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Ampeln bergen Konfliktpotenzial. Nicht immer scheinen allen die Regeln klar zu sein, wie hier am Theater. Foto: t&w

Ohne Rücksichtnahme wird es gefährlich

Lüneburg. Eltern aus dem Umfeld der Grundschule Hasenburger Berg sind in Sorge um die Sicherheit ihrer Kinder. Im Kern geht es um den Bereich der Fußgängerampel an der Soltauer Straße in Höhe der Bäckerei Harms. „Wir fordern, dass hier eine Beschilderung aufgestellt wird, die deutlich macht, dass die Ampel sowohl für Autofahrer als auch Fahrradfahrer gilt“, sagt Jennifer Sommermeier, Mutter von zwei Kindern und Vorsitzende des Fördervereins der Grundschule Hasenburger Berg. Doch damit liegt sie nicht ganz richtig.

Stadt wird Schild aufstellen

Jennifer Sommermeier erläutert den Sachverhalt: In der Kita sowie bei der Verkehrsschulung der Erstklässler werde den Kindern beigebracht, dass sie bei Grün die Fußgängerampel passieren dürfen, dann aber vor dem Radweg warten müssen, bis alle Radler durchgefahren sind. „Der auf dem Radweg aufgemalte weiße Balken in Höhe der Ampel zeigt aber doch an, dass Fahrradfahrer bei Rot wie auch die Autofahrer halten müssen.“ Dennoch beobachte sie immer wieder, dass Radfahrer dort entlang „brettern“, ohne abzustoppen. Das sei gefährlich. „Deshalb fordern wir hier eine deutliche Beschilderung, die Radlern anzeigt, dass sie bei Rot halten müssen.“

Doch rein rechtlich müssen die Fahrradfahrer dort auch gar nicht anhalten, verdeutlicht Polizeisprecherin Antje Freudenberg: „Der aufgemalte Balken hat keine rechtliche Bedeutung.“ Anders als etwa vor dem Theater, wo eine Fußgängerampel rechts vom Radweg steht und entsprechend das Rotlicht auch für Radfahrer gilt, sei es an der Soltauer Straße so, dass Fahrradfahrer bei Rotlicht für Autofahrer nicht zum Halten gezwungen sind. „Das Sicherheitsbedürfnis für die Kinder ist natürlich nachvollziehbar, und es wäre auch schön, wenn Radfahrer hier anhalten, um Kinder passieren zu lassen. Aber um rechtlich etwas zu ändern, wäre das Ordnungsamt gefordert, andere Rahmenbedingungen zu schaffen.“

Immer wieder sorgen Ampeln für Verduss

Für die Stadt sagt Pressesprecherin Ann-Kristin Jenckel: „Da der Radweg rechts an der Ampel vorbeiführt, ist der Balken für Radfahrer tatsächlich nicht bindend. Dennoch sieht das Straßenverkehrsrecht natürlich eine gegenseitige Rücksichtnahme vor – insbesondere mit Blick auf Kinder.“ Der Standort an der Soltauer Straße sei bisher nicht als Unfallschwerpunkt bekannt. „Dennoch nehmen wir die Sorgen der Eltern ernst und haben nun veranlasst, dort zunächst ein Schild aufstellen zu lassen, mit dem Hinweis: Vorsicht, Kinder! Damit alle Verkehrsteilnehmer dort künftig noch vorsichtiger unterwegs sind.“

Das Schild werde im Laufe der nächsten 14 Tage aufgestellt. Sollte sich die Situation aus Sicht von Eltern und Kindern nicht verbessern, müsse man in den entsprechenden Gremien darüber diskutieren, ob man die Ampel versetzt, damit der Radweg links von der Ampel verläuft und Radfahrer halten müssten. Dies wäre aber mit hohen Kosten verbunden.

Die Soltauer Straße ist nur ein Beispiel von vielen. Immer wieder sorgen Ampeln für Verdruss – sei es, weil Autofahrer die langen Rotphasen nicht nachvollziehen können, sei es, weil Fußgänger lange auf Grün warten müssen. Aber auch Radfahrer haben so ihre Probleme.

Auch Experte der Verwaltung sieht Verbesserungspotenzial

Wenn Stefan Metzger-Frey mit dem Rad in die Stadt fährt, ärgert er sich oft über Ampeln, die nur auf Grün springen, wenn man die Taste drückt. So wie jene an der Uelzener Straße in Höhe des Posener Altenheims. Während der Autoverkehr rollen könne, müsse er anhalten: „Ich fühle mich wie ein Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse.“ Es gibt weitere Ampeln, an denen es ähnlich läuft, zum Beispiel wenn man vom Moldenweg in Richtung Goseburg steuert. Auch dort muss der Radler erst drücken, bevor er freie Fahrt erhält.

Die Pressestelle im Rathaus nennt Erklärungen und Zahlen. Knut Schöning, im Bereich Straßen- und Ingenieurbau verantwortlich für Lichtsignalanlagen, verweist auf „99 Prozent Parallelgrün“ an Hauptstraßen in der jeweiligen Hauptrichtung, sowohl für Fahrradfahrer als auch für Fußgänger. Insgesamt gebe es 81 Bedarfsampeln, also jene, wo man drücken muss, 51 davon für den Fuß- und Radverkehr und 30 reine Fußgängerampeln.

Radverkehrsplaner Sebastian Heilmann räumt ein: „Ich bin dafür, dringend radfahrerfreundliche Schaltungen einzurichten.“ Aber er sagt auch, dass seine Kollegen schon einiges getan hätten: Vor eineinhalb Jahren seien die Grünphasen für Fußgänger und Radler an den Ampel „technisch optimiert“ worden, „doch zum Teil ging das zu Lasten des Radverkehrs“. An der Reichenbach-Kreuzung und am SaLü müsse der Radler die Taste drücken. Das sei manchmal eine Sekundensache: Ein Augenblick zu spät und der Radler muss die nächste Phase abwarten, während die Autos an ihm vorbeiziehen.

Scherben auf Radwegen als ständiges Ärgernis

Heilmann macht auf einen Sicherheitsaspekt aufmerksam: Wenn Autofahrer nach rechts abbiegen, haben sie Radler nicht jedesmal bewusst im Blick. An einigen Stellen habe die Stadt sich mit Blinkleuchten beholfen. Eine Garantie für mehr Aufmerksamkeit sei das nicht: „Bei Dauerbetrieb stumpfen die Leute ab.“

Die Verwaltung wolle den Verkehr möglichst flüssig halten, sagt Heilmann. „Durch ständiges Bremsen und Anfahren und längere Standzeiten, in denen der Motor läuft, erhöht sich natürlich auch der CO₂-Ausstoß. Den wollen wir so gering wie möglich halten. Allerdings ist in unseren neuen Leitbildern zur Radverkehrspolitik 2030+ der Beschluss zu fahrradfreundlichen Ampelschaltungen enthalten. Wir werden alle Möglichkeiten prüfen, wie sich das umsetzen lässt und dann dem Verkehrsausschuss vortragen.“

Radfahrer Metzger-Frey hat noch einen Vorschlag für die Stadt. Er wünscht sich eine Hotline, an die man sich wenden könne, wenn zum Beispiel Glasscherben auf den Wegen liegen. Als Radler habe er ja keinen Besen und kein Kehrblech dabei.

von Antje Schäfer und Carlo Eggeling