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Ralf Effenberger (l.) und Hans Dierken haben eine gemeinsame Idee für die Bahn der Zukunft. (Foto: phs)

Zurück in die Zukunft

Lüneburg. Alte Triebwagen gepaart mit neuer Zukunftstechnologie sollen die Wiederbelebung der Bahnstrecke Lüneburg-Bleckede attraktiv gestalten. Dabei könnte Technik eingesetzt werden, die aus dem Forschungsprojekt der Magnetschwebebahn Transrapid hervorgegangen ist. Und zwar geht es um das Laden großer Elektroakkus – berührungslos, per Induktion. Einen ersten Eindruck von der Idee vermittelte kürzlich die „Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg“ und legte ein erstes Konzept für die angedachte Elektrobahn vor. Als möglicher Partner könnte die „Intis“ GmbH auf den Plan treten. Eines ihrer Hauptgeschäftsfelder ist die induktive Energieübertragung, die beispielsweise bereits in der Automobiltechnik eingesetzt wird. Die Ausstattung der Bleckeder Kleinbahn wäre für das Unternehmen ein reizvolles Pilotprojekt. Der Idee ging eine Zufallsbegegnung voraus.

„Für uns wäre das eine Gelegenheit, zu zeigen, was noch alles möglich ist.“
Ralf Effenberger, INTIS-Geschäftsführer

Es war ein sonniger Sommertag in diesem Jahr. Der Ingenieur Ralf Effenberger wohnt im Landkreis Lüneburg, und er nutzte mit seiner Frau das schöne Wetter für eine Ausflugsfahrt mit der Museumsbahn der „Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg“ nach Bleckede. Die ruhige Fahrt ließ die Gedanken fliegen. Effenberger: „Ich habe dann einen der Bahner gefragt, warum sie den Zug nicht elektrisch fahren lassen.“ Den Verweis auf die fehlenden Oberleitungen an der Strecke Lüneburg-Bleckede wollte der Geschäftsführer der Firma Intis nicht gelten lassen. Es geht auch ohne Oberleitungen. Und auch ohne Ladesäule. Und ohne Stecker.

Ladestationen in Lüneburg und Bleckede angedacht

Die Ladetechnik, die Intis entwickelt und vertreibt, basiert auf Induktion. Nach ersten Überlegungen könnten alte Dieseltriebwagen der Modellreihe 628 umgerüstet werden, mit leichten Elektromotoren sowie beidseitig an den Zugsektionen angeordneten Batteriemodulen. Die Batteriekapazität mit 720 Kilowatt pro Stunde netto würde für bis zu 320 Kilometer Reichweite genügen. Die Mindestlaufleistung eines Batteriesatzes betrüge sogar 2,5 Millionen Kilometer. Das klingt angesichts einer einfachen Entfernung von 23 Kilometern auf der Strecke Lüneburg-Bleckede fast fantastisch. Geladen werden könnten die Züge beispielsweise an der Endstation in Bleckede. Berührungslos über eine Induktionsplatte im Gleisbett. So weit die Theorie.

Effenberger rannte mit seiner Idee im Lüneburger Lokschuppen der Museumsbahner offene Türen ein. Und AVL-Vorstand Hans Dierken empfing ihn mit offenen Armen. Dierken: „Ich hatte an einer ähnlichen Idee schon herumlaboriert. Aber ich hatte keine Ahnung, dass Induktion schon so gut funktioniert.“ Die AVL als Trägerin der Bleckeder Kleinbahn sucht nach Mitteln und Wegen, die Strecke Lüneburg-Bleckede mit neuem Leben zu erfüllen. Der reguläre Personennahverkehr war auf der Strecke 1977 eingestellt worden. Jüngst hat der Landkreis Lüneburg die Erstellung eines Gutachtens ausgeschrieben, das die Potenziale einer Wiederlebung untersuchen soll.

320

Kilometer Reichweite würde die Batteriekapazität eines Akku-Triebwagens bieten, heißt es.

Dierken setzt darauf, dass die Gutachter die Akku-Idee aufgreifen. Denn: „Umgerüstete Triebwagen auf Akkutechnik wären günstiger, als einen neuen für 3,5 Millionen Euro über die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen zu bestellen“, sagt Dierken. Das würde sich dann auch positiv auf die Wirtschaftlichkeit auswirken, so die Hoffnung der beiden Männer. Zudem wolle man sich auf die Suche nach Fördermitteln machen.

Dierken hatte kürzlich bereits über den Lüneburger CDU-Bundestagsabgeordneten Eckhard Pols im Bundesverkehrsministerium in Berlin vorfühlen lassen, ob grundsätzlich eine Unterstützung des Vorhabens denkbar wäre. Staatssekretär Enak Ferlemann sendete ein positives Signal. Gleichwohl ist es noch keine Garantie. Zumal bei einer möglichen Umsetzung auch eine Zulassung der Technik durch die Aufsichtsbehörden erwirkt werden müsste. „Wir bringen da gute Erfahrungen mit“, sagt Effenberger. Auch zeigt er sich zuversichtlich, sollte das Projekt tatsächlich in Angriff genommen und ausgeschrieben werden, dass seine Firma gute Chancen auf einen Zuschlag hätte. „Wir könnten einen guten Preis bieten. Denn wir haben durch unser Großkundengeschäft gute Kontakte zu Batterieherstellern.“ Und: „Für uns wäre das eine Gelegenheit, zu zeigen, was noch alles möglich ist.“

Von Dennis Thomas

https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/bleckede/2027632-wiederbelebung-mit-akku