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In den Hallen von Yanfeng sorgen sich Kollegen um Lohn und Job. Das Unternehmen schreibt rote Zahlen, angeblich soll es aktuell ein Minus von rund 16 Millionen Euro geben. Kürzungen sollen eine wirtschaftliche Wende bringen. Foto: t&w

Angst um die Jobs wächst

Lüneburg. Die Sorge in den beiden Yanfeng-Werken an der Lüner Rennbahn und in der Goseburg wächst: Die Unternehmensführung will nun auch direkt mit der Gewerkschaft über mögliche Einkommenseinbußen verhandeln. Das ergibt sich aus einem Aushang unter der Überschrift Tarifvertrag, der im Betrieb kursiert. Hätten bislang übertarifliche Leistungen im Fokus gestanden, könne es nun auch um den eigentlichen Lohn gehen, berichten Gewerkschaft BCE und Betriebsrat. Darüber hinaus fürchtet die Belegschaft, dass der Standort geschlossen werden könnte. Dem hatte der chinesisch-amerikanische Konzern widersprochen.

Wie berichtet, sind von den Plänen rund 1000 Beschäftigte bei einem der größten Arbeitgeber in der Region betroffen. Sie fertigen unter anderem Verkleidungen und Armaturenbretter für die Automobilindustrie. Bei einer Betriebsversammlung mit rund 600 Teilnehmern hatte das Management eröffnet, dass es rote Zahlen im mehrfacher Millionenhöhe schreibe und daher Kosten reduzieren wolle, in der Folge hätten die Beschäftigten weniger Geld im Portemonnaie. Es geht dabei um Prämien und Zulagen. Betroffene sprechen von monatlich 300 bis 400 Euro weniger im Portemonnaie.

Yanfeng sieht sich auf der sicheren Seite

Die Betriebsräte Jürgen Oldenettel und Bülent Tokmak sagen, dass von den Kürzungen vor allem die Kollegen in der Produktion betroffen seien. BCE-Sekretär Hans-Werner Svensson und die Betriebsräte wollen gegen das Streichkonzert vorgehen, sie drohen damit, in Hunderten Fällen das Arbeitsgericht anzurufen. Oldenettel sagt: „Wir lassen das Vorgehen von Yanfeng rechtlich prüfen.“ Yanfeng sieht sich hingegen auf der sicheren Seite. Unternehmenssprecherin Astrid Schafmeister hatte erklärt: „Wir haben uns entschieden, Zahlungen einzustellen, die über den Tarifvertrag der chemischen Industrie Nord hinausgehen.“

Eben diesen Weg, zunächst Zulagen zur Disposition zu stellen, muss der Konzern aus rechtlichen Gründen einschlagen, bevor er in Verhandlungen über den Kernlohn eintreten kann.

Maschinen streiken, der Materialnachschub hakt

Was die Arbeitnehmervertreter erbost, fasst Svensson zusammen: „Der Arbeitgeber stellt Forderungen, aber er stellt uns keine zukunftssichernden Maßnahmen vor. Wir brauchen Sicherheiten.“ Wie die aussehen könnten, machen Oldenettel und Tokmak klar: Der Pachtvertrag für die Flächen an der Lüner Rennbahn und an der Goseburgstraße läuft 2025 aus. Ein Zeichen für eine Beschäftigungssicherung wären die Verlängerung des Vertrages oder aber neue Aufträge, die über diesen Termin hinaus abgeschlossen werden. Doch da sei nichts in Sicht.

So bleibt die Stimmung düster. Mehrere Arbeiter haben sich bei der LZ gemeldet. Tenor: Ihnen würden Geld und Pausenzeiten genommen, aber keine Garantien für die Zukunft gegeben. „Und da soll ich am Wochenende Überstunden machen?“, fragt einer – und antwortet selbst: „Auf keinen Fall.“ Die Schwierigkeiten lägen nicht beim Lohn: Übereinstimmend klagen Beschäftigte, dass Maschinen ausfielen, Materialnachschub hake, es zu Leerlauf komme. Das bestätigt der Betriebsrat.

Konzerninterne Konkurrenz aus Osteuropa

Der ist zudem überzeugt davon, dass die konzerninterne Konkurrenz aus Osteuropa gar nicht derart günstig arbeite, wie behauptet. So sei sogar ein Auftrag aus Tschechien nach Lüneburg geholt worden, weil die Qualität hier besser gewährleistet werden könne.

Die Betriebsräte Oldenettel und Tokmak vermuten zudem, dass die Zahl der Mitarbeiter sinken könnte, denn die Auslastung werde ohne neue Aufträge schrumpfen. Dann sei auch fraglich, ob beide Werke weiter betrieben werden – Vermutungen.

Firmensprecherin Schafmeister hatte auf die Frage geantwortet: „Unser primäres Interesse ist, die Kapazitäten unserer Werke voll auszuschöpfen. Das gilt auch für Lüneburg.“

Von Carlo Eggeling

Stimmen der Politiker

Unterstützung für die Belegschaft

Die Turbulenzen um Yangfeng erreichen die Politik. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols will sich mit seinem Parteifreund, Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann, in Verbindung setzen. „Er kann mit dem Management reden, um einen massiven Arbeitsplatzabbau in Lüneburg zu verhindern.“ Dabei könnte es gegebenenfalls auch um eventuell notwendige Landesbürgschaften gehen. Althusmann, der einst im Lüneburger Rat saß, kenne den Betrieb gut.

Eine Rolle spielt auch der Verkauf von Grundstücken an den Lüneburger Immobilienunternehmer Jürgen Sallier, ihm gehören die Areale, auf denen die beiden Werke stehen und die bis 2025 an Yanfeng verpachtet sind. Für das Gelände in der Goseburg bestehen Spekulationen: Da Sallier auch Flächen Auf der Hude gehören sollen, wäre eine andere Nutzung denkbar – unter anderem für Wohnungen.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Detlef Schulz-Hendel teilt mit: „Ich werde Oberbürgermeister Mädge anschreiben und ihn nach seinem Informationsstand zu den in der LZ genannten Grundstücksgeschäften von Sallier fragen. Es kann nicht sein, dass auf dem Rücken der dort Beschäftigten Spekulationen betrieben werden und eine Schlüsselbranche Niedersachsens hier durch Interessen gefährdet wird.“

Ulrich Mädge sagt auf LZ-Anfrage: „Ich befinde mich derzeit in Terminabsprache mit dem Unternehmen. In einem Gespräch mit der Geschäftsführung und dem Betriebsrat werden wir die aktuelle Situation besprechen. Wir möchten hier erfahren, wie es weitergeht und ob und wie wir unterstützen können. Denkbar ist etwa, dass wir – wie in der Vergangenheit geschehen – das niedersächsische Wirtschaftsministerium mit ins Boot holen, um gemeinsam Lösungsmöglichkeiten zu erörtern.“