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So sieht es aus, wenn die Feuerwehr zum Einsatz auf den Standortübungsplatz gerufen wird. Die Löschfahrzeuge fahren sich fest, können nur mit Mühe befreit werden. Deshalb will die Samtgemeinde ein sehr geländegängiges Fahrzeug kaufen. Foto: Feuerwehr

Die Feuerwehr muss aufrüsten

Deutsch Evern. Die lange Trockenheit stresst den Wald: Da reicht jetzt oftmals schon ein Funke, um eine Katastrophe auszulösen. Ilmenaus Samtgemeindebürgermeister Peter Rowohlt (SPD) weiß das. Und er weiß auch, dass die Brandgefahr auf dem Standortübungsplatz Wendisch Evern noch um einiges höher ist: „Brände sind hier in der Vergangenheit unter anderem durch Darstellungsmunition, Nebelwurfkörper sowie Signalmunition entstanden“, erinnert der Rathauschef in einem Brief an Oberstleutnant Hendrik Staigis, Kommandeur der Lüneburger Aufklärer und zugleich Standort-ältester.

Ersatz für ein 28 Jahre altes Fahrzeug

Der Grund dieses Schreibens: Wenn es auf dem Bundeswehr-Übungsplatz brennt, ist auch die Feuerwehr Deutsch Evern gefordert. Doch die stößt mit ihren Löschfahrzeugen auf dem Gelände schnell an ihre Grenzen. „Alleine im vergangenen Jahr mussten wir zweimal den Rüstwagen aus Embsen mit der Seilwinde anfordern, um uns freischleppen zu lassen“, berichtet der Deutsch Everner Ortsbrandmeister Henning Bergmann.

Was den Brandschützern fehlt, um auch schwer erreichbare Gebiete auf dem Standortübungsplatz anzusteuern, ist ein hoch geländegängiges Tanklöschfahrzeug. Ein solches, rund 350 000 Euro teuer, will die Samtgemeinde nun für die Ortswehr Deutsch Evern anschaffen – als Ersatz für das vorhandene, bereits 28 Jahre alte und nicht voll geländegängige Tanklöschfahrfahrzeug. Vorausgesetzt, die Bundeswehr beteiligt sich mit einem Zuschuss in Höhe von einem Drittel des Kaufpreises.

Wie wichtig eine gute Feuerwehrausstattung ist, hatte erst jüngst wieder der Großbrand auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lübtheen gezeigt.

Standortältester empfiehlt finanzielle Beteiligung

Der Vorstoß aus dem Ilmenauer Rathaus stößt im Stabsgebäude der Theodor-Körner-Kaserne auf offene Ohren. Oberstleutnant Staigis sagt: „Wir sind zwingend auf die Unterstützung der kommunalen Feuerwehr angewiesen!“ Als Standortältester sehe er daher die Notwendigkeit der geplanten Neuanschaffung.

Eine bundeswehreigene Feuerwehr, wie es sie beispielsweise in Munster oder Faßberg gebe, gibt es im Standort Lüneburg nämlich nicht. „Die Brandbekämpfung auf dem Standortübungsplatz Wendisch Evern in eigener Zuständigkeit ist daher auch nicht möglich“, mahnt der Standortälteste. Er empfiehlt daher eine finanzielle Beteiligung des Bundes am geplanten Neukauf des hoch geländegängigen Tanklöschfahrzeuges. Denn auch Staigis weiß: „Durch den regelmäßigen Übungsbetrieb auf dem Standortübungsplatz mit seiner typischen Vegetation, bestehend aus Heidelandschaft mit Kiefernbestand, gibt es durchaus eine erhöhte Brandgefahr.“

Wie wichtig es im Ernstfall ist, schnell ausreichend Löschwasser auf den Standortübungsplatz zu bringen, hat der extrem trockene und heiße Sommer im vergangenen Jahr bewiesen: Ende September hatte ein Hobbypilot auf seinem sonntäglichen Rundflug eine Rauchentwicklung auf dem Standortübungsplatz zwischen Wendisch- und Deutsch Evern bemerkt. Trotzdem, so notierte später der Einsatzbericht der Deutsch Everner Feuerwehr, hätten die Brandbekämpfer Mühe gehabt, das Bodenfeuer, das an einer nur schwer zu befahrenden Stelle brannte, zu erreichen.
Für ein neues, hoch geländegängiges Tanklöschfahrzeug spricht aus Sicht der Ilmenauer auch die Tatsache, dass eine unabhängige Löschwasserversorgung auf dem Standortübungsplatz nur rudimentär vorhanden sei. So gebe es lediglich zwei Zisternen sowie den Elbe-Seitenkanal als mögliche Wasserentnahmestelle am Rande des Platzes. Hydranten sind in den Orten Deutsch und Wendisch Evern am Rande des Standortübungsplatzes und auf der Standortschießanlage vorhanden.

Zu weit entfernt von Wasserentnahme

„Einige Bereiche des Übungsplatzes sind jedoch über zwei Kilometer von der nächsten Wasser-entnahme entfernt“, mahnt Rowohlt und fügt in seinem Schreiben an Oberstleutnant Hendrik Staigis hinzu: „Damit sind hoch geländegängige, wasserführende Fahrzeuge zwingend erforderlich, um eine erfolgreiche Brandbekämpfung schnell einzuleiten.“ Die mit dem neuen Fahrzeug geplanten 3 000 Liter Tankinhalt seien eine Löschwasser-Menge, die für einen Erstangriff mindestens erforderlich sei.

So sieht das auch der Standortälteste, Oberstleutnant Staigis, der die Anfrage der Ilmenauer mit entsprechender Empfehlung an seine vorgesetzte Dienststelle, das Landeskommando in Niedersachsen mit Sitz in Hannover, weitergeleitet hat. Die endgültige Entscheidung wird allerdings in Bonn getroffen, genauer gesagt beim Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr. „Dort befasst man sich jetzt mit dem Ansinnen“, erklärte gestern auf Anfrage der Landeszeitung Oberstleutnant Jürgen Engelhardt, Sprecher des Landeskommandos.

von Klaus Reschke