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Die Front des Alten Münzhauses (r.) zur Straße An der Münze. Foto: t&w

Ein Schatz für Geldgeschäfte

Lüneburg. Das Lüneburger Rathaus gilt aufgrund seiner historischen Bausubstanz als eines der bedeutendsten im norddeutschen Raum. Nur wenige Schritte entfernt steht ein Gebäude, das über die ältesten Deckenmalereien in Lüneburg verfügt. Schwarze Fadenranken zieren vier Bohlenfelder im Obergeschoss des Hauses An der Münze 3. Sie stammen aus der Bauzeit des Alten Münzhauses, dessen Ursprünge auf das Jahr 1304 zurückgehen. Laut Restaurator Markus Tillwick gibt es in ganz Deutschland nur wenige Befunde aus dieser Zeit. Es ist eines von mehreren historischen Schätzen, die das Münzhaus birgt. Die Sparkasse hat das denkmalgeschützte Gebäude in den vergangenen zwei Jahren für eine „siebenstellige Summe im niedrigen Bereich“ sanieren lassen und es den heutigen Anforderungen hinsichtlich des Brandschutzes und der Haustechnik angepasst, um es als Bürogebäude zu nutzen.

Torsten Schrell, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Lüneburg, sagte bei einem Rundgang durchs Haus, dass sich sein Unternehmen glücklich schätze, mit der Sanierung eines der ältesten Kulturdenkmäler erhalten und nun nutzen zu können. Das Alte Münzhaus ist mehr als 700 Jahre alt, 1465 entstand zur Straßenseite hin das „Neue Münzhaus“. Die Sanierung des denkmalgeschützten Komplexes sei eine große Herausforderung gewesen, machte Silke Körting, Leiterin Verwaltung und Gebäudemanagement bei dem Geldinstitut, deutlich. Mit dem Lüneburger Architektenbüro HSR Architekten und 26 Gewerken aus der Region habe man Spezialisten für die Denkmalsanierung gefunden, die für manches Problem in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege der Stadt Lösungen gefunden hätten.

Im Keller gab es wohl mal eine Silberkammer

Über einen Meter dick ist das Mauerwerk des Kellers, der vermutlich als Werkstattbereich und Silberkammer genutzt wurde. Die Deckenbalken wurden dendrochronologisch untersucht, sind aus der Ursprungszeit des Baus datiert. In einer Ecke befinden sich noch Spuren eines Probierofens, mit dem die Silberlegierung der Münzen verfeinert wurde. Gunnar Schulze von HSR-Architekten, der beim Rundgang Details zur Sanierung des Hauses erläuterte, verwies darauf, dass eine der Nischen vermutlich einst als Tresor gedient habe. Praktisch nur noch in einem Schuttbett lag das Ziegelpflaster im Klosterformat. Dieses wurde mit der gut erhaltenen Unterseite nach oben verlegt, konnte somit fast komplett erhalten bleiben. Aufwändig gestaltete sich nicht nur im Kellerbereich der Einbau von Brandschutz- und Haustechnik.

Einen wahren Schatz birgt auch das Erdgeschoss des Kernbaus. Von der mittelalterlichen Decke sind noch sechs der sieben Deckenbalken erhalten. Sie wurden im Zuge der Sanierung freigelegt, restauriert und wieder unter eine Decke gelegt. Freigelegt bleibt aber ein Balken, der Reste eines gotischen Sparrenmusters und einer gotischen Rankenmalerei zeigt (15. Jahrhundert), sowie einer Renaissancefassung in Orangerot und Weiß aus dem 16. Jahrhundert und einer Gestaltung der Barockzeit aus dem 18. Jahrhundert. Als schwebende Kunstobjekte zieren die Decke zudem gotische Bohlenstücke mit Rankenmalereien, wie es sie auch in der Alten Kanzlei des Rathauses gibt, sodass die Entstehung vermutlich auf die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts zurückgeht, erläutert Markus Tillwick, der für die Restaurierung der Kunstschätze im Gebäude verantwortlich zeichnet.

Dem Abriss gerade noch entronnen

Blickfang und Dokument vergangener Zeiten sind auch Farbreste der früheren Ofennische im Dachgeschoss mit mehreren Gestaltungsphasen, von denen die älteste bis in die Zeit um 1800 zurückreichen könnte. Aber auch die Treppe von 1793, Türen, Holzverkleidungen und Fenster sind Zeugen vergangener Zeiten, die mit Aufwand und Detailliebe saniert und für die Zukunft bewahrt wurden. Das Alte Münzhaus erstrahlt in neuem Glanz, verbindet Spuren der Historie mit einem modernen Ambiente. Am Freitag zogen die Mitarbeiter der Sparkasse in die Büros und Beratungszimmer ein. Fast wäre es nicht dazu gekommen. Für das alte Münzhaus hatte es Anfang der 60er-Jahre eine Abrissgenehmigung gegeben. Schrell spricht von einem „großen Glück“, dass es dazu nicht kam.

Von Antje Schäfer

Hintergrund

Geschichte des Gebäudes

Das Alte Münzhaus (Kernbau) wurde 1304 in der Nähe des Rathauses und der Wache im spätgotischen Stil erbaut. Die Stadt hatte im Jahr 1293 das Münzrecht vom Landesherrn erworben. 1495 entstand das „Neue Münzhaus“ im vorderen Bereich zur Straßenseite. 1546 beginnt eine große Umbauphase. 1732 veräußerte der Rat den Gebäudekomplex an J. Ch. G. Gakenholz. 1793 erfolgte ein Umbau/Neubau des Vorderhauses im Stil des Barocks durch den Schornsteinfegermeister H.M. Philippsen. Über die Jahrhunderte diente der Gebäudekomplex als Wohn- und Geschäftshaus. Entgegen der 1962 erteilten Abrissgenehmigung für die Häuser 2 bis 6 wurden 1967 nur die Häuser 4 bis 6 abgerissen, später neu bebaut. Altes Münzhaus und Barockbau blieben erhalten.