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Manfred Niederhoff, Rüdiger Grewe und Nico Mattern aus der Gemeinde Amt Neuhaus stehen mit einem Transparent in der Elbe, fordern von der politischen Spitze den Bau einer Brücke. (Foto: Michael Behns)

„Die Brücke ist der Schlüssel“

Darchau. Genau jetzt ist der richtige Moment für ein deutliches Zeichen. „Ein Großteil des nötigen Geldes steht eigentlich bereit, was fehlt, ist allein der politische Wille“, sagt Rüdiger Grewe. Und an den appellieren Grewe, Manfred Niederhoff und Nico Mattern mit einer ungewöhnlichen Aktion: Um 10.24 Uhr waten die drei Bürger aus der Gemeinde Amt Neuhaus vor Darchau in die wasserarme Elbe, um nicht ganz in der Flussmitte ein Transparent zu hissen, auf dem steht: Herr Nahrstedt, Herr Weil, Frau Merkel – Wir brauchen hier eine Elbbrücke!

Nur fünf Minuten ist das Signal an die Politik zu sehen, denn die Strömung macht den Männern mit den orangefarbenen Rettungswesten zu schaffen. Aber die Zeit reicht für die gewünschten Fotos der Botschaft.

Die Elbe ist nach wie vor eine Grenze

Grewe wohnt in Haar im Amt Neuhaus, das seit genau 25 Jahren wieder ein Teil Niedersachsens ist. In Brahlstorf, das zu Mecklenburg-Vorpommern gehört, betreibt der 46-Jährige ein Unternehmen, das Oberflächen veredelt, Schrauben und Muttern verzinkt. 2010 hat er die Firma, die 25 Mitarbeiter hat, vom Vater übernommen. „Aber um die geht es nicht, auch nicht um meinen Namen – den können Sie ruhig weglassen.“ Was zählt, ist nur sein Anliegen: „Fast 30 Jahre nach der Wende sind wir noch immer abgeschnitten. Die Elbe ist nach wie vor eine Grenze. Mitten in Deutschland.

Ja, auch für seinen Galvanik-Betrieb würde eine Brücke manchen Weg seiner Lastwagen verkürzen. Und Bewerber von der anderen Seite der Elbe kann er nicht einstellen, weil in drei Schichten gearbeitet wird – aber die Fähre fährt nicht rund um die Uhr. Andere Unternehmen seien jedoch viel stärker betroffen. Immer wieder betont Grewe, dass es ihm um die ganze Region geht. Um das Zusammenwachsen. Um die Zukunft. Dass seine kleine Tochter – ein zweites Kind ist unterwegs – vielleicht eines Tages das Abitur in Bleckede machen kann. Ein Gymnasium gibt es zwar auch in Boizenburg, „aber das ist in Mecklenburg-Vorpommern – wir sind stolze Niedersachsen“.

Elbbrücke
Rüdiger Grewe. (Foto: bol)

Sieht er die Einheit erst mit der Brücke zwischen Darchau und Neu Darchau vollendet? „Alles hängt mit der Brücke zusammen. Die Wirtschaft, Schulen, das Vereinsleben, Kirchen- und Arztbesuche, das Einkaufen. Wir verschwenden jede Woche zehn Stunden Lebenszeit.“ Das alles gelte auch für die Menschen, die westlich der Elbe leben. „Die Brücke ist der Schlüssel, die brauchen wir unbedingt, anders können wir in dieser Region nicht zusammenwachsen.“ Die Familie Grewe hat im Hafen von Neu Darchau einen Liegeplatz für ihr kleines Boot – „aber wir kommen nicht hin“.

Einladung an die Politiker

Nein, mit Landrat Manfred Nahrstedt hat er noch nicht gesprochen. Auch nicht mit dem Ministerpräsidenten. Und mit der Kanzlerin schon gar nicht. „Aber ich würde sie alle gern hierher einladen.“ Nahrstedt, Weil und Merkel, „das sind die, die etwas bewegen können“.

„Jetzt bei dem Niedrigwasser“, scherzt Manfred Niederhoff mit Blick auf den Bagger am Ufer, „könnten wir ja schon mal die ersten Pfeiler setzen“. Der 68-Jährige hat die Gelegenheit genutzt und ist nach der Aktion mit dem Transparent zum West­ufer nach Neu Darchau geschwommen: „Das wollte ich schon immer mal.“ Aber für die Elbbrücke ist Niederhoff trotzdem.

Zur Sache

Bagger sucht sich Weg in der Elbe

Ein Bagger mitten in der Elbe. Geht nicht? Geht doch, wie man jetzt zwischen Neu Darchau und Darchau beobachten konnte. Dort hat das Team des Fährbetriebs nach mehr als sieben Wochen Stillstand wegen Niedrigwassers sein Schicksal selbst in die Hand genommen – und ein einzigartiges Experiment gestartet.

„Nachdem wir alles mögliche erwogen haben, sind wir mit einem Unternehmer und Baggerexperten auf die Idee gekommen, uns unsere Fahrrinne freizubaggern“, sagt Betriebsleiter Ernst Meihöfer. Die Technik, „gibt‘s eigentlich nicht“. Funktioniert hat sie trotzdem. „Der Bagger ist am Ostufer gestartet, hat 30 Zentimeter tief Sand ausgebaggert, sich um 180 Grad gedreht und mit dem Sand einen Damm gebaut, auf dem er sich bis ans andere Ufer vorarbeiten kann.“ Sobald das abgeschlossen ist, werden sie mit der „Tanja“ eine Testfahrt machen und bestenfalls wieder fahren. „Klappt das, können wir mit dieser Technik bei Niedrigwasser auch in Zukunft zuverlässig weiterfahren.“ Foto/Text: be/off

Von Klaus Bohlmann

6 Kommentare

  1. „Die Brücke ist der Schlüssel“ zur Unterwelt der Politik. Wer gut schmiert, der gut fährt.

  2. Eine starke Aktion mit fundierten, gut begründeten Argumenten von Herrn Grewe.

    Besonders diese Sätze: „Die Brücke ist der Schlüssel, die brauchen wir unbedingt, anders können wir in dieser Region nicht zusammenwachsen.“ „Fast 30 Jahre nach der Wende sind wir noch immer abgeschnitten. Die Elbe ist nach wie vor eine Grenze. Mitten in Deutschland.“ Vielleicht kapiert die Politik das entlich auch mal. Es genügt nicht immer nur vom zusammenwachsen und Angleichung von Ost- und Westdeutschland zu reden. Es muss auch etwas dafür getan werden. Eine Brücke kann da viel mehr bewirken als Sonntagsreden der Politiker.

    • Oscar, meck pom wartet auf euch. die elbe war schon immer eine natürliche grenze. und das die gebratenen tauben im westen gar nicht so tief fliegen, wie im osten immer geglaubt wurde und wird, sollte man langsam auch dort bemerkt haben. vielleicht hat man ja in neuhaus auch endlich gemerkt, meck pomm gehört auch zu deutschland. ein 70 millionen euro teures brückengeschenk für ca 4500 bürger, wo nicht mal die hälfte über die brücke wollen, ist ein schlechter witz. dass sich bürger so nach dem verkehr sehnen, gibt es auch nicht alle tage.

    • Ein Lied kann ebenfalls eine Brücke sein, Oscar. Ist in der Regel preisgünstiger, weniger umweltschädlich und darf darüber hinaus durchaus genauso mit pathetischen Plattidüden gespickt sein wie die argumentlosen Appelle von Herrn Grewe und Ihnen.

    • Ich habe da mal blöd gerechnet:

      Bei ca. 4.500 Einwohnern im Amt Neuhaus und 70 Mio. € Baukosten sind das pro Einwohner 15.555 € für die der Steuerzahler aufkommen soll.
      Da war das schiefe Haus am Bockelsberg bei 77.136 Einwohnern Lüneburgs und ca. 120 Mio. Baukosten mit 1.555 € pro Nase ja ein richtiges Schnäppchen….
      Hallo, liebe Brückenträumer, merkt mal was…

  3. Auf dem Mittelrhein gibt es zwischen Koblenz und Mainz auf rd. 80 Flusskilometern auch keine feste Querung. Diese „die-Elbe-ist-nach-wie-vor-eine-Grenze“-Rhetorik der Neuhäuser ist unsachlich. Wer sich einmal eine Deutschlandkarte ansieht, wird auch sehen, dass Neuhaus oder Brahlsdorf keineswegs „abgeschnitten“ sind. Das stimmt einfach nicht.