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Um dem Vermieter einen „Denkzettel“ zu verpassen, will ein 31-Jähriger am 29. November bei einer Tischlerei in Bienenbüttel ein Feuer gelegt haben. Symbolfoto: Archiv

„Ich bin der einzige Brandstifter, den er kennt“

Lüneburg. Es gab Streit um eine Wohnung in Neetze: Um dem Vermieter einen „Denkzettel“ zu verpassen, will ein 31-Jähriger am 29. November bei einer Tischlerei in Bienenbüttel ein Feuer gelegt haben. Seit Montag muss sich der Vastorfer vor der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts dafür verantworten. Während er diese Tat weitgehend einräumt, bestreitet er eine zweite. Die Staatsanwältin legt ihm zur Last, bereits Anfang September an einem Haus am Lüner Weg zwei Feuer gelegt zu haben. Weil ein Bewohner wach wurde, konnten die Flammen an einer Terrassentür relativ schnell erstickt werden. Mindestens zehn Menschen schliefen zum Tatzeitpunkt in der alten Villa.

Denkzettel für Vermieter?

Die Kammer beschäftigte sich zunächst mit dem Geschehen in Bienenbüttel. Der Angeklagte schilderte, dass er mit dem Vermieter vereinbart habe, in Räume in Neetze einzuziehen. Er habe einen Teil der Wohnung renoviert. Zwei Tage vor dem Einbruch „hat er mir die Wohnung wieder weggenommen“.

Der Mann, der einen Betrieb in Bienenbüttel führt, habe angeblich „mein Werkzeug“ unterschlagen, sagte der in Haft sitzende Angeklagte. Das habe er wiederhaben wollen. Deshalb sei er zwei Tage vor dem Brand abends dorthin gefahren. Durch ein Fenster der Werkstatt will er seine Gerätschaften gesehen haben. In der folgenden Nacht habe er erst mit Freunden zusammen gesessen und im Fernsehen Fußball geschaut, dabei „zwei, drei Bier getrunken“. Nach Mitternacht sei er von Vastorf nach Bienenbüttel gefahren.

Massive Zweifel an der Darstellung

„Ich habe mit der Handytaschenlampe durchs Fenster geleuchtet“, sagte er. „Mein Werkzeug war weg.“ Damit hatte sich der Plan des Einbruchs eigentlich erledigt. Doch: „Ich war sauer.“ In seiner Wut habe er eine Papprolle angesteckt, die er auf dem Gelände gefunden haben will – neben einem Holzstapel. Er habe „keinen großen Schaden anrichten wollen“, nur dem Vermieter zeigen wollen, dass er dessen Verhalten nicht in Ordnung fand. „Wie sollte der denn auf Sie kommen?“, fragte das Gericht. Antwort: „Ich bin der einzige Brandstifter, den er kennt.“

Das Gericht hatte massive Zweifel an der Darstellung: Zum einen brenne es nicht so schnell, zum anderen habe er bei einer Vernehmung durch die Polizei von einem mit Folie umwickelten Brett gesprochen. Wenn es um Strafmilderung gehe, müsse er die Wahrheit gestehen. Eine ähnliche Andeutung hatte die Vorsitzende Sabine Philipp schon zu Beginn der Verhandlung gemacht: Denn der Fall am Lüner Weg wiegt schwer, eben weil Menschen in Lebensgefahr waren. Eine Einlassung habe Einfluss auf den Prozess.

2011 Brände in Vastorf gelegt

Ein Zeuge, der nahe der Tischlerei wohnt, schilderte, wie er am Morgen des Brandes einen Mann in einem Auto gesehen habe, der sich auffällig verhielt. Er habe sich das Auto und Teile des Kennzeichens merken können. Auch deshalb klingelte die Polizei kurz nach dem Feuer in Bienenbüttel bei dem 31-Jährigen. Die Kripo traf einen alten Bekannten. Der Angeklagte war 2011 verurteilt worden, damals hatte er mehrere Brände in Vastorf gelegt. Der Prozess wird am 4. Juni fortgesetzt.

Von Carlo Eggeling