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Noch muss Schulleiter Harald Gabbert in Artlenburg ohne Schüler auskommen. Bis die in den Klassenraum zurückkehren sind noch viele organisatorische Dinge zu klären. (Foto: t&w)

Unterricht im Schichtbetrieb

Lüneburg/Artlenburg. Der Schulbetrieb soll nicht in einem Ruck, sondern in Etappen wieder starten, und zwar gestaffelt ab dem 27. April. Darauf hatten sich Bund und Länder am Mittwoch geeinigt. Eine gute Entscheidung? Die LZ hat Schulleiter befragt.

Harald Gabbert, Leiter der Grundschule Artlenburg, steht hinter der Entscheidung. „Oberstes Gebot ist, dass wir alle gesund bleiben. Dafür muss alles getan werden“, sagt er. Ihm sei klar, dass dieser Plan für sein Kollegium bedeutet, dass es im Moment auf der Stelle tritt. „Weil es noch viele Fragezeichen gibt. Klar scheint nur zu sein, dass wir als erstes irgendwie unsere 4. Klasse beschulen müssen.“

Jeweils fünf Kinder in einem Klassenraum

Als kleine Schule mit 72 Schülern falle es im Vergleich zu größeren Grundschulen leichter, zu improvisieren. „Einen Schichtbetrieb mit jeweils fünf Kindern in einem Klassenraum bekommen wir hin. Im Wechsel wäre jede Klasse alle drei Tage an der Reihe“, weiht er in ein Gedankenspiel ein. Doch zuvor heißt es für ihn und seine Kollegen, weiter zu improvisieren – und zwar handwerklich, weil digitale Hilfsmittel fehlen.

„Wir richten eine Aus- und Abgabestelle im Windfang des Eingangsbereiches unseres Schulgebäudes ein. Dort können die Kinder – eines nach dem anderen – Unterrichtsmaterialien abholen und zur Kontrolle wieder abgeben“, berichtet er. Per E-Mail werden die Eltern die Zeiten und den Ablauf in den kommenden Tagen erhalten.

In den vergangenen Wochen hat Gabbert fleißig die LZ-Kindernachrichten gesammelt. Die kopierten Seiten wird er in der neuen „Poststelle“ der Schule mit ausgeben. „Die Kindernachrichten eignen sich hervorragend für den Sachunterricht. Es wird auch Fragen zu den Themen geben, die die Schüler beantworten sollen.“

Überdies bietet das Kollegium auf Wunsch und nach Absprache Gespräche an, die Lehrer mit Schülern und Eltern führen können. Auf Distanz, unter Berücksichtigung des Infektionsschutzes, dafür aber persönlich.

Gabbert hofft, dass eine Art Normalbetrieb an seiner Grundschule vielleicht noch vor den Sommerferien wieder möglich ist. Wobei nichts mehr so sein werde wie vor der Schließung, glaubt er. „Wir alle zusammen erfinden Schule gerade neu.“

Nur für die Prüfung zurück zur Schule

Hermann Rollwage, Leiter der Georg-Sonnin-Schule (BBS II) in Lüneburg, steht nach der Entscheidung von Bund und Ländern für eine schrittweise Wiederaufnahme des Schulbetriebs derweil wie viele Kollegen vor einem Haufen Fragen: Welche Hygienemaßnahmen sind erforderlich? Wie sollen die Abstandsregelungen auf dem Pausenhof umgesetzt werden? Und: Wer darf überhaupt zur Schule kommen?

„Wir haben als berufsbildende Schule ja sehr viele Schulformen, die nur einjährig sind“, erklärt Rollwage. „Jetzt muss also definiert werden, welche Klassen überhaupt Abschlussklassen sind.“ Es könnte passieren, dass schon zum Wiederbeginn „sehr, sehr viele Schüler“ im Gebäude Am Schwalbenberg unterrichtet werden müssen. Damit stellt sich für den Schulleiter auch die Frage, wie und woher entsprechendes Hygienematerial beschafft werden soll. „Es wird sicherlich schwierig sein, Desinfektionsmittel auf dem freien Markt zu bekommen. Und versuchen Sie heutzutage mal Schutzmasken zu besorgen…“

Rollwage ist sich dennoch sicher, dass sich all diese Fragen zusammen mit dem Landkreis und der Landesschulbehörde in den kommenden Tagen klären lassen. „Irgendwie kriegen wir das hin.“ Klarheit herrscht derweil für die Abiturienten: Die 33 Schülerinnen und Schüler, die an der Georg-Sonnin-Schule das Abitur ablegen wollen, werden lediglich zu den Prüfungen in der Schule erscheinen. Für sie beginnt der Marathon am Dienstag, 12. Mai, mit der schriftlichen Mathe-Klausur.

Von Stefan Bohlmann und Anna Petersen