versagung kommen.Also Lebensschicksal annehmen und rauf auf’s E-Bike !!

  4. Nein und nochmals nein! Der PKW-Führerschein wird unbefristet ausgestellt und das ist auch gut so! Mobilität bedeutet Freiheit und Unabhängigkeit, daher halte ich verpflichtende ärztliche Untersuchungen für einen totalen Schwachsinn, zumal auch direkt nach der Untersuchung etwas passieren kann. Es ist schon eine Frechheit, dass die LKW-Fahrer alle 5 Jahre zur Untersuchung müssen und dazu gezwungen werden, die Untersuchungen aus eigener Tasche zu bezahlen. Seit 2017 nun auch alle 5 Jahre der kleine LKW-Führerschein bis 7,5 t. Hat es die Unfallzahlen reduziert? Nein! Aber es spült viel Geld in die Kassen des Staates. Hauptsache immer nach dem Staat schreien und mehr Einschränkungen fordern. Der Deutsche hat stets den Drang nach Regulierungen, Befristungen, Prüfungen, Bescheinigungen etc. Es würde nichts bewirken außer ein Gefühl von falscher Sicherheit. Denkt auch jemand an die Senioren, die auf dem Land wohnen? Was ist mit denen? Nicht alle wohnen in der Stadt wo die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr gegeben ist und nein, nicht jeder hat Angehörige oder Freunde, die jederzeit für einen da sind. Den Vorschlag der Verkehrswacht lehne ich strikt ab!

    • Norbert Hagen
      zu ihrer logik. dann sollten wir auch den tüv abschaffen, das auto kann nach dem tüv auch versagen. schmunzeln. ohne bremsen macht das autofahren besonders viel spaß.

  5. Freie Fahrt für freie Bürger!

    Ich frage mich, wozu überhaupt eine amtliche Erlaubnis zum Führen von Kraftfahrzeugen auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen? Das ist Gängelung des freien Individuums durch den tiefen Staat!!! Und dazu ist das Permis auch noch an einen bestimmten Fahrzeugtyp – die Fahrzeugklasse – gebunden? Nur, wer die Berechtigung für eine Klasse besitzt, hat das Recht, ein Fahrzeug dieser Klasse zu führen? Häähhh? Ja, geht’s noch? Das Wahlrecht ist ein Grundrecht!!!!!!!!! Grundrechte gelten ewig, uneingeschränkt und überall auf der Welt!!!! Ebenso wie das Recht auf Selbstverteidigung!! Der Waffenschein ist ein Unding!!! Jeder sollte auf Lafetten montierte Feldhaubitzen durch die Bäckerstraße hinter seinem SUV herziehen können!!! Und dann sowieso: Drei Jahre Ausbildung zum Lokführer!!! Der helle Wahnsinn an Willkür und Fremdbestimmung!!!! Dazu die Forderungen: keine Wahrnehmungsstörungen wie Farbenblindheit oder eine Sehbehinderung mit gänzlich fehlendem oder nur äußerst gering vorhandenem visuellen Wahrnehmungsvermögen eines oder beider Augen, keine Geh-, Sitz- oder Stehbehinderungen, bestandener psychologischer Eignungstest und negativer Drogentest!!! Das sind Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Ärzte, Anwälte und Sozialarbeiter!!!! Das ist massive Einschränkung meiner Mobilität !!!!! Der allergrößte Witz aber: Über den Wolken soll die Freiheit doch grenzenlos sein!!! Der Zwang zum Erwerb einer ATP-Lizenz, der staatlich regulierten Erlaubnis zum Führen von Verkehrsflugzeugen, als Voraussetzung, den A380, ein vierstrahliges Großraumflugzeug des europäischen Flugzeugherstellers Airbus mit zwei durchgehenden Passagierdecks, zu fliegen, ist die reine Schikane!!! Alle diese Berechtigungen werden durch die zuständige Behörde erteilt und sind an die Lenkberechtigungseignung und den Nachweis der Befähigung in Form einer praktischen, theoretischen und medizinischen Prüfung geknüpft. Das nenne ich staatliche Bevormundung und Beschneidung der freien Entfaltung meiner Persönlichkeit!!! Weg damit !!!!!!!!!!!!

    PS: Ich kann’s mir einfach nicht verkneifen, lieber Herr von Hagen (aus Remagen?). Darf ich’s wagen Sie zu fragen, wieviel Kragen mit Behagen, ohne Zagen Sie getragen an den Tagen, als sie lagen (ihre Blagen) krank am Magen ohne Klagen auf dem Schragen im Spital zu Kopenhagen?