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Model Nathalie Volk (r.) begleitete ihre Mutter im März 2018 zum Prozess im Landgericht Lüneburg. Foto: phs

Dschungel könnte den Beamtenstatus kosten

Lüneburg. Aktuell läuft bei RTL die neue Staffel „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. In Lüneburg wirkt noch das Dschungelcamp von 2016 nach. Eine Soltauer Gymnasiallehrerin soll sich eine Krankschreibung erschlichen haben, damit sie ihre Tochter, das Model Nathalie Volk, nach Australien begleiten konnte. Davon war die 7. kleine Strafkammer überzeugt und verurteilte die Mathematiklehrerin im März 2018 wegen Gebrauchs eines unrichtigen Gesundheitszeugnisses zu einer Geldstrafe in Höhe von 5400 Euro. Sie zog in die nächste Instanz, doch das Oberlandesgericht Celle verwarf Ende August die Revision als unbegründet, das Lüneburger Urteil ist rechtskräftig.

Camp-Affäre brachte der Lehrerin reichlich Ärger

Beendet ist das Ganze damit noch nicht. Die Dschungelcamp-Geschichte kann die 49-Jährige sogar noch deutlich teurer zu stehen kommen. Die Landesschulbehörde hat eine Disziplinarklage gegen sie erhoben, über die die 10. Kammer am Verwaltungsgericht Lüneburg am 17. April entscheidet.

Die Camp-Affäre brachte der Lehrerin reichlich Ärger. Aktuell ist sie vom Dienst suspendiert, ihre Bezüge wurden um 50 Prozent auf netto 2100 Euro im Monat reduziert. Das Verwaltungsgericht wollte zunächst Ende Juni 2018 verhandeln, entschied sich dann aber dafür, zunächst die strafrechtliche Entscheidung abzuwarten. Vor den Verwaltungsrichtern will die Behörde nun die Entfernung der Lehrerin aus dem Beamtenverhältnis erreichen. Alternativ wären auch eine Zurückstufung der Pädagogin, eine Kürzung der Dienstbezüge, eine Geldstrafe oder ein Verweis mögliche Sanktionen.

„Sie waren weder objektiv noch subjektiv krank“

Die Verteidiger der Lehrerin hatten vor dem Lüneburger Landgericht auf Freispruch plädiert, ihre Mandantin sei tatsächlich erkrankt gewesen, ein Australien-Aufenthalt habe ihr da gutgetan. Die Strafkammer aber kam zu einem anderen Schluss: „Sie waren weder objektiv noch subjektiv krank“, hielt ihr Richter Kay Lange vor. Nachdem die Pädagogin vergeblich Sonderurlaub für die Zeit der TV-Sendung beantragt hatte, habe sie bewusst bei zwei Ärzten eine Erkrankung präsentiert, die schwer zu identifizieren sei, aber dennoch schwer genug, um eine mehrwöchige Arbeitsunfähigkeit zu erlangen. Dabei habe die Lehrerin den Medizinern Symptome geschildert, die nur schwer zu verifizieren seien. So sei es zur Diagnose der depressiven Erschöpfung und der Krankschreibung gekommen.

Es ist davon auszugehen, dass – egal wer vor dem Verwaltungsgericht gewinnt – sich danach das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht in Lüneburg in der Berufung mit dem Dschungelcamp-Fall beschäftigt.

Von Rainer Schubert