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Teil des von Prof. Peter Pez geforderten Nebenrouten-Netzes sollte eine fahrradfreundlichere Salzstraße am Wasser werden. (Foto: us)

Vorfahrt für den Radverkehr

Lüneburg. Wie soll das Lüneburg von Morgen aussehen? Das ist die zentrale Frage beim künftigen Stadtentwicklungskonzept, das für Lüneburg auf den Weg gebracht werden soll. Bei der Veranstaltung „Mach Dein Lüneburg!“, zu der die Linksfraktion im Rat der Stadt ins Glockenhaus eingeladen hatte, hatte nicht die Politik das Wort, sondern Bürger, Vereine und Verbände konnten ihre Wünsche und Ideen einbringen. Mehr als 60 Teilnehmer schnürten ein umfangreiches Paket. Die Linke will nun laut Fraktionsvorsitzendem Michèl Pauly schauen, welche davon in die Debatte zum Stadtentwicklungskonzept eingebracht werden können.

Pedelecs nicht zu schlagen

Zum Auftakt gab es kurze Vorträge. Prof. Dr. Peter Pez berichtete über ein Reisezeitexperiment mit Studenten der Leuphana, bei dem die Teilnehmer zu Fuß, per Rad, Bus und Auto auf Teststecken geschickt wurden, um zu ermitteln, in welchen Distanzen die Verkehrsteilnehmer am schnellsten unterwegs waren. Ein Fazit daraus: Innerhalb Lüneburgs waren Pedelecs in den meisten Fällen das schnellste Fortbewegungsmittel. Doch im Sinne des Radverkehrs gebe es noch eine Menge zu tun, wertet Pez.

Er plädiert auch dafür, dass das Nebenrouten-Netz stärker aktiviert werden muss. Und er machte deutlich, dass der Schienenverkehr – nachdem viele Streckennetze stillgelegt worden sind – reaktiviert werden müsse. Nicht nur, weil der Umstieg innerhalb des Bahnverkehrs für Pendler kürzere Fahrtzeiten gegenüber Bus und Auto bedeute, sondern auch eine gute Voraussetzung biete zur Ansiedlung von Wohnungsbau entlang der Strecken.

Erwin Habisch vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) verwies auf den Verkehrsentwicklungsplan von 1990, in dem es heißt: Fahrrad vor Auto. Dazu müsse jedoch noch einiges passieren wie zum Beispiel innerstädtische Fahrradstraßenringe, wo Tempo 30 gilt und Radler Vorfahrt haben. Oder auch Fahrradstraßen, die zum Beispiel Gemeinden wie Reppenstedt direkt mit der Herderschule verbinden und Schülern sowie Alltagsradlern sichere Routen bieten. Auch Pauly brachte für seine Fraktion Ideen mit: Leihrad-System ausbauen; das historische Pflaster müsste geschnittene Steine bekommen, damit es für Radler und Rollstuhlfahrer besser befahrbar ist.

Kinder ernten Applaus für ihre Vorschläge

Viel Applaus gab es für die Falken-Kindergruppe. Milan, Janne, Mirit, Mila, Ida und Elsa hatten eine lange Liste mitgebracht, was in Lüneburg fehlt, damit die Stadt ökologischer, sozialer und klimafreundlicher in die Zukunft geht. Aber sie hatten auch einiges auf dem Zettel, was in Lüneburg toll ist. Ein Mitglied des Klima-Kollektivs forderte einen radikalen Wandel, um die Treibhaus-Emissionen so schnell wie möglich zu senken. Lüneburg müsse den „Klima-Notstand“ ausrufen.

In vier Workshops diskutierten die Teilnehmer anschließend, wie sich Lüneburg künftig in Sachen Verkehr, Energie, der Gestaltung von Flächen sowie bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum aufstellen soll. Daraus einige Ergebnisse. Die komplette Ideen-Sammlung ist im Internet zu finden.

  • Verkehr: Umverteilung des Verkehrsraumes. Auto in seiner Vormachtstellung zurückdrängen zugunsten des Radverkehrs und der Fußgänger. Schienengestützten Nahverkehr forcieren. Bessere Vertaktung der Busse, die barrierefreier werden müssen. Bus-Tickets sollen günstiger werden.
  • Gestaltung von Flächen: Weniger Bebauung von Grünflächen. In der Innenstadt mehr Grünflächen erhalten, Parkplatzflächen entsiegeln. Aufwertung von Grünflächen mit insektenfreundlicher Bepflanzung. Innenverdichtung sollte kontrollierter erfolgen, damit Kaltluftschneisen erhalten bleiben. Wohnen auf Supermärkten. Mehrgenerationenhäuser.
  • Bezahlbaren Wohnraum schaffen möglichst ohne weiteren Flächenverbrauch. Mietpreisbindung ohne zeitliche Begrenzung. Anreize für Vermieter schaffen, Wohnraum zu günstiger vermieten, Leerstandssteuer.
  • Mehr Photovoltaikanlagen, dafür Dachflächen-Kataster erstellen. Leerrohre auf Vorrat in Neubaugebieten verlegen, etwa für ein Mieterstrom-Modell, mit dem ein vernetzter Anschluss aller Wohnungen an die Photovoltaikanlagen möglich ist. Eigene Stadtwerke, die erneuerbare Energien vorantreiben.

Von Antje Schäfer