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Ausbildungsmarkt wird zum Bewerbermarkt

Lüneburg. „Die Zahl der gemeldeten Bewerber ist rückläufig, die der gemeldeten Ausbildungsstellen nimmt zu. Der Lehrstellenmarkt entwickelt sich immer mehr zum Bewerbermarkt, die Jugendlichen können sich ihre Ausbildungsstellen fast aussuchen.“ Diese Fazit zog jetzt Kerstin Kuechler-Kakoschke, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Lüneburg-Uelzen, in einer Pressekonferenz mit den Lehrstellenmarkt-Experten von IHK und Handwerkskammer, Volker Linde und Günter Neumann. Die auf den ersten Blick positiven Zahlen bringen allerdings auch negative Aspekte mit sich.

Im Berufsberatungsjahr, das vom 1. Oktober eines Jahres bis zum 30. September des nächsten Jahres läuft, waren 1197 Lehrstellenbewerber aus Hansestadt und Landkreis Lüneburg bei der Agentur gemeldet, 100 weniger gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dem gegenüber standen 1046 Ausbildungsstellen (plus 43). Unversorgt blieben 17 Bewerber (plus 3) und 59 Stellen unbesetzt (plus 25).

„Woher sollen die Betriebsleiter kommen?“

Die prekäre Situation der Betriebe formuliert Volker Linde so: „Bei einer Umfrage vor 15 Jahren in unseren Mitgliedsbetrieben konnten 15 Prozent Lehrstellen nicht besetzen, heute sind es 30 Prozent. Es gibt zu wenig junge Leute durch die demografische Entwicklung. Zudem existiert eine Konkurrenz durch größere, reizvollere Betriebe in Hamburg.“ Die Folge sei ein Fachkräftemangel, woraus laut Günter Neumann ein weiterer Negativaspekt erwächst: „Viele Betriebe suchen heute schon einen Unternehmensnachfolger. Woher sollen die Betriebsleiter kommen?“ Er fordert von der Politik, dass sie das Handwerk für Abiturienten attraktiver macht.

Die Unternehmen müssen aber auch selbst kreativ werden beim Werben um Nachwuchs, sagt Kuechler-Kakoschke: „Sie könnten Lehrlingen beispielsweise den Führerschein finanzieren oder ihnen Autos zur Verfügung stellen. Die Mobilität gerade für Bewerber vom Land wird immer wichtiger.“ Und von den Bewerbern wünscht sie sich mehr Flexibilität: „Für angehende Schulabgänger bietet die Berufsberatung individuelle und objektive Gespräche. So können Perspektiven und notfalls auch ein Plan B erarbeitet werden, wenn es mit dem Wunschberuf nicht klappen sollte.“

Jugendliche, die aktuell noch nicht versorgt sind, können jetzt noch eine Stelle finden. Und Jugendliche, die 2019 eine Ausbildung starten möchten, können jetzt schon einen Beratungstermin unter der kostenfreien Rufnummer (0800) 4555500 vereinbaren. Arbeitgeber melden freie Lehrstellen unter (0800) 4555520.

Von Rainer Schubert