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Politik mit Maske: Die Mitglieder des Hochbauausschusses wichen in die geräumige Mensa des Schulzentrums Oedeme aus und saßen sich wie im britischen Unterhaus gegenüber - allerdings jeweils zwei Meter voneinander entfernt. (Foto: t&w)

Barriere zweites Obergeschoss

Lüneburg. Die massive Kritik des Behindertenbeirates an der mangelnden Barrierefreiheit der Arena Lüneburger Land wird zu Nachbesserungen führen. So sollen der Umkleidetrakt und die Büroräume der Multifunktionshalle nunmehr so gestaltet werden, dass sie auch für Rollstuhlfahrer nutzbar sind. Beiratsvorsitzender Jörg Kohlstedt machte auf der Sitzung des Hochbauausschusses am Donnerstag jedoch seine Zweifel deutlich, ob die vorgesehenen Änderungen dafür ausreichend sind.

Zweiter Aufzug erst nach einem Jahr?

Einfacher soll auch die Nutzung des einzigen Fahrstuhls werden. Er würde über einen zusätzlichen Flur vom Foyer aus direkt erreichbar sein. Während diese bislang nicht einkalkulierten Kosten von 200 000 Euro nach den Vorstellungen der Verwaltung im Rahmen des Baus mit aufgenommen werden sollen, könnte ein zusätzlicher Fahrstuhl nachträglich eingebaut werden. Hier schlagen die Planer dem Kreistag vor, den Betrieb der Arena ein Jahr abzuwarten, um dessen Notwendigkeit zu überprüfen. Der mit 250 000 Euro veranschlagte Aufzug würde den bislang für gehbehinderte Menschen nicht zugänglichen Keller und die dortige Garderobe mit dem Erdgeschoss und dem ersten Stock verbinden.

Keine Chancen sieht Arena-Projektleiter Hans-Richard Maul indes für einen behindertengerechten Zugang ins zweite Obergeschoss. Dieser sei aus Brandschutzgründen nicht möglich. Maul verwies in der Diskussion auch darauf, dass Behindertensport „nicht zu den Zielvorgaben gehört, die der Kreistag für die Arena beschlossen hat“ und betonte, dass die Halle für Besucherinnen und Besucher „definitiv behindertengerecht“ sein werde. So seien bei der Planung die entsprechenden Bestimmungen der Baugenehmigung „selbstverständlich berücksichtigt“ worden. Die Kritikpunkte des Behindertenbeirates „gehen deutlich über dieses Pflichtprogramm hinaus“, merkte er an.

Kohlstedt wiederum unterstrich: „Wir wollen nichts, was über die allgemeinen Anforderungen der Normen hinausgeht – Menschen mit Behinderungen sollen das Gebäude nutzen können. Geben Sie diesen Menschen die Chance dazu“, appellierte der Vorsitzende des Behindertenbeirates.

Landrat Jens Böther (CDU) versuchte einen Bogen zu schlagen: „Wir sind noch nicht am Ende und haben die Dinge auf dem Zettel“, appellierte Böther, dass „alle mit gutem Willen das Beste daraus machen“ sollten.

Beirat: Behinderte sind in dieser Halle nicht gewollt

Die Debatte zu diesen Punkten verlief kurz. SPD-Fraktionschef Franz-Josef Kamp machte deutlich, dass planerische Details zwischen den Fachleuten und Interessenvertretern abgestimmt werden sollten. „Tauschen Sie sich aus, wie man das hinbekommt. Wir müssen uns dann darauf verlassen können“, machte er deutlich. Über zusätzliche Mittel muss jetzt im Kreistag entschieden werden.

Der Behindertenbeirat ist mit diesem Ergebnis nicht zufrieden. „Wir sind nach dieser Diskussion entsetzt“, fasste Kohlstedt die Stimmung nach einem Vorstandstreffen unmittelbar nach dem Termin zusammen. Beiratsvorsitzender Kohlstedt kritisierte: „Es bleibt der Eindruck zurück, dass Menschen mit Behinderungen in dieser Halle nicht gewollt sind.“

Von Marc Rath