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Die Bahn will sich aus dem Bahnhof zurückziehen. Was soll dann dort passieren? (Foto: A/t&w)

Es wird aufs Tempo gedrückt

Lüneburg. Ideen, wie das Bahnhofsumfeld weiter entwickelt werden könnte, stellte die Verwaltung jüngst im Verkehrsausschuss vor. Dabei ging es auch um eine sogenannte Mobilitätszentrale, die anstelle des jetzigen Reisezentrums entstehen könnte. Die Grünen wollen jetzt Tempo machen bei der Einrichtung einer solchen Zentrale. Sie blicken dazu auch in Richtung Förderprogramme, die die Verwaltung einwerben könnte.

Das Thema Mobilitätszentrale hat in Lüneburg schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Bereits Ende 2011 hatte Verkehrsdezernent Markus Moßmann öffentlich gemacht, dass anstelle des verwaisten Kioskes am Graalwall eine solche entstehen solle. Die Idee war: Neben einem Fahrrad-Reparatur-Service sollten dort auch ein Radverleih, eine Tankstelle für e-Räder sowie Gepäckfächer für Radtouristen angesiedelt sein. Außerdem sollte ein Beratungsangebot für Bürger und Rad-Touristen entstehen. Im Haushalt wurde dafür schließlich auch Geld eingestellt.

Mitte Mai 2012 wurde der Kiosk abgerissen, das Nachfolge-Projekt aber nicht realisiert. Sieben Jahre später griff die Jamaika-Gruppe das Thema wieder auf, indem sie zum Verkehrsausschuss im Mai den Antrag stellte: Vor dem Hintergrund, dass sich die Deutsche Bahn mit Info-Schalter und Ticketverkauf aus dem Bahnhof zurückziehen wolle, solle die Stadt doch erneut Planungen für eine Mobilitätszentrale aufnehmen. Mit Blick auf die Verkehrswende (Rad, Bus, Bahn sollen Vorfahrt haben) und eine sich immer schneller wandelnde Mobilität sei nicht nur „ein gebündeltes Angebot von Verkehrsträgern, sondern vor allem auch Beratung wichtig“.

Bis zu 600 000 Euro Förderung könnte es geben

Die Stadt begrüßte den Antrag, hatte selber inzwischen Überlegungen angestellt und erste Gespräche mit der DB geführt, der die Immobilie im Bahnhof gehört. In die geplante Mobilitätszentrale könnte die Eisenbahngesellschaft metronom einziehen, die sich laut Verkehrsvertrag verpflichtet hat, Fahrkarten für den Nah- und Fernverkehr zu verkaufen, machte Moßmann deutlich (LZ berichtete). Aber auch das KVG-Kundencenter, eine Tourist-Info, ADFC oder carsharing- Anbieter Cambio könnten dort angesiedelt sein. Die Politik signalisierte, die Verwaltung sollte in die weitere Planung einsteigen.

Aus Sicht der Grünen kommen diese Planungen sowie der Ausbau der Ladeinfrastruktur für e-Mobilität nicht in ausreichendem Tempo voran. Für beide Bereiche gebe es Förderprogramme, sagt Fraktionsvorsitzender Ulrich Blanck. Ladesäulen für e-Räder würden mit 6000 Euro bezuschusst, zur Errichtung von Mobilitätszentren seien bis zu 600 000 Euro Förderung bei den Sach- und Personalkosten möglich.

In einer Anfrage zur Ratssitzung am Donnerstag, 29. August, möchten die Grünen wissen, ob solche Förderprogramme in Anspruch genommen werden und mit welchen Ergebnissen? Und wenn nicht, aus welchem Grund?

Die Verwaltung wird laut Pressestelle dazu in der Sitzung Stellung nehmen.

Anfrage an die Landesregierung

SPD-Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers hat eine schriftliche Anfrage an die Landesregierung gestellt, da sie Berichten entnommen hatte, dass auch das DB-Reisezentrum in Lüneburg möglicherweise im Dezember 2022 durch eine DB-Agentur ersetzt werden soll.

„Nach der chaotischen Schließung des DB-Reisezentrums in Uelzen ist zu befürchten, dass es auch bei Veränderungen im DB-Reisezentrum in Lüneburg zu großen Schwierigkeiten kommen könnte. Sowohl DB als auch Metronom haben sich dort als nicht sichere Partner erwiesen“, erklärt Schröder-Ehlers und weiter: „Eine Situation wie in Uelzen, wo nur noch Automaten zum Fahrkartenkauf zur Verfügung stehen, muss verhindert werden. Der personenbediente Verkauf in Lüneburg muss erhalten bleiben“, so Schröder-Ehlers.

Von Antje Schäfer