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Betroffen wäre von einem Ausbau der Bestandsstrecke zwischen Lüneburg und Uelzen auch die Gemeinde Deutsch Evern. Foto: t&w

Der Streit um Alpha E kocht weiter hoch

Lüneburg. Die Veranstaltung war schon abgesagt – doch das störte die Demonstranten nicht: Nach Angaben des „Aktionsbündnisses für die Ostheide“ (AFDO) waren zwischen 300 bis 500 Teilnehmer erschienen, um den Plänen von Oberbürgermeister Ulrich Mägde (SPD) und dem Lüneburger Bundestagsabgeordneten Eckhard Pols (CDU) „die Rote Karte“ zu zeigen. Die beiden Lüneburger Politiker hatten zum Pressetermin an der Autobahnüberführung Evendorf an der A7 (Kreis Harburg) eingeladen. Die beiden wollten gegenüber der Presse noch einmal ihre gemeinsame Position verdeutlichen – nämlich den Bau einer Bahnstrecke entlang der A7. Das alles vor dem „Hintergrund der fortwährenden Diskussionen um das Bahnausbauprojekt „Optimiertes Alpha-E mit Bremen“, wie es dazu in der Einladung hieß. Doch weil es bereits im Vorfeld viel Kritik an dem Termin gab, sagten Pols und Mädge die Pressekonferenz wieder ab.

Was aber nichts an ihrer Einstellung zu einer möglichen Trasse längs der A7 ändert: „Daran halten wir weiter fest“, betonte Eckhard Pols jetzt auf LZ-Anfrage. Die Autobahnüberführung an der A7 hatten die beiden Lüneburger Politiker ganz bewusst als Treffpunkt gewählt. Schließlich plane die Deutsche Bahn AG, längs der A 2 zwischen Hannover und Bielefeld eine Neubaustrecke zu errichten, statt die Bestandsstrecke zu ertüchtigen. „Was an der A2 möglich ist, sollte auch an der A7 möglich sein“, so Pols: „Uns ging es um nichts anderes, als die Haltung der Menschen in der Region in und um Lüneburg bei dem Termin an der A7 nochmals darzustellen. Und das muss uns auch erlaubt sein“.

„Jämmerliches“ St.-Florians-Prinzip

Das sehen Vorstand und Mitglieder des „Aktionsbündnisses für die Ostheide“ offenbar anders: Sie erinnerten an das Dialogforum Schiene Nord in Celle und den dort gefundenen Kompromiss der „Ausbau vor Neubau“ vorsehe. Man gestehe den Lüneburgern zwar zu, damit nicht einverstanden zu sein, „aber von Demokraten erwarte man doch, dass sie dann das mit Mehrheit beschlossene Dokument des Dialogforums Schiene Nord akzeptieren und konstruktiv an der Umsetzung mitarbeiten würden“, heißt es in einer Pressemitteilung des AFDO. Und weiter: „Eigentlich sollte mit dem Alpha-Projekt und seiner Idee, die Lasten des Bahnausbaus auf möglichst viele Schultern zu verteilen, endlich Schluss sein mit dem jämmerlichen St.-Florians-Prinzip. Für Lüneburg gelte das aber wohl nicht, der Egoismus sei da nicht totzukriegen. Man wolle den Fern- und Nahverkehr auf der alten Trasse belassen und verschiebe den ungeliebten Güterverkehr weit weg in die Heide an die A7.“

Dazu Pols: „Das Ergebnis des Dialogforums Schiene Nord hat keinen ‚Gesetzescharakter‘, es ist allenfalls eine Willenserklärung der Unterzeichner – auch, wenn das von den Bürgerinitiativen anders dargestellt wird.“ Im Übrigen seien die Lüneburger auch nicht die einzigen, die andere Varianten bevorzugen würden. „Nach meiner Kenntnis haben auch Bienenbüttel und Bad Bevensen Resolutionen gegen Alpha E abgegeben,“ erinnert der Lüneburger CDU-Bundestagsabgeordnete.

„Es ist kein Geheimnis, dass wir in Lüneburg sowohl das Zustandekommen des Vorschlags Alpha E als Ergebnis des Dialogforums als auch eine mögliche Umsetzung dieses Vorschlags durch Lüneburg mehr als kritisch sehen“, sagt auch Oberbürgermeister Mädge: „Die Bestandsstrecke in Lüneburg brauchen wir für den Personennahverkehr und den Fernverkehr, die wir angesichts von Klimaschutzdiskussionen und der Erfordernisse gerade auch der Hamburg-Pendler noch ausbauen müssen. Für Umfahrungen oder ein 4. Gleis ist das Stadtgebiet nicht ausgelegt“. Wer die Auswirkungen von Alpha E realistisch betrachte, sehe, welche Einschnitte das bedeute, für den Bahnhof, für das Kloster, für Häuser in der Goseburg. Das käme einem Teilabriss der Stadt gleich – und nicht einer zukunftsfähigen Lösung für die Mobilität von morgen. Deshalb fordern wir in Ergänzung der Bestandsstrecke die Prüfung des Baus einer zweigleisigen Trasse für den Güterverkehr entlang der Autobahn 7.“

Dem Tourismus „Gute Nacht“ sagen

Kritik an der AFDO-Position übt auch Michael Hansen, Vorsitzender der Bürgerinitiative „Anwohner gegen Ausbau DE21“ in Deutsch Evern: „Das, was im Bundesverkehrswegeplan steht, ist nicht mehr das Alpha aus dem Dialogforum“. Er fürchtet durch die im Dialogforum und im Gesetz verankerte Ortsumfahrung einen „Zerscheidungskorridor“ quer durch die Heide. „Dann können wir dem Tourismus in Amelinghausen gute Nacht sagen und die Naherholungsgebiete bei Gellersen vergessen“. Sein Fazit: „Wenn die Alpha Freunde aus dem Landkreis Harburg jetzt auf die Umfahrung durch die unberührte Natur des Landkreises Lüneburg bestehen und eine deutlich verträglichere ‚Alpha A7-Variante‘ verhindern, dann ist das das St. Florian-Prinzip.“

Von Klaus Reschke

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