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Paul Georg Lankisch (l.) von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und Dörthe Grimm sowie Stephan Warzawa von der Herberge freuen sich über den Zuschuss für die Sanierung. Auf dem Bild fehlt die erkrankte Petra-Kirstin Bonitz von Lotto Niedersachsen. Foto: t&w

Mehr als bloß alte Steine

Lüneburg. Zur ehemaligen Kettenstrafanstalt am Kalkberg gehört schon vom Grundverständnis her eine Mauer. Doch die war marode, sollte verschwinden. Inzwischen i st ein großer Teil weitgehend saniert. Dass nun der Rest folgen kann, macht unter anderem eine Spende möglich, die Paul Georg Lankisch vom Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz auch im Namen von Lotto Niedersachsen am Donnerstag überreichte: Ein Fördervertrag über 25.000 Euro soll vor allem dabei helfen, den prägenden Torbogen zu erhalten. Dafür bedanken sich der kaufmännische Leiter des Trägervereins der Herberge, Stephan Warzawa, und Dörthe Grimm, die das Projekt betreut.

Mit bis zu 300.000 Euro Kosten war das Vorhaben einmal kalkuliert worden. Zu viel für die Herberge. Die wollte eine wesentlich schlichtere Lösung. Der Denkmalschutz und Nachbarn machten mobil, Anwohner und der Arbeitskreis Lüneburger Altstadt gaben Geld dazu, um das Ensemble in bekannter Form zu erhalten. Eben weil sich viele engagieren, wird es am Ende deutlich billiger: 50.000 Euro habe der erste Abschnitt gekostet, der zweite ist mit aktuell 73.000 Euro veranschlagt.

Die Mauer ist 73 Meter lang

Es wurde eine bürgerschaftliche Bewegung: Lehrlinge der Berufsschule packten ebenso begeistert mit an wie Freiwillige der Jugendbauhütte, sie ist ein Teil der Stiftung Denkmalschutz. Bewohnern der Herberge gefällt, was bei ihnen passiert. Dörthe Grimm erzählt: „Bei einem Tag der offenen Tür stellte einer der Mieter seine Wohnung zur Verfügung, weil man von oben einen guten Blick hat.“ Das THW half, rund 12.000 Ziegelsteine eines Abbruchhauses aus Ebstorf in die Altstadt zu bringen, so erhält die Umfassung eine historische Anmutung.

Die Mauer ist 73 Meter lang und hat 21 Stützpfeiler. Nun geht es weiter: Für das bereits sanierte Stück entstünden in der Berufsschule Abdeckungen aus Beton, berichtet Dörthe Grimm. Da die Arbeiten am Torbogen technisch anspruchsvoll sind, sollen Fachfirmen hinzugezogen werden. Gleichzeitig schiebt die Neue Arbeit, ein Tochterunternehmen der Herberge und des Trägers Lebensraum Diakonie, ein Projekt für Langzeitarbeitslose an, die sich hier für den Arbeitsmarkt qualifizieren sollen.

Vorstand Warzawa ist dankbar für die Spenden: Der Verein könne so stattdessen eigene Mittel investieren, um Wohnraum für Bedürftige zu schaffen und sie zu betreuen.

Von Carlo Eggeling

Ein Stück Geschichte

Schuften im Steinbruch

Die Mauer gehörte zur Kettenstrafanstalt, die zwischen 1837 und 1841 erbaut wurde. Dort waren Sträflinge untergebracht, die im Kalkbruch Steine schlagen mussten. Ein Teil entstand schon beim Bau der Anstalt, ein anderer in den 1970er-Jahren. Der Steinbruch wurde 1921 eingestellt, kurz darauf wurde der Gipshut zum Naturschutzgebiet, einem der ältesten in einer Stadt gelegenen in Deutschland. Am Ende waren an die 300 Insassen im Bau untergebracht. Danach diente der Block als Jugendherberge, seit 1968 ist er Obdachlosenunterkunft.