Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | Erinnert sich der Soldat?
Das Symbolfoto zeigt Soldaten beim Marschieren. Bei einem Marsch in Munster kollabierten vier Männer. Foto: Josiah.S
Das Symbolfoto zeigt Soldaten beim Marschieren. Bei einem Marsch in Munster kollabierten vier Männer. Foto: Josiah.S

Erinnert sich der Soldat?

Lüneburg. Ob die Ermittlungen um die beiden Märsche von Munster, bei denen vier Soldaten kollabierten, einer von ihnen starb, kurz vor dem Abschluss stehen, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Das bestätigt Jan Christoph Hillmer, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Lüneburg: „Einer der Soldaten war bislang gesundheitlich nicht in der Lage, Fragen zu beantworten. Jetzt ist er vernehmungsfähig. Das soll zeitnah geschehen.“ Im Visier der Ermittler sind zwei Ausbilder, die Vorgesetzten der betroffenen Offiziersanwärter. Gegen sie wird wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt.

Rückblick: Es ist der 19. Juli 2017, ein warmer Samstag mit Temperaturen um die 26 Grad. An dem Tag stehen zwei Märsche auf dem Dienstplan – einer vormittags, ein anderer nachmittags. Dabei tragen die Soldaten Feldanzug, Splitterschutzweste, Helm und Waffe. Beim Vormittagsmarsch bricht nach etwa drei Kilometern Strecke einer der Offiziersanwärter zusammen. Er wird ins Krankenhaus gebracht. Dort stirbt er zehn Tage nach seinem Kollaps. Der Obduktionsbericht geht von einem Multiorganversagen im Zusammenhang mit einer Blutvergiftung als Todesursache aus.

Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung in mehreren Fällen

Am Nachmittag der zweite Marsch. Nach etwas mehr als elf Kilometern brechen drei Soldaten zusammen, die bereits bei dem Marsch am Vormittag dabei waren. Auch sie kommen ins Krankenhaus. Zwei von ihnen gehen in eine Reha, erholen sich, der dritte Mann bleibt monatelang in der Klinik.

Jetzt ist der dritte Mann gesundheitlich so genesen, dass er vernommen werden kann. „Wie es weitergeht, hängt davon ab, was diese Person sagt“, erläutert der Sprecher der Staatsanwaltschaft: „Sollte er keine Erinnerung mehr haben, gibt es keine weiteren Ermittlungen. Macht er Angaben, könnte es möglicherweise weitere Ermittlungen geben.“ Es sei wichtig, „seine Sicht der Dinge“ zu erfahren, „denn es geht um den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung in mehreren Fällen“.

Sollte der Mann keine Angaben machen können oder durch seine Aussage keine weiteren Ermittlungen mehr nötig sein, kann über eine Anklageerhebung entschieden werden. Jan Christoph Hillmer sagt: „Nach bisherigem Aktenstand ist dann kein Beweisprogramm mehr nötig.“ Ob dieser Stand für eine Anklage gegen die beiden Vorgesetzten spricht, ließ der Behördensprecher offen.

Von Rainer Schubert