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Die Angeklagten verdeckten zum Prozessauftakt ihre Gesichter schützend vor den Kameras. Foto: be

BKA kam ihnen auf die Schliche

Lüneburg. Die Computerspezialisten des Bundeskrimnalamtes führten 2014 umfangreiche Ermittlungsverfahren gegen Mitglieder zweier illegaler Internetforen, in denen unter anderem mit Drogen gehandelt wurde. Auf beiden Plattformen tauchte der Nickname – also das Pseu­donym – eines technischen Verwalters auf. Wer steckt dahinter? Bei der Recherche kamen die Ermittler im Dezember 2014 dahinter, dass dieser Nutzername auch auf dem Internetportal iStreams.to erwähnt wurde. Die erste Spur zu einem großangelegten Computerbetrug. Am Dienstag berichtete ein BKA-Experte vor der 4. großen Jugendkammer am Landgericht Lüneburg über die drei Jahre dauernde Recherche.

Die vier Angeklagten aus Eyendorf im Kreis Harburg, dem bayerischen Zwiesel und zwei Orten im Ruhrgebiet hatten laut Anklage zwischen 2011 und 2016 Betrug in besonders schwerem Fall begangen, insgesamt Daten in 20 854 Fällen ausgespäht, einen Gewinn von rund 250.000 Euro gemacht – und mit ihrem Wirken dem Pay-TV-Sender Sky einen Schaden von rund 3,125 Millionen Euro zugefügt. Sie hätten ein Signal des Bezahlsenders entschlüsselt und beispielsweise Spielfilme und Sportübertragungen für deutlich günstigere Abos angeboten, so sei Sky der Schaden entstanden.

Im Frühjahr 2015 wurde der Jugendliche identifiziert

Der BKA-Mann berichtete am Dienstag, dass die Ermittlungsgruppe „Trawler“ eingerichtet wurde: „Benannt nach einem Fischkutter mit Fangnetz, in dem sich die nicht identifizierten Nutzer befinden.“ So kommunizierten verdeckte Ermittler am Computer mit Nutzern, um mehr Infos über sie zu bekommen. Geangelt hatte sich der „Trawler“ auch einen der Haupttäter im Streaming-Betrug: „Er hatte sich unter seinem Nickname auf einem legalen Internetforum für die Anmeldung für ein Computerspiel beworben und dabei seine Herkunft und sein Alter angegeben – und seine E-Mail- ­Adresse.“

Im Frühjahr 2015 wurde der Jugendliche identifiziert, es folgten seine Vernehmungen, bei denen er die Namen von Mitangeklagten nannte und schilderte, wie der Betrug abgelaufen war. Laut dem BKA-Experten wurde die visuelle Währung iStreams-Dollar verlangt, die Preisangabe für ein Abo erfolgte allerdings auch in Euro. Für ein zwei- bis dreimonatiges Abonnement wurden je nach Angebot – von „Light“ bis zum „Premium“ inklusive Fußballspielen – 10 Euro fällig. Über einen Gutscheincode und das Unternehmen Amazon floss das Geld dann aufs Konto der Hauptbetreiber.

„7500 Nutzer schlossen mehr als 20.000 Abos ab“

Es folgten Telekommunikationsüberwachungen der mutmaßlichen Täter und umfangreiche Datenauswertungen. Der BKA-Mann nannte folgende Zahlen: „Der Streamingdienst hatte rund 40.000 Nutzer, 7500 von ihnen schlossen mehr als 20.000 Abos mit zahlenden Kunden ab.“ Den reinen Erlös für die Angeklagten bezifferte er nach Abzug der „Betriebskosten“ so: „Nachweisbar sind bei den beiden Haupttätern 80.000 und 50.000 Euro, einer erhielt 1500 Euro und einer 100 Euro.“ Der mit dem geringsten Betrugslohn hatte in dem Verfahren selbst geäußert, nicht das Geld sei sein Motiv gewesen, er habe einfach nur kostenfrei Fußballspiele live sehen wollen.

Die heute 22 bis 26 Jahre alten Angeklagten sind rechtlich größtenteils zur Tatzeit noch als Jugendliche zu werten, sie könnten bei umfassenden Geständnissen und bei Zahlung einer gewissen Summe an Sky nach Jugendrecht noch Bewährungsstrafen erhalten. Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Rainer Schubert

Mehr dazu:

https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/2158362-sky-betrug

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