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Der Sandabbau im Gebiet beim ehemaligen Kalksandsteinwerk in Häcklingen könnte wieder aufgenommen werden. (Foto: t&w)

Sandabbau als Naturschutz?

Lüneburg. Kommt der Sandabbau nun oder nicht? Lange schon wird um das frühere Gelände des Kieswerks in Häcklingen gerungen, doch ein Ende der Dis kussion um die Wiederaufnahme des Betriebs auf dem Gelände des früheren Kalksandsteinwerks in Häcklingen ist noch nicht absehbar. Dazu wird vermutlich auch die Stellungnahme des Landkreises zum Artenschutz beitragen. Eine neue Sicht auf die Dinge kommt jetzt aber vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

„Aus Naturschutzsicht ist Bodenabbau nicht grundsätzlich zu verteufeln.“
Stefan Bartscht, Landkreis Lüneburg

„Wenn dort nach Vorschrift abgebaut wird, hätten wir als Nabu nichts dagegen“, sagt Thomas Mitschke vom Nabu Lüneburg. Was als Stellungnahme eines Umweltverbands, der sich für den Schutz von Flora und Fauna einsetzt, irritierend anmutet, erklärt Mitschke so: „Wenn wir dort nichts tun, verwaldet das Terrain. Dann aber würden die Arten, die eigentlich geschützt werden sollen, verschwinden.“ Er habe sich ohnehin gewundert, dass dieser Sachverhalt bislang noch nicht in den Blick genommen wurde.

Suche nach einer gemeinsamen Lösung

Der Ansicht des Nabu-Experten kann sich auch Stefan Bartscht, Fachdienstleiter Umwelt beim Landkreis Lüneburg anschließen: „Der Nabu hat prinzipiell Recht.“ Ohne eingreifende Pflegemaßnahmen würde das für viele geschützte Tierarten wichtige Gelände an Wert verlieren. Einschränkend gibt Bartscht aber zu bedenken, dass auf dem Gelände die Sandgewinnung im Nassabbau geplant sei, dies stelle durchaus eine Veränderung des Areals mit entsprechenden Auswirkungen auf die Umwelt dar, ebenso der bereits vorhandene Wald, der gegebenfalls auch dem Sandabbau zum Opfer fiele. „Es ist sehr komplex, aber vielleicht bekommt man ja gemeinsam eine Lösung hin.“

Auch die Sorge des Nabu, die Sandabbau Häcklingen GmbH als künftige Betreiberin könnte bewusst Zeit verstreichen lassen, um das Gelände zuwachsen zu lassen und so weniger artenschutzrechtliche Auflagen erfüllen zu müssen, könne Bartscht „grundsätzlich nachvollziehen“. Allerdings könnte die Behörde, sollte sich dieser Verdacht erhärten, dem Unternehmen entsprechende Pflegemaßnahmen auferlegen.

„Es geht nicht nur um den Naturschutz“

Zunächst gelte es aber, so Bartscht, die Reaktion des Unternehmens auf die ihm jetzt zugestellte Stellungnahme zu der artenschutzrechtlichen Konflikt­analyse abzuwarten. Wie berichtet, war die Sandabbau Häcklingen GmbH aufgefordert worden darzulegen, wie ein Sandabbau unter Berücksichtigung des Artenschutzes erfolgen könne. Dieses Gutachten war dem Landkreis vorgelegt worden, der seine Stellungnahme unter Einbeziehung des NLWKN und einer Vogelschutzwarte wiederum dem Unternehmen jetzt zugeleitet hatte.

Darin wird das Unternehmen unter anderem gebeten darzustellen, ob und wo die dort lebenden Amphibien Laichgewässer nutzen können oder welche Ausweichmöglichkeiten bestimmte Vogelarten hinsichtlich ihrer Nahrungssuche bei einem Nass­abbau hätten.

„Eine Antwort dazu liegt uns noch nicht vor“, ließ Volker Schulz, Leiter Umwelt bei der Stadt, auf Nachfrage wissen. Und er macht deutlich: „Es geht nicht nur um den Naturschutz.“ Auch die Belange Emissionen und Verkehr seien in der Gesamtbewertung zu berücksichtigen.

Von Ulf Stüwe