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Lenkrad, Airbag, Steuerungselemente und Audioanlage fehlen. Die Autoknacker haben allein in diesem Fall einen Schaden von mehreren Tausend Euro angerichtet. (Foto: Polizei)

Die Auto-Plünderer

Lüneburg. Wie viele Fälle zur Serie gehören, ist für den leitenden Ermittler noch nicht klar, aber er ist sicher: „Auf jeden Fall eine Menge.“ Reihenweise bauen Täter aus Autos Airbags, Navigationssysteme und Unterhaltungselektronik aus. Betroffen sind vor allem die Marken Mercedes und BMW.

Gerade erst hat die Polizei Tatorte aus Handorf, Adendorf und Brietlingen gemeldet. Gestern kamen Fälle aus Brietlingen hinzu: Aus zwei Audis wurden „aktive Kurvenlichter“ ausgebaut. Nun hat ein Team der Zentralen Kriminalinspektion (ZKI) einen Teil der Fälle übernommen. Entsprechende LZ-Informationen bestätigt die Polizei. In dieser Dienststelle sitzen Beamte, die unter anderem organisierte und Bandenkriminalität verfolgen. Sie wollen nicht namentlich in der Zeitung stehen.

In der ZKI gehen die Ermittler davon aus, dass mehrere Gruppen unterwegs sind und die Gebiete regelrecht abgrasen. Eine der Serien haben die Fahnder besonders in den Blick genommen: „Ein Schwerpunkt der Taten liegt im Bereich Lüneburg.“ In manchen Nächten plündern die Täter ein halbes Dutzend, manchmal noch mehr Autos. Immer wieder ein Schaden, der in die Tausende geht.

Unbedingt 110 anrufen

„Das Phänomen ist an sich nichts Neues“, sagt der Beamte. „Das erleben wir seit Jahren.“ Eben deshalb sei es auch schwierig, einen Beginn der Serie und eine Anzahl von Taten festzumachen. Doch aufgrund des Vorgehens der Täter haben die Ordnungshüter eine Reihe von Aufbrüchen zusammengefasst. Auffällig sei für seine Kollegen, dass sie bei Nachbefragungen von Zeugen immer wieder hören: „Ja, uns ist da schon etwas aufgefallen.“ Allerdings: „Die Leute haben sich nicht bei der Polizei gemeldet. Eben das wäre hilfreich für uns.“ Der Hauptkommissar appelliert: „Lieber einmal zu viel 110 anrufen.“

Aus anderen Fällen wissen die Ermittler, dass einige Diebesgruppen aus Osteuropa, beispielsweise aus Litauen kommen. Doch verallgemeinern will der Fahnder das nicht: „Wir stehen am Anfang.“ Auch wenn ein Schwerpunkt der Taten rund um Lüneburg liegt, so ist sich das Team in der ZKI sicher, dass die Autoknacker großflächig agieren. „Wir sind mit Kollegen in anderen Bundesländern in Kontakt.“

Beute kann Tätern auch um die Ohren fliegen

Der Polizist warnt vor Nachahmung: Bei seiner kriminellen Klientel handle es sich um Profis, die wüssten, wie sie vorgehen müssen. Doch wenn jemand meine, die teuren Airbags seien mühelos aus einem Lenkrad zu schrauben, könne er sich böse täuschen: „Hinter den Airbags sitzen Treibladungen, die die Kissen im Ernstfall in Bruchteilen von Sekunden aufpusten sollen. Wenn man da einen Fehler macht, kann einem das Ganze um die Ohren fliegen.“

Hinweise an die Polizei: (04131) 83062215.

Von Carlo Eggeling